Anfang September 2020. Am Ende der Sommerferien werden die letzten Vorbereitungen fürs Schuljahr 20/21 getroffen. Auch an der Realschule am Eichberg. Auf dem Pausenhof kommt gerade eben ein fahrender Lieferwagen an, in ihm befinden sich die Schulplaner fürs neue Schuljahr. Der Schulhof wirkt ansonsten wie ausgestorben.

Keine Sommerferien wie jedes Jahr

Sommerferien wie jedes Jahr? Nein, denn im Schulgebäude der Realschule am Eichberg wird trotz Ferien fleißig gelernt. 27 Schüler nehmen das Angebot des Kultusministeriums wahr und holen zwei Wochen lang Lernstoff nach, den sie in den Monaten der coronabedingten Schließung verpasst hatten. Realschulleiter Holger Voggel bewertet das Konzept der Lernbrücken als sinnvoll und sagt: „Es gab Schüler, die während der Schließung nicht so gut erreichbar gewesen sind und es ist wichtig, dass wir diese Lernlücken schließen“. Die aktuelle Situation entspreche einfach einer Ausnahmesituation, in der es richtig sei, dass Lehrer auch in den Ferien mit den Schülern lernen.

Holger Voggel, Leiter der Realschule am Eichberg.
Holger Voggel, Leiter der Realschule am Eichberg. | Bild: Katharina Burger

27 Realschüler lernen in den Ferien

Voggel erläutert den Prozess der letzten Wochen vor den Schulferien: „Am Ende des Schuljahres hatte jede Lehrkraft dokumentiert, welche Unterrichtsinhalte im Präsenzunterricht und welche im Fernunterricht unterrichtet wurden“. Auch notierten die Lehrer in diesen Berichten den fehlenden Unterrichtsstoff. Diese Dokumentationen seien nun eine Orientierungshilfe für die Kollegen im neuen Schuljahr und in den Lernbrücken. Die Realschullehrer empfahlen 54 der insgesamt 342 Schülern die Teilnahme an der Intensivnachhilfe. 28 haben sich dafür angemeldet und 27 sitzen in den Schulklassen.

„Gewinn für die Schüler und die Lehrer“

Schulleiter Holger Voggel bewertet das Konzept als „Gewinn für die Schüler und die Lehrer“. Er ist dankbar, dass auch die Bereitschaft seiner Lehrerkollegen von Beginn an hoch wahr, den Unterricht in den Ferien mit zu organisieren und zu halten. „Schon in der Lehrerkonferenz, als ich das Konzept das erste Mal vorgestellt habe, haben sich gleich sechs Kollegen bereit erklärt zu helfen“, sagt Holger Voggel.

Sommerschule in Deutsch, Mathematik und Englisch

In den Lernbrücken der Pfullendorfer Realschule werden täglich sowohl Deutsch, Mathematik als auch Englisch von vier Lehrern unterrichtet. Insgesamt hat die Realschule 28 Lehrkräfte. Für den Mehraufwand des Unterrichts der Nachhilfe werden die Lehrer entweder materiell oder über die Verrechnung von 0,5 Deputatsstunden im übernächsten Schuljahr vergütet. Zwei der vier Lehrer haben sich für die Aufwandsentschädigung in Höhe von 40 Euro je Zeitstunde entschieden. Eine neue Lehrerin konnte extra für den Ferienunterricht schon zum 31. August, statt zum Beginn des Schuljahres, in den Schuldienst des Landes eintreten.

Schüler setzen selbst Schwerpunkte

Deutschlehrer Felix Henkenhaf, der gerade die acht Siebt- und Achtklässler unterrichtet, erklärt den Lernbrückenunterricht: „Die Schüler konnten selbst ihre Schwerpunkte setzen und lernen jetzt in den Bereichen, in denen sie ihren Nachholbedarf sehen“. Ein Siebtklässler gibt zu: „Ein bisschen seltsam ist das schon, in den Ferien zu lernen“. Auf den Schülertischen liegen die von Henkenhaf erstellten Arbeitsblätter. Die Schüler sitzen an Einzelplätzen unter Einhaltung der Abstandsregeln. Am Platz selbst dürfen sie den Mund-Nasen-Schutz abnehmen. Nach dem neuen Kultusministeriumskonzept müssen die Schüler keinen Abstand mehr halten. Doch Schulleiter Holger Voggel ist die Einhaltung der Corona-Maßnahmen wichtig, damit keine Ansteckung durch die Schüler mit dem Beginn des Schuljahres droht, weil sie jahrgangsübergreifend zusammen arbeiten.

