Ein kostbarer Rohstoff verbirgt sich unter der Erde im Waldgebiet zwischen Otterswang und Kappel – Kies. Seit einigen Jahren baut die Firma Valet & Ott auf dem Gelände abschnittsweise Kies ab. In einem ersten Schritt wird die Waldfläche gerodet, dann abgebaut und später folgt zwingend die Rekultivierung. Bevor der vierte Teilabschnitt ausgebeutet werden kann, musste das Areal untersucht werden, ob sich darin noch etwas Kostbareres verbirgt – Zeugnisse keltischer Kultur. Um den Erhaltungszustand und die Ausdehnung des dortigen Gräberfeldes besser einschätzen zu können, fanden im September 2020 archäologische Sondagen statt, veranlasst vom Landesdenkmalamt des zuständigen Regierungspräsidiums Stuttgart. Die Behörde wurde schon frühzeitig in die Planungen der Kiesgrubenerweiterung einbezogen. Die Voruntersuchungen vor einem Jahr hatten ergeben, dass es sich um eine einfache Brandbestattungstätte handeln muss.

Kiesabbau derzeit bis kurz vor die Begräbnisstätte

Ein riesiges Loch klafft neben der Ausgrabungsstätte. Dort schreitet der Kiesabbau voran und gleichzeitig wird die Grube schon wieder verfüllt.
Ein riesiges Loch klafft neben der Ausgrabungsstätte. Dort schreitet der Kiesabbau voran und gleichzeitig wird die Grube schon wieder verfüllt. | Bild: Volk, Siegfried

Der Kiesabbau reicht nun unmittelbar an die Grabhügel heran und entsprechend der Vereinbarung wird das Areal nun erneut untersucht, denn man hat entschieden, die Gräber auszugraben, wie eine Sprecherin des Landesdenkmalamts auf Anfrage bestätigte. Vor der drohenden Zerstörung durch die Rohstoffgewinnung werden diese seit Juli vollständig dokumentiert, abgetragen und die Funde geborgen. So bleibe zumindest der dokumentarische Wert dieses Grabhügelfeldes erhalten.

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Private Grabungsfirma arbeitet nach den Richtlinien des Landesdenkmalamts

Im Auftrag des Kieswerkbetreibers Valet & Ott führt eine private Grabungsfirma diese Ausgrabungen aus. Während sich die Arbeiten zuerst auf das Umfeld mit dem Abtrag des Waldbodens und die Dokumentation des derzeitigen Zustandes der Hügel beschränkten, werden nun die Hügel systematisch abgetragen und dabei nach den Richtlinien des Landesamtes für Denkmalpflege dokumentiert. Auch wenn die Untersuchungen der Hügel selber noch am Anfang stehe, wird nach Angaben der Behörde deutlich, dass die Erhaltung der Bestattungen weit besser ist, als Unternehmungen im 19. Jahrhundert vermuten ließen.

Die Grabhügel werden zur Dokumentation schichtweise abgetragen. Dabei wird alles, was nicht natürlichen, sondern anthropogenen Ursprungs ist – Knochen beziehungsweise Leichenbrand und gegebenenfalls weitere Funde – geborgen. Werden Skelette oder Leichenbrand entdeckt, erfolgt eine anthropologische Untersuchung, um unter anderem das Alter, das Geschlecht und mögliche Krankheiten zu ermitteln.

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