Zwischen Pfullendorf und Aach-Linz, auf der Wasserscheide zwischen Bodensee und Donau entwickeln Susanne Zazo Hackenbracht und Gerold Hellwig eine facettenreiche Kunststätte. Das fünf Hektar große Gelände mit Gebäuden, Wiesen, Büschen und Bäumen bietet den Nährboden für kreative Ideen, konzentriertes Schaffen, für ein produktives Miteinander sowie ein Aufladen mit künstlerischen Impulsen. Das „Kieslager 2“, wie sich die Kunststätte nennt, umfasst das Atelier der Künstlerin Susanne Zazo Hackenbracht, Pläne für das Konzept „Artist in Residence“ sowie Raum für Business-Coaching und Reitsport-Aktivitäten. Gerold Hellwig und Susanne Hackenbracht bringen unterschiedliche gestalterische Konzepte unter einem Dach zusammen und wollen dabei offen bleiben für das, was sich ergibt.

Ein Ort der Inspiration zwischen Pfullendorf und Aach-Linz

Fährt man von Wald oder Herdwangen kommend durch Aach-Linz, muss man in der Linkskurve am Ortsausgang Richtung Pfullendorf auf eine kleine Straße abbiegen. Nach vorsichtigem Durchfahren eines Reiterhofs sieht man, dass dies der richtige Weg zur Kunststätte Kieslager 2 ist. Große Metallobjekte erheben sich sowohl rechts vom Weg um das gepflegte Bauernhaus, als auch links davon auf einer Freifläche vor dem Stallgebäude. Gelbe Haifischflossen aus Metall ragen aus dem Gras, die türkisfarbenen Rohre der Außenstühle recken sich dynamisch in die Höhe.

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Ein kleiner Spaziergang auf dem Gelände zeigt den freien Blick in alle Richtungen. Im Osten erwartet den Besucher das Stadtrelief von Pfullendorf, der Bergwald und Teile des Seeparks. In Richtung Nordwest sieht man den Buschoren und in Richtung Südwest den Ortskern von Aach-Linz sowie das Ruhestetter Ried. Bei entsprechender Wetterlage reicht der Blick bis nach Süden auf das Appenzeller Land, den Alpen-Hauptkamm bis zum Bergpanorama der Allgäuer Alpen und der Schweizer Zentralalpen: ein Ort der Inspiration.

Künstlerin sprüht vor Energie und Tatendrang

Im Herbst vergangenen Jahres begannen Gerold Hellwig und Susanne Zazo Hackenbracht, an diesem besonderen Flecken Natur eine Skulpturenausstellung einzurichten. Die Stahlbildhauerin Susanne Zazo Hackenbracht hat auf dem Gelände ihr Atelier, in dem sie bereits in der Vergangenheit „Catch of the day“-Tage anbot. Eine Gelegenheit für Besucher, ihr beim Arbeiten über die Schulter zu schauen. „Diese Zazelier-Tage sind auch toll für mich“, sagt Susanne Hackenbracht, die eine unbändige Energie ausstrahlt und vor Tatendrang sprüht. Während sie arbeite, sei sie ganz in ihrer Welt und könne dadurch am besten ihre Ideen erklären. Eine riesige Portion gestalterische Kraft und Anregungen brachte sie von ihrem Künstleraustausch aus den USA mit.

Hackenbracht schätzt das Künstler-Frauennetzwerk

„Mit einfachen Mitteln und in schlichten Werkstätten haben wir dort miteinander gearbeitet“, schwärmt sie. Daraus ist eine intensive Künstlerfreundschaft unter anderem zu der Bildhauerin Kristen Tordella-Williams aus Jackson/Mississippi entstanden, mit der sie die Objekte „Alligator Dreams“ entwickelte und noch vieles plant. „Die Begegnung ist für die eigene Entwicklung wichtig“, betont Susanne Hackenbracht. Gerade als Bildhauerin habe man es schwer auf dem Kunstmarkt, vor allem auf dem internationalen. Deshalb schätzt sie das Künstler-Frauennetzwerk, das unter anderem durch ihren Aufenthalt in Salem im US-Bundesstaat New York stark ausgeweitet wurde.

Susanne (Zazo) Hackenbracht in ihrem Atelier, das sie Zazelier nennt.
Susanne (Zazo) Hackenbracht in ihrem Atelier, das sie Zazelier nennt. | Bild: Isabell Michelberger

Mit dem Bildhauer, Poet und Landwirt Gerold Hellwig, Künstlername Caput Levis, arbeitet sie gerade an der gemeinsamen Schweißarbeit „Trismadue“. Beide arbeiten sie gerne mit Stahl und genießen den künstlerischen Dialog. Schweiß- und Schmiedekurse gehören mit zum Angebot der Kunststätte.

Für jede Stimmungslage ist ein geeigneter Ort dabei

Weiteres Ziel der Kunststätte Kieslager 2 ist die Einrichtung eines Stipendiums, mit dessen finanzieller Unterstützung Künstler oder auch Literaten einige Wochen auf dem Gelände verbringen können, um sich ihrer Arbeit zu widmen. „Viele denken, aus den Künstlern sprudelt es immer nur raus“, erzählt Gerold Hellwig. Doch wenn Vielfalt entstehen soll, brauche ein Künstler auch Input. Der könne aus der Ruhe entstehen oder im angeregten Austausch. „Auf dem Gelände gibt es für jede Stimmungslage geeignete Orte“, beschreibt der Bildhauer und Poet – von ruhigen Stellen innerhalb einer kleinen Lichtung in einer Bauminsel bis zu energetisch aufgeladenen Orten.

Orte sind nach persönlichem Bedürfnis auswählbar

„Je nach Bedürfnis, kann man sich einen Ort am Quellgebiet, im Strandkorb, auf der Aussichtsplattform oder auf einer Bierbank unter der Saalweide aussuchen“, zählt Hellwig einige Möglichkeiten auf. Das Logo des Kieslager 2 greift die Verbundenheit zum geografischen Ort auf: zwischen einem roten Oval und einem grauen, kantigeren befinden sich zwei bewegte Streifen. Dies symbolisiert den Sonnenuntergang, der sich rot auf den Baggerseen spiegelt. Die graue Fläche darunter steht für den Kies, der die Landschaft prägt. „Wir versuchen mit unseren Projekten, das Oben und Unten zusammenzubringen“, erläutert der Bildhauer.

Reitstall steht auch für Workshop mit Pferden zur Verfügung

Ein Vorteil der Kunststätte besteht darin, dass sie über ein großes Angebot von Räumlichkeiten verfügt. Dazu gehört ein Reitstall, der sich für Workshops mit Pferden, für den Reitbetrieb, aber auch für Kunstprojekte eignet. Man spürt bei den beiden Bildhauern, dass ihnen die Ideen noch lange nicht ausgehen. „Wir möchten offen bleiben für das, was kommt“, versichern sie.

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