Eine Karawane ist laut Duden eine ziehende Gruppe von Personen und Fahrzeugen. Im Herbst 2020 rief Pascal Violo ein Hilfsprojekt unter dem Namen „Karawane der Menschlichkeit“ ins Leben. Der österreichische Reisefotograf hatte das Gefühl, mehr für andere tun zu müssen. Nach dem Brand des Flüchtlingslagers Moria im September 2020 hatten die Geflüchteten alles verloren. Die Bilder machten den Familienvater wütend und traurig. Die daraus entstandene Energie bündelte er und setzte sein erstes Karawanenprojekt um.

Bei der ersten Spendenaktion wurden 100 Tonnen Hilfsgüter und Geldspenden gesammelt. Die „Karawane“ machte sich mit freiwilligen Helfern ins Lager Kara Tepe nach Lesbos auf. Auf all ihren bisherigen Reisen in die Flüchtlingscamps brachte sie eine große Portion Menschlichkeit im Gepäck. Die Organisation wünscht sich eine Welt ohne Fluchtursachen, Waffenexporte oder sklavenähnlicher Ausbeutung.

Reisefotografen erzählen über Hilfsaktion

Beim Live-Vortrag in der Kunstschule Pfullendorf berichteten die Reisefotografen Pascal Violo und Bruno Maul, was sie mit der „Karawane der Menschlichkeit“ bei ihren Hilfsaktionen erlebten. Jedes Mal gaben sie den Menschen, die dort unter unwürdigen Bedingungen leben müssen, ein Gesicht, ein Stück ihrer Würde zurück. Zu diesen Gesichtern gehört Abdullah Hawari, der aus Deutschland nach Afghanistan abgeschoben worden war und nun wieder versucht, zurückzukehren, oder das Mädchen Mariam, das im Lager Kara Tepe wie die anderen 2 500 Kinder wenigen Quadratmetern in ungeheizten Zelten, auf hartem Boden schlafen müssen. „In den Lagern werden die Menschenrechte oft mit Füßen getreten“, so Violo, der auf Lesbos die privat unabhängige NGO „Home for all“ unterstützt.

Neue Lebensfreude mit Artisten und Musikern

In Süditalien hilft die „Karawane“ dem Projekt „Casa Sankara“, das sich gegen die Ausbeutung der Migranten in der italienischen Landwirtschaft einsetzt. Etwa 500 Personen bewirtschaften eine knapp 20 Hektar große Landwirtschaft. Um die Erntearbeiten zu erleichtern, kaufte die Karawane beispielsweise einen Kleinbus für das Projekt. Auf der Suche nach weiteren Helfern für seine Organisation kam Pascal Violo auf seinen Kollegen Bruno Maul zu. Der Berufsfotograf war die „Heile-Welt-Fotografie“ leid und begleitete das nächste Karawanen-Projekt an der türkisch-syrischen Grenze. Es wirkten dort auch Clowns, Artisten und Musiker mit, die mit ihren Shows neue Lebensfreude vermittelten.

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Gestrandet auf der Flucht nach Europa

Bruno Maul begleitete auch einen Einsatz in der Grenzstadt Bihac in Bosnien an der Grenze zu Kroatien, wo tausende Menschen auf ihrer Flucht nach Europa gestrandet sind und in den Bergen in Kälte und Eis über lange Zeit übernachten müssen. Partner der „Karawane“ ist „SOS Bihac“. Das Karawanenteam half beim Einkaufen von Medikamenten und Lebensmittel, Verarzten von Verletzten und Verteilen der Lebensmittel.

Im Mai 2022 begleiteten Till Schilling, Leiter der Kunstschule Pfullendorf, die Pfullendorferin Sabine Gerstenmaier und Anja Kohler aus dem Allgäu ein Karawanen-Projekt in den Libanon, um dort die Idee einer mobilen Malschule in den Lagern und im Ghetto Shatila umzusetzen. Interessant war, dass die Kinder in den Flüchtlingslagern ganz andere Motive zeichneten als die Kinder im Ghetto, berichtet Sabine Gerstenmaier. Sie würde auf jeden Fall wieder mitgehen und auch Till Schilling versprach dies. Mit ihrem Live-Vortrag berichteten Pascal Violo und Bruno Maul von den Aktionen, sie sammeln auf ihrer Vortragsreise Spenden, die in Hilfsprojekte gehen.

940 Euro Spenden für den Libanon

Beim Vortrag in Pfullendorf kamen 940 Euro Spenden zusammen. Davon können drei Monatsmieten für zwei Schulprojekte im Libanon bezahlt werden, freute sich Violo. Für den Erhalt, die Mietkosten und Lehrergehälter für beide Schulprojekte, wo 450 Kinder ihr Grundrecht auf Bildung erhalten, sucht der Verein noch Menschen, die eine Patenschaft übernehmen.