„Ein Mann gab sich als ehemaliger Kollege aus, wollte mir Jacken verkaufen und kam zu mir ins Haus. Ich habe ihn jedoch draußen gehalten. Das gefiel dem Betrüger nicht“, schildert Georg Kränkel aus Wald einen misslungenen Betrugsversversuch Kerstin Sohmer. Die Kriminaloberkommissarin steht mit ihrem Kollegen Kurt Hinz von der Polizeidirektion Sigmaringen auf dem Marktplatz in Pfullendorf, informiert über Betrugsmaschen und gibt Tipps, wie sich Betroffene verhalten sollen.

Keinen Fremden ins Haus lassen

Kommissarin Sohmer lobt Georg Kränkel für sein überlegtes Handeln: „Lassen Sie niemand ungesehen in ihr Haus. Öffnen Sie noch nicht mal die Tür, denn schnell ist der Fuß eines Betrügers drin.“ Der Betrüger verwickelt sein Opfer in ein Gespräch, während sein Komplize unbemerkt ins Haus kommt und die Schubladen leer räumt.

Abzocke läuft über das Telefon

Die Mehrzahl der Betrugsversuche läuft allerdings über das Telefon. Am bekanntesten ist der sogenannte „Enkeltrick“. Das Telefon klingelt. Am anderen Ende spricht eine Stimme: „Oma, dein Enkel ist im Krankenhaus. Er braucht Hilfe. Kannst Du Geld schicken?“. So oder so ähnlich beginnen diese Betrugsfälle, deren Zahl nach Angaben des Innenministeriums Baden-Württemberg sich seit 2017 von 944 in 2019 auf 2793 Fälle erhöht hat, wobei die Betrüger rund 3,1 Millionen Euro erbeuteten.

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„Hörer sofort auflegen!“

Die Kriminaloberkommissarin Kerstin Sohmer empfiehlt: „Wenn Sie merken, dass ein Betrugsversuch stattfindet, sollten sie sofort auflegen! Anschließend wären wir dankbar, wenn sie Hinweise zu dem Betrugsversuch an die örtliche Polizei weitergeben.“

Keine Daten herausgeben

Generell weist Sohmer darauf hin: „Geben Sie niemals persönliche Daten heraus und auch keine Auskünfte über ihre Wertsachen.“ Diese Warnung bezieht sich auf eine ganz perfide Betrugsmasche. Die Betrüger suchen sich im Telefonbuch gezielt Menschen mit älter klingenden Vornamen und kundschaften deren Wohngegend aus. „Wenn dann beispielsweise morgens ein realer Polizeieinsatz mit Blaulicht und Sirene in der Stadt war, melden sich die Betrüger am Nachmittag per Telefon, geben sich als Polizisten aus und behaupten, dass der morgendliche Polizeieinsatz ein Einbruchsfall in der Nachbarschaft war“.

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„Polizei holt keine Wertsachen ab“

Dann erklärt der falsche Polizist, dass man aufgrund des Einbruchs die Wertsachen der Nachbarn in Sicherheit bringen wolle, und kündigt an, dass ein Kollege vorbeikomme, um die Wertsachen zu holen. „Der Druckaufbau der Täter am Telefon ist enorm und ältere Bürger folgen dann leichter den Anweisungen des Betrügers. Doch wir, also die echten Polizisten, nehmen keine Wertsachen an uns“, sagt Sohmer. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie häufen sich nach ihren Angaben diese Vorfälle, denn viele Ältere leiden unter der zunehmenden Vereinsamung.

Opfer sollen Polizei informieren

Einen wichtigen Ratschlag haben die Polizisten für alle Opfer von Betrügern: „Schweigen sie nicht aus falscher Scham, sondern melden sie sich bei der Polizei oder informieren sie wenigstens ihre Angehörigen!“ Denn die Dunkelziffer von Betrugsopfern ist sehr hoch, wissen die Ermittler. Uwe Knöbel aus Meßkirch ist wie andere Interessierte froh über solche Tipps und lobt generell die Polizisten: „Ich bin gottfroh, dass es sie gibt.“

Polizei ruft nicht unter 110 an

Kriminalbeamtin Kerstin Sohmer macht klar, dass Angerufene sich nicht verunsichern lassen sollten, wenn die „110“ auf dem Telefondisplay erscheint: „Die Polizei kann unter der Nummer 110 angerufen werden, aber wir selber rufen niemals unter der 110 an!“ Die Polizistin rät im Zweifel, das Gespräch zu beenden und sich den Namen des Anrufers zu merken. Dann sollte man die örtliche Dienststelle anrufen, das Geschehen schildern und nachhaken, ob es diese Person überhaupt gibt. Auf keinen Fall sollte man bei diesem „Kontrollanruf“ die Rückruffunktion nutzen, denn sonst landet man wieder beim Betrüger.

Polizei kommt nur auf Zuruf

Eine weitere Betrugsmasche ist, dass falsche Polizisten am Telefon das Angebot machen, zu den Bürgern nach Hause zu kommen, um dort beispielsweise Tipps zum Thema Einbruchsschutz zu geben. „Wir kommen niemals unaufgefordert zu den Bürgern, sondern nur auf Zuruf“, warnt Kommissarin Sohmer eindringlich, sich auf ein solches „Angebot“ einzulassen.

Nur gekürzte Namen ins Telefonbuch

Sohmer rät den Bürgern, ihre Namen und Adressen nur abgekürzt in öffentlich einsehbaren Dokumenten wie dem Telefonbuch veröffentlichen zu lassen. Denn diese Informationen würden Telefonbetrüger ausnutzen.

Gauner versprechen Gewinne

Eine Masche ist das „Gewinnversprechen“. Dreiste Gauner versprechen am Telefon hohe Geldsummen, allerdings müssten die glücklichen Gewinner zuerst einige hundert Euro auf ein Konto überweisen, bevor man die 10 000 oder 50 000 Euro erhält. Die Betroffenen werden von den Betrügern am Telefon unter Druck gesetzt, Gebühren zu bezahlen oder kostenpflichtige Telefonnummern anzurufen vor einer Gewinnübergabe. „Überlegen Sie erst, ob Sie überhaupt bei diesem Gewinnspiel mitgemacht haben, und geben Sie keine persönliche Daten weiter“, warnt Kommissarin Sohmer.

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