„Schön, dass Sie da sind“, freut sich Brigitte Krieter und zieht ihre Gummistiefel an. Mit Jacke, Mütze und einem großen Müllsack geht es jetzt auf Jagd. Nicht nach Hasen oder Rehen, sondern nach den Hinterlassenschaften im Wald hinter dem Wohngebiet Roßlauf. „Ich gehe immer morgens in der Natur spazieren“, erzählt die 73-Jährige. Und da sie am Roßlauf wohnt, bietet sich natürlich der Wald an, der sich nicht weit entfernt befindet. Seit einigen Monaten ist auch immer ein Müllsack dabei. „Jetzt ist der noch leer, aber warten sie mal, bis wir wieder zurück sind“, schmunzelt Brigitte Krieter.

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Plastiktüten, Pizzakartons und jede Menge Flaschen

Dass an gut frequentierten Wanderwegen immer wieder Müll zu finden ist, so wie an der Fuchshalde, das scheint inzwischen normal zu sein. Aber in einem Wald, wo eigentlich keiner hinkommt? Das „eigentlich“ relativiert sich schnell, als wir über einen eigentlich schlecht begehbaren Pfad die ersten Überreste einer nächtlichen Party antreffen. Plastiktüten, Pizzakartons und jede Menge Flaschen aus Kunststoff und Glas. Glasscherben liegen um den „Lagerplatz“ verstreut. „Die Waldtiere freuen sich bestimmt, wenn sie in Scherben treten“, sagt Naturfreundin Krieter mit strengem Blick. Sie vermutet, dass es wohl vor allem jüngere Zeitgenossen sind, die im Wald feiern, weil wegen Corona die Möglichkeiten anderswo eingeschränkt sind. Dafür hat sie auch Verständnis. „Aber seinen Müll, den kann man doch mitnehmen und nicht einfach der Natur hinterlassen“, ärgert sie sich. Das sei doch auch nicht mehr Arbeit, als das Zeug her zu schleppen. Zumal die Flaschen auf dem Nachhauseweg ja leer seien. Und Flaschen gibt es wirklich viele. Auf einigen klebt sogar das Etikett einer Biermarke, die gleich klingt wie der Virus, der jetzt überall das Leben einschränkt.

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Offenbar wird im Wald immer wieder gefeiert

Brigitte Krieter zeigt noch mehrere Stellen, wo offensichtlich immer wieder gefeiert wird. „Keine Ahnung“, antwortet sie auf die Frage, wie viele Müllsäcke sie schon nach Hause geschleppt und den Inhalt stets fachgerecht entsorgt hat. Sie geht davon aus, dass die Hinterlassenschaften bald weniger werden. Nämlich dann, wenn die Temperaturen sinken.

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