Unumschränkter Kenner der Finanzen der Stadt ist seit vielen Jahren Kämmerer Michael Traub und sogar der versierte Zahlenjongleur war bei der Aufstellung des Haushaltsplanes 2021 überrascht, wie er in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates erklärte. Denn die Finanzen der Stadt sind deutlich besser als Corona bedingt befürchtet. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, pflichtete ihm sein Chef, Bürgermeister Thomas Kugler, bei.

„Nettokreditaufnahme bis 2024 ist absolut vertretbar“

Im Schnelldurchlauf erklärte er den Gemeinderäten, warum ein Minus von 6 Millionen Euro in der Liquiditätsrechnung Jahr 2022 im Prinzip nicht so dramatisch ist, weil man 2023 und 2024 ein Plus von 5 Millionen Euro habe und letztlich ein Investitionsvolumen von 39 Millionen Euro, das die Stadt in den nächsten vier Jahren stemmen will, mit einer Nettokreditaufnahme von 700 000 Euro finanzieren kann. Rathauschef Kugler will noch einen finanziellen Puffer, denn das Megaprojekt „Verbundschule“ mit dem Neubau der Realschule ist noch nicht berücksichtigt, und 2022/2023 soll mit dem Bau begonnen werden. Kugler sicherte auch zu, dass es keine Erhöhungen von Gebühren und Steuern geben wird.

Durchschnittlicher Jahresüberschuss beträgt 1,6 Millionen Euro

Dank der Corona bedingten Gewerbesteuerkompensation von Bund und Land, die Pfullendorf im vergangenen Jahr 3,2 Millionen Euro in die Kasse spülte, verbuchte die Stadt 2020 ein Plus von 3,5 Millionen Euro, berichtete Kämmerer Traub. Zu Jahresbeginn 2021 hatte man insgesamt 4,5 Millionen Euro an Rücklagen, was im Prinzip einem kaufmännischen Gewinn entspricht. Dieser Posten wird sich nach seiner Berechnung 2021 um 1 Million Euro reduzieren und schwillt in den zwei Folgejahren bis auf 7,9 Millionen Euro an. Während viele Gemeinden nach der Umstellung auf die Doppik mit deutlichen Defiziten zu kämpfen haben, verbucht Pfullendorf 2021 bis 2024 durchschnittlich einen Jahresüberschuss von 1,6 Millionen Euro.

100 Einzelprojekte bis 2024 geplant

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Deshalb macht sich Traub auch keine großen Sorgen, dass für 2022 eine Kreditaufnahme von 7,3 Millionen im Haushaltsplan stehen hat. Er rechnete vor, dass man mit den prognostizierten Gewinnen von 2023 und 2024 und mithilfe bewilligter Kassenkredite die geplanten Rekordinvestitionen von 39 Millionen Euro stemmen könne. Rund 100 Einzelprojekte sind im Investitionsplan für 2021 bis 2024 aufgelistet, darunter die letzte Tranche von 600 00 Euro für das Dominikanerinnenkloster, dessen Sanierung letztlich dann 6,55 Millionen Euro verschlungen hat. 14,4 Millionen Euro an Einnahmen und 7 Millionen Ausgaben sind für für den Kauf und Verkauf von Grundstücken binnen vier Jahren geplant.

Stadt beteiligt sich mit fast 3 Millionen Euro am Neubau des evangelischen Kindertagheims

In 2021 soll auch die alte Ziegelei Ott abgerissen werden, was eine Million Euro kostet, wobei 381 000 Euro Zuschuss eingeplant sind. Der verschobene Umbau des Klaibers-Kreisels soll 2023 erfolgen, was 1,2 Millionen Euro kostet. Aus dem Programm „Digitalpakt Schulen“ erwartet Pfullendorf 600 000 Euro Zuschuss, bei 720 000 Euro an Ausgaben, wobei beide Positionen im Entwurf mit einem dreifachen Fragezeichen versehen sind. Mit rund 2,96 Millionen Euro beteiligt sich die Stadt am Neubau des evangelischen Kindertagheims, das rund 3,8 Millionen Euro kosten soll. Für das geplante Nahwärmenetz in der Altstadt werden bis 2024 rund 3,4 Millionen Euro veranschlagt.

Haushaltsentwurf 2021 umfasst 1500 Einzelpositionen

Manchem Gemeinderat dürfte der Kopf geschwirrt haben, als Traub knapp die Eckdaten des etwa 300 Seiten umfassenden Haushaltsplanentwurfs 2021 vorstellte, von Ergebnisrechnung, Rücklagen, Finanzhaushalt und Schlüsselzuweisungen sprach und immer wieder Verweise zur einstigen Kameralwirtschaft anstellte. Jetzt beraten die Fraktionen über den Entwurf, wobei der Kämmerer bei Bedarf ihnen die 1500 Einzelposten nochmals erläutert, bevor am 24. März die traditionelle Haushaltsklausurtagung des Gemeinderates stattfindet, die nach Ansicht von Traub aber nicht den ganzen Tag in Anspruch nehmen sollte.