In wenigen Tagen wird das Hospiz in Sigmaringen feierlich eröffnet. Mit der Gründung des Fördervereins „Hospiz Johannes“ im Dezember 2019 in der Kapelle des Landratsamts und dem Spatenstich ein knappes Jahr später hatte die Realisierung eines gemeinsamen stationären Hospizes für die Landkreise Zollernalb und Sigmaringen bereits Formen angenommen. Inzwischen ist die Einrichtung fertig. Sie bietet Platz für bis zu acht schwerstkranken Patienten. Betrieben wird das „Haus Johannes“ von der 1999 von den Franziskanerinnen von Reute gegründeten St.-Elisabeth-Stiftung mit Sitz in Bad Waldsee. Das Hospiz wurde möglich, durch Sophie Schwörer. Der Bau des Hospizes ist ein persönliches Anliegen der Familie Schwörer. 2017 ist Hermann Schwörer verstorben. Es war sein Wunsch, dass sich seine Witwe Dr. Sophie Schwörer um eine solche Einrichtung kümmert. Das künftige Hospiz „Haus Johannes“ in Sigmaringen wird ermöglicht durch eine großzügige Spende der Dr.-Hermann-Schwörer-Stiftung. Wie viel Geld genau gestiftet wurde, will Sophie Schwörer bis heute nicht sagen.

Buntes Rahmenprogramm am Sonntag

Am kommenden Sonntag, 9. Oktober, haben Besucher die Möglichkeit, sich das neue Hospiz zwischen 10 und 17  Uhr anzuschauen. Mit einem bunten Rahmenprogramm öffnet das neue Hospiz Johannes, das zukünftig von der St. Elisabeth-Stiftung in der Bittelschießer Straße 21 in Sigmaringen betrieben wird, am 9. Oktober seine Türen. Nach einem geistlichen Impuls im „Raum der Stille“, der von der städtischen Musikschule Sigmaringen musikalisch umrahmt wird, geben die Mitarbeitenden aus der Pflege und Hauswirtschaft den Besucherinnen und Besuchern Einblicke in die neuen Räumlichkeiten und stehen für Fragen persönlich zur Verfügung. Neben dem Förderverein Hospiz Johannes e.V. werden unterschiedliche Gruppen und Dienste, die zur palliativen Versorgung des Landkreises Sigmaringen und des Zollernalbkreises gehören, an Informationsständen über ihre Arbeit berichten. Zusammen mit den jüngsten Besuchern werden die Kinderhospizgruppen beider Landkreise einen „Mutstein“ malerisch gestalten und der „Letzte Wünschewagen“ aus Ludwigsburg kommt vor Ort und informiert über sein Wirken. Für das leibliche Wohl werden die Oberministranten von Fidelis, der Elternbeirat des Fidelis Kindergartens sowie die Narrenzunft Bingen sorgen.

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Der Raum der Still hat ein Replik erhalten

Als Schenkung des Ehepaars Dr. Reinhold und Verona Kühn aus Sigmaringen an den Landkreis Sigmaringen und zugleich als Dauerleihgabe des Landkreises Sigmaringen an die St. Elisabeth-Stiftung als Trägerin des Hospizes, bekommt das Hospiz eine Replik der auf das ehemalige Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen zurückgehenden gotischen Christus-Johannes-Gruppe für den Raum der Stille. In Gegenwart der Initiatorin und Mäzenin des Hospizes Sophie Schwörer, Landrätin Stefanie Bürkle für den Landkreis Sigmaringen, Landrat Günther-Martin Pauli vom Zollernalbkreis, Vorständin Andrea Thiele von der St. Elisabeth-Stiftung, des Vorsitzenden des Fördervereins des Hospizes Georg Link und des Ehepaars Kühn wurde die 89 Zentimeter hohe Holzfigur kürzlich feierlich übergeben.

Abschied vom Leben nehmen

Sophie Schwörer, Stefanie Bürkle, Günther-Martin Pauli und Andrea Thiele waren sich in ihren kurzen Dankesansprachen einig, dass dieses eindrucksvolle Zeugnis der mystischen Frömmigkeit mit der darin zum bildlichen Ausdruck kommenden vertrauensvollen Hingabe an Gott auch in der säkularen Gegenwart eine stimmige Botschaft gerade an seinem neuen Standort vermittle: Gehe es im Hospiz doch zentral darum, dass Menschen in ihren letzten Wochen und Tagen Abschied vom Leben nehmen und alle weltlichen Bindungen und Sicherheiten loslassen. Auf diesem für die Bewohner des Hospizes und ihre Angehörigen oft schmerzvollen Weg könne das sakrale Kunstwerk Trost und Vertrauen spenden.

Bei der Übergabe der „Johannesminne“ im „Raum des Stille“ des neuen Hospizes in Sigmaringen (von links nach ...
Bei der Übergabe der „Johannesminne“ im „Raum des Stille“ des neuen Hospizes in Sigmaringen (von links nach rechts): Mäzenin Dr. Sophie Schwörer, Landrat Günther-Martin Pauli, die Stifter Verona und Dr. Reinhold Kühn, Vorständin Andrea Thiele, Landrätin Stefanie Bürkle, Einrichtungsleiterin Hildegard Burger, Fördervereinsvorsitzender Georg Link, Pflegedienstleiterin Laura Stöckler, Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber. | Bild: Walter Schönfeld

Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber verwies darauf, dass das aus der Abendmahlsschilderung des Johannes-Evangeliums abgeleitete Bildmotiv mit dem in völligem Vertrauen und Hingabe an der Brust Christi ruhenden Lieblingsjünger Johannes sich in den Frauenklöstern des 14. Jahrhunderts im schwäbisch-alemannischen Raum großer Beliebtheit als Andachtsbild und Ausdruck der mystischen Frömmigkeit erfreut habe. Allein fünf der 28 erhaltenen Christus-Johannes-Figuren aus dem 13. bis 18. Jahrhundert stammten mit den Klöstern Heiligkreuztal, Inzigkofen, Mariaberg, Wald und Zwiefalten aus der unmittelbaren Nachbarschaft von Sigmaringen. Ein besonderes Zentrum besaß die spätmittelalterliche Frauenmystik im Kloster Inzigkofen, aus dessen reichem religiösem Erbe sich neben der „Johannesminne“ von 1310/20 auch ein inzwischen auf zahlreiche Bibliotheken verteilter handschriftlicher Buchbestand mit Schriften nahezu aller wichtigen Vertreter der Mystik sowie teilweise wundervoll illustrierten Andachts- und Lehrbüchern zum mystischen Weg der „Gelassenheit“ erhalten habe. Das Original der Inzigkofer Christus-Johannes-Gruppe gelangte in den 1920er Jahren – angeblich zur Finanzierung eines Wasserleitungsbaus – über das Haus Nazareth in Sigmaringen nach Berlin und ist heute im Bode-Museum auf der Museumsinsel ausgestellt.