Heutzutage legt man auf die Gestaltung der Decken im Wohnbereich nicht so viel Wert. Meistens besteht „der Himmel“ eines Wohnzimmers aus einer gestrichenen Raufasertapete, manchmal aus einem nachempfundenen Gebälk oder aufgebrachtem Putz. In früheren Zeiten richteten die Menschen, die es sich leisten konnten, auch auf die Deckengestaltung ihr Augenmerk. Manchmal kann man noch eine ganz besondere Gestaltung entdecken. So auch in einem Gebäude in der Hauptstraße. Den genauen Standort verraten wir auf Wunsch des Hausbesitzers nicht. Er möchte nicht, dass Leute kommen und das bewundernswerte Kunstwerk anschauen wollen. Die Räume sind auch vermietet. Es geht nicht um Geheimniskrämerei, sondern um den Schutz der Privatsphäre.

Die Malereien stammen vermutlich von Matthäus Hofmann.
Die Malereien stammen vermutlich von Matthäus Hofmann. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Wenn die ehrwürdigen Häuser in der Altstadt sprechen könnten, dann könnte man bestimmt eine ganze Menge aus alten Zeiten erfahren. Und vielleicht auch davon, warum man bestimmte Dinge auf eine besondere Art gebaut oder gestaltet hat. Oft ist es ein Zufall, dass etwas entdeckt wird, das man zweifellos als Kleinod bezeichnen kann und vielleicht sogar einmalig in der Stadt ist. So wie eine ganz besondere Deckengestaltung, die auch heute noch in voller Pracht erhalten ist.

Damalige Bewohner nicht unvermögend

„Ist doch wunderschön, oder?“, sagt der Besitzer eines Gebäudes in der Hauptstraße, das schon viele Jahre auf dem Buckel hat. Es wird schon im Jahr 1594 genannt und war ursprünglich eine Gaststätte samt Brauerei. Der mächtige Gewölbekeller kündet noch von dieser Zeit. Im Jahr 1700 brannte das Gebäude ab und wurde wohl nach 1726 neu erbaut. Und damit kommen wir auch schon der Deckengestaltung in einigen Räumen näher, die auch heute noch ganz bestimmt etwas Besonderes ist. Die damaligen Bewohner dürften wohl nicht ganz unvermögend gewesen sein. Denn die Stuckdecken in einem Obergeschoss konnten nur Handwerker gestalten, die diese Technik auch beherrschten.

Keine Frage: Da waren nicht einfache Handwerker, sondern auch ein echter Künstler bei der Gestaltung der Decke am Werk.
Keine Frage: Da waren nicht einfache Handwerker, sondern auch ein echter Künstler bei der Gestaltung der Decke am Werk. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Mit Beginn der Moderne nach dem Ersten Weltkrieg wurde Stuck aus der Architektur nahezu verbannt. Im Deutschland der 1950er und 1960er Jahre verlor dekorativer Stuck weiter an Bedeutung und wurde vielfach als störend empfunden, da er nicht den modernen Architekturvorstellungen entsprach. Aus diesem Grund wurde der Stuck von vielen Altbauten entfernt, was als „Fassadenverödung“, stilmäßige Bereinigung oder als Entstuckung bezeichnet wurde. Reichhaltige Stuckdecken wurden abgehängt, das heißt eine Flachdeckenkonstruktion wurde unter die Stuckdecke eingezogen und dabei der Stuck oftmals erheblich beschädigt. Andererseits blieb durch das „Verstecken“ sicherlich manche Kostbarkeit erhalten, die ansonsten durch häufiges Überstreichen (oder Entfernen) gefährdet war. All das trifft bei dem Gebäude in der Innenstadt nicht zu.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Stuck an zwei Zimmerdecken sieht aus wie neu und weist auch noch eine Besonderheit auf, die man wohl außerhalb der ehemals Freien Reichsstadt kaum finden wird: In Stuckteilen, die wie kunstvolle Bilderrahmen gestaltet sind, kann man Bilder erkennen, die da hinein gemalt wurden. Ein Kenner ist überzeugt, dass die Darstellungen von Matthäus Hofmann stammen. Und Hofmann ist zwar schon bald 100 Jahre tot, aber er hat eine große Menge an Darstellungen hinterlassen, die auch nicht mehr vorhandene Gebäude in der Stadt zeigen. Der Maler Matthäus Hofmann lebte vorwiegend von Auftragsarbeiten. In diese Rubrik dürfte auch die Deckengestaltung fallen, die nur Bewunderung hervorrufen kann. Und das soll auch so bleiben. Denn das die wundervollen Decken übermalt oder gar entfernt werden, das ist für den Hausbesitzer undenkbar. Er freut sich, dass er einen wahren Schatz sein Eigentum nennen kann, von dem nur wenige Menschen wissen.