Die Erschließungsarbeiten mit der Kanalisation und der Ortsstraße an der Kreuzung zwischen Seestraße und Fischergärtle im Illmenseer Ortsteil Ruschweiler waren abgeschlossen, da wollte sich Bürgermeister Michael Reichle ein Bild von dem Ergebnis machen. In der Kreuzungsecke steht ein altes Transformatoren-Gebäude. Das Vorfeld des Gebäudes stach dem Bürgermeister als Schmuddelecke direkt ins Auge. „Mit Bodendeckern begrünen, war sein erster Gedanke“, erzählte er am Sonntag rund 100 Anwesenden, die bei der offiziellen Freigabe der neuen Lese-Ecke im Ort dabei sein wollten. Doch ideal wäre das nicht gewesen. Kurzerhand sprach er den benachbarten Künstler Alfons Röllinger an, ob der nicht vielleicht eine bessere Idee habe. Der war sogleich Feuer und Flamme für die Idee, diese Schmudedel-Ecke aufzuwerten. Kurzum, innerhalb von vier Wochen wurde auf dem wüsten Flecken eine Lese-Ecke.

Jörg Ehni stieg auf das Dach der neu gestalteten Lese-Ecke und gab das Stück „Der Handschuh“ zum Besten.
Jörg Ehni stieg auf das Dach der neu gestalteten Lese-Ecke und gab das Stück „Der Handschuh“ zum Besten. | Bild: Reschke, Robert

Martin Reiss, ein örtlicher Bauunternehmer, übernahm unentgeltlich die Baggerarbeiten sowie die Verbauung mit großen Steinblöcken, Kies und Ansaat-Erde. Der nächste Nachbar half beim Zimmern, Nageln und Schrauben und ein weiterer Nachbar versorgte die Arbeiter mit Kaffee und Kuchen. Auch für die Bepflanzung hat sich eine fleißige Hand gefunden. Und kaum standen die ersten Regale, wurden diese von Mitbürgern mit Lesestoff befüllt.

Die drei Musiker Elke Braun, Felix Bosch und Julian Braun (von links) gaben vor rund 100 Zuschauern der Einweihung der Lese-Ecke einen feierlichen Rahmen.
Die drei Musiker Elke Braun, Felix Bosch und Julian Braun (von links) gaben vor rund 100 Zuschauern der Einweihung der Lese-Ecke einen feierlichen Rahmen. | Bild: Reschke, Robert

Die Freigabe wurde musikalisch von den drei Ruschweiler Mitbürgern Elke Braun (Geige), Julian Braun (Cello) sowie Felix Bosch (Klarinette) begleitet. Olaf Brandt erläuterte die geschichtlichen Hintergründe der Gemarkung. So finden unter anderem die Weinranken, die im Frühjahr den Platz einrahmen werden, ihre Erklärung. Die Ruschweiler lieferten im Mittelalter einen kleinen Tropfen bis nach Österreich. Jörg Ehni, ein bekannter Theaterspieler und Schreiber aus dem Ort, nahm die Freigabe zum Anlass, vom Dach des kleinen Pavillons die Geschichte „Der Handschuh“ zum Besten zu geben. Künstler Alfons Röllinger ist glücklich: „Für mich ist mit dieser Ecke ein Traum in Erfüllung gegangen, wo sich unsere Bürger auch mal spontan zu einem Schwätzchen treffen können.“

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