Corona hat die Gesellschaft weiter im Würgegriff – der Lockdown wurde bis Ende Januar verlängert, mit teilweise verschärften Bedingungen. Alle Hoffnung richtet sich auf die Impfstoffe, die binnen eines Jahres entwickelt wurden, wobei die Politik festlegte, dass zuerst die Personengruppe der über 80-Jährigen sowie Pflegekräfte geimpft werden sollen. Seit Start der Impfkampagne gibt es in Baden-Württemberg allerdings massive Kritik an der Terminvergabe, die zentral via Telefon (116 117) oder online (www.impfterminsvervice.de) erfolgt.

Abgeordneter fordert persönliche Einladung für über 80-Jährige

Der Sigmaringer Landtagabgeordnete Klaus Burger (CDU) hat sich mit einem Brief an den baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha gewandt und diesen gebeten, sich dafür stark zu machen, dass die Gruppe der über 80-jährigen durch die zuständige Behörde, also Landratsamt oder Gesundheitsamt, persönlich zum Impftermin eingeladen wird. „Und damit meine ich einen Brief mit Rückmeldebogen und Terminvereinbarung“, sagt Burger. Ein Schreiben an alle Baden-Württemberger, wie es die Landesregierung offenbar plane, um für die Impfung zu werben sei sicher eine gute Sache. Etwas völlig anderes sei es aber, die über 80-jährigen direkt von vor Ort anzusprechen.

Klaus Burger: „Hotline funktioniert ebenfalls nach wie vor nicht“

„Wir wissen doch, dass gerade diese Gruppe der Senioren meist weder über Internet noch Smartphone verfügt und selbst wenn, dass es häufig Probleme beim Umgang damit gibt. Die Hotline funktioniert ebenfalls nach wie vor nicht“, betont Burger. Daher seine eindringliche Bitte an den Minister, die er auch als seniorenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ausspreche. Landrätin Stefanie Bürkle wird am kommenden Montag mit den Bürgermeistern der 25 Gemeinden im Kreis Sigmaringen dieses Problem thematisieren und Möglichkeiten ausloten, wie man den Senioren helfen könnte.

Wie komme ich zum Impfzentrum nach Hohentengen?

Wer über kein technisches Equipment verfügt oder mit dessen Handhabung überfordert ist oder niemand zur Unterstützung hat, für den ist es im Prinzip nicht möglich, einen Impftermin zu vereinbaren, auch wenn er zur Risikogruppe gehört. Ein weiteres Problem haben viele Ältere im Kreis Sigmaringen, denn das kommunale Impfzentrum wurde in der ehemaligen Oberschwabenkaserne in Hohentengen eingerichtet. „Wie komme ich dahin?“, fragen sich viele Senioren.

VdK-Ortsverband Pfullendorf: „Es geht um Menschenleben“

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Deshalb will der VdK Pfullendorf helfen und Senioren unterstützen, einen Impftermin zu bekommen: „Es geht um Menschenleben!“, formuliert VdK-Vorsitzender Karlheinz Fahlbusch drastisch. Er will mit seinem Verein, der aktuell 330 Mitglieder zählt, terminsuchenden Menschen helfen. Konkret ist geplant, dass versierte VdK-ler für Senioren eine Art „Sammelterminvereinbarung“ machen und später die Betroffenen nach Hohentengen ins Impfzentrum bringen.

Dutzende Freiwillige für einen Fahrdienst

Nach Angaben von Fahlbusch haben sich schon Dutzende Freiwillige für diesen Fahrdienst gemeldet und bereit erklärt, ältere Menschen mit ihrem Auto ins Kreisimpfzentrum zu fahren. Dieses Angebot gilt aus versicherungstechnischen Gründen allerdings nur für VdK-Mitglieder. Klar ist, dass es kein „Sammeltaxi“ geben kann, da sich aufgrund der Corona-Vorgaben maximal eine fremde Person im Auto eines Haushaltes befinden darf.

Corona-Informationen ausgedruckt und ins Schaufenster gehängt

Der VdK kritisiert auch die Informationspolitik des zuständigen Sozialministeriums. Zwar sei auf Homepage des Landes eine ausführliche Übersicht, in der sämtliche Fragen zu den Corona-Impfzentren detailliert und verständlich erklärt werden. Aber was ist mit den Menschen, die keinen Computer haben, oder in deren Gemeinde es keine Internetverbindung gibt? Der Pfullendorfer VdK-Chef hat kurzerhand die pdf-Datei ausgedruckt und in das Schaufenster beim „Haus am Hechtbrunnen“ gehängt und zudem die Infos an 135 Mitglieder verschickt, die eine Mail-Adresse haben.