Pfullendorf – Als Freie Reichsstadt hatte Pfullendorf keinen Landesherrn, der mit seinen Soldaten die Stadt schützen konnte. Also mussten die Bürger bewaffnet werden. Und das war bereits im Jahr 1471 so. Damals wurde die Schützenbruderschaft St. Sebastian gegründet, die mit Bogen und Armbrüsten ausgerüstet war. Als man auf Vorderladergewehre umrüstete, da brauchte man natürlich eine spezielle Übungsstätte. Also errichtete die Stadt eine Schießstätte am heutigen Schützenbühl. Ob die Schützen auch über eine Kanone verfügten, das ist nicht bekannt.

Die Pfullendorfer Schützen mit einem Foto ihres neuen Schützenhauses im Tiefental bei der Kaserne. Die meisten Gewehre waren damals in Privatbesitz. Nach Kriegsende mussten alle Waffen abgegeben werden.
Die Pfullendorfer Schützen mit einem Foto ihres neuen Schützenhauses im Tiefental bei der Kaserne. Die meisten Gewehre waren damals in Privatbesitz. Nach Kriegsende mussten alle Waffen abgegeben werden. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Erstes Schützenhaus stand nicht weit von der Kaserne

Erst Jahrhunderte später, nämlich am 10. August 1911 wurde die Schützengesellschaft ins Vereinsregister des großherzoglichen Amtsgerichts in Pfullendorf eingetragen. Im gleichen Jahr bauten die Mitglieder im Tiefental eine Schießanlage mit Schützenhaus. Bei Kriegsende 1945 mussten die Gewehre abgegeben werden. Die französische Besatzungsmacht erzwang die Auflösung des Vereins. Erst ab 1953 wurde dieser wieder erlaubt und die Mitglieder begannen damit, das noch immer vorhandene Schützenhaus herzurichten.

Das Schützenhaus stand links neben der heutigen Straße zur Staufer-Kaserne, die damals noch „Neue Kaserne“ hieß. Im Jahr 1958 brannte es durch Unachtsamkeit einer Baufirma vollständig ab.
Das Schützenhaus stand links neben der heutigen Straße zur Staufer-Kaserne, die damals noch „Neue Kaserne“ hieß. Im Jahr 1958 brannte es durch Unachtsamkeit einer Baufirma vollständig ab. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Schützenhaus in Pfullendorf muss 1958 geräumt werden

Am 17. Dezember 1956 wurde die Schießanlage dann von den Behörden abgenommen. Der Schützenverein Pfullendorf hatte damals dreizehn Mitglieder. 1957 musste der Schießbetrieb dann wieder eingestellt werden. Schuld war die Bundeswehr. Die Schießanlage befand sich nämlich auf dem Gelände links der im Volksmund „Panzerstraße“ genannten Zufuhr zur 1957 bis 1959 erbauten „Neuen Kaserne“.

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Am 11. März 1958 mussten die Schützen ihre Heimstätte räumen. Erst durch die Fusion mit dem KK-Schützenverein Aach-Linz, der seit 1955 über eine Schießanlage verfügte, konnte die Tradition bewahrt werden. Es entstand die Schützengesellschaft 1471 Pfullendorf/Ach-Linz e.V., die mittlerweile ein neues Schützenhaus bauen musste. Und dort im Keller findet man eine absolute Rarität.

1888 Sehr gut erhalten ist die letzte Kanone von Pfullendorf. Im Kriegseinsatz war sie nicht.
1888 Sehr gut erhalten ist die letzte Kanone von Pfullendorf. Im Kriegseinsatz war sie nicht. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Zwei Kanonen galten lange Zeit als verschwunden

Zwei Kanonen wurden wohl vor dem Jahr 1900 gebaut. Sie dienten dem damals beliebten Salutschießen an Feiertagen. So wurde auch an einem Fronleichnamstag damit geschossen. Wie berichtet wird, waren die Kanonen aber von der Mehrfachbenutzung mittlerweile sehr heiß geworden. Während des Ladevorgangs musste jemand mit dem Finger die Mündung zuhalten. Das heiße Eisen verbrannte aber dem Bürger den Finger und er ließ los. Dabei riss es ihm die komplette Hand ab, die dann über die Prozessionsteilnehmer geflogen sein soll. Eines der Geschütze wurde Jahre später durch Fehlbedienung zerstört.

In der Mitte ist der Dorn, der das Zündhütchen das Schwarzpulver detonieren lässt. Bedienen darf das Geschütz nur ein Spezialist.
In der Mitte ist der Dorn, der das Zündhütchen das Schwarzpulver detonieren lässt. Bedienen darf das Geschütz nur ein Spezialist. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Statt Kugeln werden Kiesel in die Kanone geladen

Als am 25. März 1848, dem sogenannten „Franzosensonntag“, die Nachricht kam, dass die Franzosen den Rhein überschritten hätten, sollte am Neuweiher, wo heute das Waldbad zu finden ist, ein Probeschießen stattfinden. Mangels Kanonenkugeln lud man das Geschütz mit Kieselsteinen und richtete es gegen die Fuchshalde aus. Nach dem heftigen Knall standen die Bäume immer noch und die Kieselsteine waren nicht weit vor der Mündung des Rohres ins Wasser gefallen. Da war klar, dass man mit diesem Geschütz die Stadt nicht verteidigen konnte.

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Die Sache mit den Franzosen war übrigens das, was man heutzutage als „Fake-News“ bezeichnen würde. Als später dann die Preußen im Land Baden das Sagen hatten, da mussten alle vorhandenen Waffen abgeliefert werden. Die Kanonen gingen nach Rastatt.

Schon vor Jahrhunderten gab es in Pfullendorf eine Schützenvereinigung. Heute wird nur noch zu sportlichen Zwecken geschossen.
Schon vor Jahrhunderten gab es in Pfullendorf eine Schützenvereinigung. Heute wird nur noch zu sportlichen Zwecken geschossen. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Unter einem Steinhaufen wird eine alte Kanone entdeckt

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden zwei neue Kanonen angeschafft, von denen aber bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts niemand wusste, wo sie abgeblieben waren. Dann wurde die Steinscheuer ausgeräumt und zur Stadtbücherei umgebaut. Unter einem Steinhaufen in einer Ecke fand ein Arbeiter eine Kanone und erbat sie vom damaligen Bürgermeister Hans Ruck für seinen Verein. Das war die Schützengesellschaft. Und seitdem haben die Schützen eine Kanone, die zum Salutschießen genutzt wird. Für den bestmöglichen Zustand sorgt ein speziell dafür ausgebildetes Mitglied der Schützengesellschaft.