Knapp sechs Wochen später als gewohnt startet die Räuberbahn zwischen Pfullendorf und Aulendorf am 14. Juni in die neue Saison. Das bestätigt Eisenbahnbetriebsleiter Frank von Meißner im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Die Gäste der Ausflugsfahrten müssen sich ein bisschen umstellen, denn auf Großveranstaltungen und Aufführungen im Zug wird verzichtet. „Wir werden individuelle erlebbare Programmpunkte aufbereiten und bewerben“, sagt von Meißner. Auch die Bewirtung durch das Bordpersonal im Zug müssen die Fahrgäste aber nicht verzichten. Im Zug haben insgesamt 130 Personen Platz. Wer mitfahren möchte, muss, wie es im öffentlichen Nahverkehr seit Ende April Pflicht ist, einen Mundschutz für die Dauer der Fahrt tragen“.

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Interaktive Führungen durch Pfullendorf

Die Stadt Pfullendorf lädt die Gäste, die mit der Räuberbahn am Stadtgartenvorplatz ankommen, zu einer interaktiven Führung mit dem eigenen Smartphone ein. Über das Gerät findet mit einem Audioguide eine interaktive Führung durch die historische Altstadt statt. Audioguides sind Tonaufnahmen, die auf dem Mobiltelefonen abgespielt werden können und Wissen vermitteln. Für die kleinen Räuber gibt es einen Zinken-Pfad in Pfullendorf zu entdecken, eine moderne Schnitzeljagd. Am Ende winkt den teilnehmenden Kindern eine Belohnung. „Für die neue Saison rechnen wir mit vielen Gästen aus dem Raum Ulm, da die Verbindung zum Bodensee von Ulm wegen einer Baustelle gekappt ist. Ich bin sehr optimistisch, dass wir diese Gäste umlenken können“, betont von Meißner im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Eselswanderungen ins Pfrunger Ried

Die besonders beliebten Eselswanderungen ins Pfrunger Ried werden 2020 ebenfalls wieder angeboten, sagt Frank von Meißner. Sie werden speziell auf die Ankunftszeiten der Züge von Richtung Ostrach/Altshausen und von Pfullendorf abgestimmt. Er betont, dass die wunderbare Naturlandschaft den Besuchern genügend Raum und Luft biete, den geforderten Mindestabstand einzuhalten. „Entlang der Räuberbahn gibt es viele Möglichkeiten, auch Teilstrecken zu radeln oder zu wandern und dies mit einer Bahnfahrt zu kombinieren“.

Die Eselwanderungen im Pfrunger-Ried sind ein Spaß für die ganze Familie. Ausgangspunkt ist der Bahnhof in Burgweiler.
Die Eselwanderungen im Pfrunger-Ried sind ein Spaß für die ganze Familie. Ausgangspunkt ist der Bahnhof in Burgweiler. | Bild: Frank von Meißner

Bald fährt der Zug auch samstags nach Aulendorf

Trotz der Corona-Krise und der damit verbundenen Einschränkungen gibt es in dieser Saison Neuigkeiten. Die Deutsche Bahn setzt dieses Jahr große Zuggarnituren vom Typ „628“ ein, die im Betriebshof in Ulm beheimatet ist und nur noch auf wenigen Nebenstrecken im Land zum Einsatz kommt. Außerdem kündigt Frank von Meißner an, dass in dieser Saison noch der Samstagsbetrieb kommt, den sich so viele Bürger wünschen. Covid-19 habe hier zu einer Verzögerung geführt. Spätestens zu den Sommerferien soll die Räuberbahn aber auch samstags zwischen Pfullendorf und Aulendorf verkehren. Geplant sei es, dass die Züge zu denselben Zeiten fahren wie bislang am Sonntag.

Touristisches Angebot soll ausgeweitet werden

Langfristig will die Arbeitsgruppe Räuberbahn, die aus Bahnverwaltung, der Touristikorganisation Nördlicher Bodensee, dem Verkehrsbund Bode und den Kommunen besteht, das touristische Angebot rund um die Bahn ausweiten. Der Themenweg „Räuberweg“ soll ein neues Angebot werden. Der Rundkurs startet am Bahnhof in Ostrach, führt über den Bannwaldturm bis nach Königseggwald. Er soll den Besuchern die Themen Natur-, Landschafts- und Eisenbahngeschichte näherbringen.

Die Räuberbahn verbindet Pfullendorf und Aulendorfmiteinander. ^Dieses Jahr kommen größere Zuggarnituren zum Einsatz.
Die Räuberbahn verbindet Pfullendorf und Aulendorfmiteinander. ^Dieses Jahr kommen größere Zuggarnituren zum Einsatz. | Bild: Frank von Meißner

2019 war ein Superjahr für die Räuberbahn

Die Räuberbahn ist eine Erfolgsgeschichte. Im letzten Jahr wurde die Bahn mit zwei Innovationspreisen des Landes und des Bodensee-Touristikverbands für den Ausflugsverkehr aber auch den Güterverkehr ausgezeichnet. Die Inbetriebnahme des neuen Haltepunkts in Hoßkirch sei einer der Höhepunkte gewesen, ist von Frank von Meißner zu erfahren. 5 400 Fahrgäste nutzten 2019 die Räuberbahn, rund 45 Prozent mehr als noch 2018. 2019 war für die kommunale Räuberbahn auch im Frachtverkehr mit 17 Güterzügen und rund 19 000 Tonnen Fracht ein Rekordjahr.

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Weniger Güterverkehr durch Corona

Neben diversen Holzzügen fuhr die UTL GmbH im Auftrag des Logistikspezialisten BKE Eisenbahn wieder Kunstdünger aus Osteuropa nach Altshausen. Frank von Meißner rechnet für 2020 allerdings mit einem coronabedingten Rückgang des Güterverkehrs entlang der Strecke. Er beobachte, dass der gesamte Güterverkehr auf der Schiene im Zuge der Corona-Krise abgenommen habe. „Aber es geht ohne größere Dellen weiter“, betont er. Das große Ziel sei das Projekt, dass die Räuberbahn die erste Bürgerbahn in Deutschland wird, die einen ganzjährigen Betrieb ermöglicht. Derzeit schaffen die beteiligten Gemeinden die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen, um dann 2021 komplett durchzustarten. Die Bürgerbahn soll ab Herbst 2022 fahren, kündigt Frank von Meißner an.

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