Lernbrücken im Staufer-Gymnasium Pfullendorf

Auch das Staufer-Gymnasium bietet die Lernbrücken in zwei Gruppen für insgesamt 17 Schüler an. Die Oberstudienrätin und Rektorin Annette Ebinger erklärt: „Der Förderschwerpunkt liegt auf den Hauptfächern, insbesondere Mathematik und Fremdsprachen, bei Einzelnen auch Deutsch“. Zwei Lehrkräfte seien vor Ort in das Konzept eingebunden. „Eine ganze Reihe von Lehrerkollegen“ habe hierfür das auf die Schüler abgestimmte Lernmaterial erstellt, erklärt die Schulrektorin.

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An den Grundschulen wird gelernt

Laut Auskunft der Rektorin Jenny Schmid der Grundschule am Härle lernen auch dort 25 Schüler in den letzten zwei Sommerferienwochen. Schmid erläutert: „Ursprünglich waren von unseren Lehrkräften insgesamt 54 Schüler für die Lernbrücken empfohlen“. Die 25 teilnehmenden Schüler kommen aus den Klassen eins (11 Schüler), zwei (9) und drei (5). Auch eine Schülerin der Ramsbergschule aus Herdwangen-Schönach lernt mit den Grundschülern der Härleschule. Sieben Grundschullehrer wiederholen mit den Kindern den Stoff des vergangenen Schuljahres und legen ihren Schwerpunkt vor allem auf den Bereich der Leseförderung, erklärt Schmid und bedauert, dass sie das für die Lernbrücken versprochene Material vom ZSL (Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung) noch nicht erreicht hat. Die Rektorin beschreibt die Umsetzung der Nachhilfe: „Es sind täglich ein bis zwei Lehrpersonen für eine Lerngruppe zuständig, das heißt die Kinder werden in ihrer jeweiligen Jahrgangsstufe betreut, so dass es zu keiner Vermischung der Klassenstufen kommt“.

„Ein Kollege war zudem bereit die Kinder in Hohentengen zu unterrichten, weil das Staatliche Schulamt für diesen Ort keinen Lehrer gefunden hat“.
Ursula Matt-Pfeifer

Sechslindenschule sendet Lehrerin zur Aushilfe nach Hohentengen

An der Pfullendorfer Sechslindenschule lernen 30 Schüler täglich von 8.30 bis 12 Uhr. Neun der Lernbrückenkinder besuchen die Grundschule. Rektorin Ursula Matt-Pfeifer betont das Engagement ihrer Lehrerkollegen, denn vier Lehrer hatten sich bereit erklärt, den Unterricht zu übernehmen. Matt-Pfeifer sagt: „Ein Kollege war zudem bereit die Kinder in Hohentengen zu unterrichten, weil das Staatliche Schulamt für diesen Ort keinen Lehrer gefunden hat“

„Interesse zu gering“

An der Kasimir-Walchner-Schule, der Grundschule Wald, der Heimschule Kloster Wald und der Grundschule Illmensee findet kein Unterricht in den Sommerferien statt. Rektorin Sabine Fausel von der Grundschule Illmensee erklärt dies damit, dass ihre Klassenlehrer und Eltern keinen Bedarf sahen, „da wir im Vorfeld sehr viel Unterricht angeboten haben“.

Beratung und individueller Förderplan

Auch der Rektor der Heimschule Kloster Wald, Hartwig Hils, sagt: „Wir haben eine Lernbrücke angeboten, hatten auch eine eigene Lehrkraft, die die Lernbrücke durchgeführt hätte, allerdings war das Interesse zu gering“. Hils sagt: „Stattdessen bieten wir nun zu Beginn des Schuljahrs für interessierte Schülerinnen eine Beratung mit entsprechender Diagnostik und individuellem Förderplan an“. Walter Beyer, der Rektor der Grundschule Wald, beschreibt den Ablauf der Organisation der Lernbrücken in seiner Schule und sagt, dass nach der Abfrage der Klassenlehrer zwei Kinder Interesse an der Nachhilfe gezeigt haben. An eine andere Grundschule wollten diese jedoch nicht zum Besuch der Lernbrücken gehen.

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