Die Dimensionen sind schier unvollstellbar. In Pfullendorf mit seinen 10 000 Bewohnern in der Kernstadt sind zusätzlich 40 000 Menschen untergebracht, die Wohnraum und Nahrung benötigen. Heuschrecken fressen die Ernte, Terrorgruppen und Räuberbanden bedrohen die Bevölkerung und ein verheerendes Hochwasser vernichtet die letzten Habseligkeiten. Dieses apokalyptische Szenario bleibt Pfullendorf glücklicherweise erspart, aber es ist die Lebenwirklichkeit in der Stadt Kaya im Norden des afrikanischen Staates Burkina Faso, wie Ulrich Leibbrand, Vorsitzender der Initiative Burkina Faso-Keng Taooré Schulen für Afrika Pfullendorf, durch einen Hilferuf erfahren hat.

Auf jeden Einwohner der Stadt Kaya kommen vier Flüchtlinge

Der Verein unterstützt seit einem Jahrzehnt ein Waisenhausprojekt in der Stadt Kaya. 117 000 Einwohner zählt die Kommune, aber derzeit leben dort nochmals 472 000 Flüchtlinge, unter erbärmlichsten Bedingungen, hatte sich Kontaktmann Pasteur Abraham in einem Brief an die Pfullendorfer Initiative gewandt, die seit einem Jahrzehnt Projekte in dem bitterarmen Land unterstützt. „Mit über 6700 Euro konnten wir den Binnenflüchtlingen in Boussouma und Kaya helfen“, freut sich Leibbrand über die große Resonanz des spontanen Spendenaufrufes.

Die Habseligkeiten sind auf dem Boden zerstreut und niemand weiß, wie die Familie die kommenden Wochen überleben soll.
Die Habseligkeiten sind auf dem Boden zerstreut und niemand weiß, wie die Familie die kommenden Wochen überleben soll. | Bild: Fremd

Verantwortliche vor Ort garantieren direkte Verteilung der Spendengelder

Die Unterstützung der Flüchtlinge hat sich aus dem Projekt „Unterstützung des Waisenhauses Paradies des Enfants“ in Kaya, geleitet von Georges Sawadogo entwickelt, der schon mehrfach Pfullendorf besuchte und die Vereinsmitglieder über seine Arbeit informierte. Des Weiteren gibt es das Projekt „Alphabetisierung von Erwachsenen und Gesundheitsvorsorge“ von Pasteur Abraham sowie das Patenschaftsprogramm der Schulen, verantwortet von Mahama Mando in der Stadt Boussouma, der Partnerstadt von Saint Jean-de-Braye.

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Verheerende Unwetter vernichten Hab und Gut

„Pasteur Abraham setzt das Geld zur Hilfe der Binnenflüchtlinge mit dem Schwerpunkt für die vom Unwetter betroffenen Menschen ein“, berichtet Leibbrand auf Anfrage des SÜDKURIER, dass die Menschen durch verheerende Überschwemmungen zusätzlich heimgesucht wurden. Ein Teil des Spendengeldes erhielt Georges Sawadogo. Unterstützt wurden auch die Projekte von Mahama Mando.

Corona verschärft die Lebenssituation der Menschen extrem

„Alle drei Verantwortlichen in Burkina Faso haben schon zuvor von dem anhaltenden Strom der Flüchtlinge geschrieben“, erzählt Leibbrand von den schwierigen Lebensbedingungen, die sich durch Corona dramatisch verschlechterten. Eltern von Kindern, die die vom Verein unterstützten Schulen besuchen, haben ihre Arbeit und damit ihr Einkommen verloren. Denn viele Frauen und Männer verdingen sich als Tagelöhner, aber die Basare und Märkte sind wegen Corona geschlossen. Die Grundnahrungsmittel haben sich deshalb weiter verteuert und sind für viele schier unerschwinglich.

Nach der Überschwemmung haben die Familien extreme Schwierigkeiten, Nahrungsmittel und Kleidung für ihre Familien zu besorgen.
Nach der Überschwemmung haben die Familien extreme Schwierigkeiten, Nahrungsmittel und Kleidung für ihre Familien zu besorgen. | Bild: Fremd

Menschen fliehen vor IS-Terror und Räuberbanden

Die Flüchtlinge kommen vom Norden des Landes, dem Grenzgebiet zu Mali, wo bekanntlich auch deutsche Bundeswehrsoldaten in einer UN-Mission gegen die Terrororganisation IS im Einsatz sind. Die dünn besiedelten Wüstengebiete sind für Terroristen und Räuberbanden die idealen Rückzugsgebiete und sie vertreiben mit ihren Überfällen die Menschen aus den Dörfern, die dann in das Zentrum von Burkina Faso fliehen. Mit ihren letzten Habseligkeiten suchen die Binnenflüchtlinge Schutz in den Städten, so wie in Kaya. Dort gab es dann vom 12. bis 13. Juli ein verheerendes Unwetter, das das verbliebene Hab und Gut beschädigte oder zerstörte.

„Unbürokratische Hilfe für die Menschen“

„Unsere Hilfen kommen unbürokratisch und direkt bei den Menschen an, die sie brauchen. Regelmäßig fährt eine Delegation unseres Vereines auf eigene Kosten nach Burkina Faso, um die Entwicklung der verschiedenen Projekte zu verfolgen“, macht Ulrich Leibbrand klar, dass die Spendengelder direkt vor Ort verwendet werden. Und neben den Schulpatenschaften wird die Initiative nach seinen Angaben auch die Flüchtlinge in Kaya weiter unterstützen.

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Mehr als 100 Patenschaften für bedürftige Kinder

Vor einem Jahrzehnt hat sich die Initiative Burkina Faso gegründet und wurde viele Jahre von Heide Siegel geleitet. Zum Ziel haben sich die Mitglieder gesetzt, Menschen und Bildungseinrichtungen in dem Land zu unterstützen, besonders den Bau und Ausbau von Schulen sowie handwerklichen und landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten zu fördern. Dazu kommen aktuell etwa 100 Patenschaften, um bedürftigen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, wobei die Patengelder direkt an diejenigen ausbezahlt werden, die für die Kinder verantwortlich sind.

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