Eine Gegenstimme kam von Gemeinderat Otto Lohr (FW). Seine Bedenken gegen den Haushaltsplan erwuchsen aus den gestiegenen Kosten für die Grundschulerweiterung: „Bei dieser Kostenlage steht die Erweiterung der Grundschule in Frage.“ Bürgermeister Michael Reichle und Michael Sonntag konnten diesen Einwand nicht ganz von der Hand weisen. Die ursprünglich geplante Investitionssumme von 1,3 Millionen Euro für die Grundschulerweiterung ist nur noch Makulatur. Zwischenzeitlich stand sogar ein Investitionsvolumen von 2,5 Millionen Euro im Raum. Allerdings einigten sich jetzt die Verwaltung und der Gemeinderat auf eine Deckelung der Investitionsausgeben auf einen Betrag von maximal 1,8 Millionen Euro. Abzüglich damit einhergehender höherer Zuschüsse benötigt die Gemeinde letztendlich dadurch zusätzliche Eigenmittel in Höhe von 310 000 Euro.

Verrechnung mit dem Basiskapital als letzte Möglichkeit

Laut Michael Sonntag entsteht bis 2023 ein Fehlbetrag von voraussichtlich 389 700 Euro, der nach den bisherigen Hochrechnungen nicht, wie gefordert, mit positiven Ergebnissen aufgerechnet werden kann. Als letzte Möglichkeit wird die Verrechnung mit dem Basiskapital veranschlagt. Dieses Vorgehen wird aller Voraussicht nach ausnahmsweise vom Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde akzeptiert. „Allerdings werden wir nicht umhinkommen, zukünftig unsere Einnahmensituation an die neuen Gegebenheiten anzupassen“, erläuterte der Kämmerer.

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In diesem Zuge warf Jörg Ehrlinspiel (FW) die Frage in den Raum: „Wo können wir das benötigte Geld einsparen?“ Darauf antwortete der Bürgermeister direkt: „Unsere oberste Priorität muss unbedingt den Zuschussprojekten beim Investitionsprogramm gelten.“ „Wir müssen stattdessen an die Einnahmen ran“, rundete er seine Argumentation ab.

Erweiterung der Grundschule wird nicht in Frage gestellt

Da machte Otto Lohr auch sogleich einen ersten Vorschlag. Die Gebühren für die Angelkarten stammen noch aus dem Jahre 2014 und könnten angepasst werden. Sein Vorschlag, beim Bade- und Fischereibetrieb an Erhöhungen ranzugehen, fand auch gleich beim Kämmerer ungeteilte Zustimmung. Für Kathrin Hecht (FW) steht jedenfalls fest, dass die Erweiterung der Grundschule für sie nicht in Frage steht.

Der neue Fünf-Jahre-Haushaltsplan bedeutet für die Gemeinde Illmensee jedenfalls, dass die notwendigen Kredite bis 2023 von gut 1,9 Millionen Euro auf rund 2,2 Millionen Euro steigen werden. Das bedeutet, dass die Gesamtverschuldung inklusive Eigenbetrieben auf voraussichtlich rund 4,7 Millionen Euro im Jahre 2023 ansteigt. Das entspricht eine Pro-Kopf-Verschuldung von 2283,73 Euro. Dagegen lag der Landesdurchschnitt im Jahr 2017 bei lediglich 1012,42 Euro.

Zusätzliche Kosten auch durch Kindergarten-Erweitung

Auch durch den Kindergarten Storchennest entstehen der Gemeinde zusätzliche Kosten. Durch die Einrichtung von zehn neuen Krippenplätzen errechnet sich ein Bedarf von zusätzlichen 1,36 Personalstellen. Gekürzt durch höhere Gebühreneinnahmen und Landeszuweisungen belastet dies den Haushalt ab 2021 trotzdem noch um rund 20 000 Euro jährlich. Diese sind allerdings bereits in der Planung berücksichtigt.

Der Ausbau des Kindergartens Storchennest ist dieses Jahr vorgesehen. Hier sollen neue Krippenplätze geschaffen werden.
Der Ausbau des Kindergartens Storchennest ist dieses Jahr vorgesehen. Hier sollen neue Krippenplätze geschaffen werden. | Bild: Johanson, Kirsten

Bezüglich des Haushaltsplans räumte Michael Sonntag bereits anfangs ein, dass der Entwurf corona-bedingt noch einige Unsicherheitsfaktoren enthalte. Allerdings seien nun sämtliche enthaltene Zahlen auf dem letzten Stand. Michael Sonntag meinte zusammenfassend: „Was die Verschuldung angeht, sind wir ausgemostet.“

„Das vorgelegte Zahlenwerk macht mich demütig“, bewertete Michael Reichle die Daten seines Kämmerers. Allerdings ist er auch davon überzeugt, dass die Gemeinde Illmensee mit diesem Investitionsplan in die richtige Richtung voranschreitet.

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