Hans Halder, seine Frau, seine Tochter, der Schwiegersohn und die drei Enkel. wohnen im Andelsbachtal in der ehmaligen Baumannmühle, die schon 1465 erwähnt ist.

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„Platz gibt es hier genug“, schmunzelt der 74-Jährige. Das kann man wohl sagen, denn 400 Quadratmeter Wohnfläche sind schon beachtlich. Geheizt wird mit Flüssiggas aus dem Tank und mit vier Holzöfen.

Ein nostalgischer Küchenherd hat den Kachelofen ersetzt.
Ein nostalgischer Küchenherd hat den Kachelofen ersetzt. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Einen Anschluss ans Stadtgas gibt es hier natürlich nicht. Denn es ist keine Übertreibung, wenn man den Standort der Baumannmühle als „mitten in der Pampa“ bezeichnet. Von der Straße, die von Pfullendorf in Richtung Hahnennest führt, zweigt die Zufahrt ab, die schon sehenswert ist. Es sind einige Hundert Meter, die von Pappeln gesäumt werden. Die kleine Allee ist 50 bis 60 Jahre alt und ein öffentlicher Weg.

Fenster erinnern an eine Kirche

Hans Halder ist Diplomingenieur (FH) für Maschinenbau und hat sich bei einem großen Computerhersteller in Sindelfingen zum IT-Fachmann ausbilden lassen und dort gearbeitet. Mit 50 ging er in Frührente und gründete eine Firma, die IBM-Vetriebspartner für den Großraum Bodensee wurde. Und damit ist er heute noch von seiner Mühle aus aktiv.

Hinter dem großen Sprossenfenster (rechts) verbarg sich früher der Mühlenteil.
Hinter dem großen Sprossenfenster (rechts) verbarg sich früher der Mühlenteil. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Dass er einen Internetanschluss hat, ist selbstverständlich. Und natürlich hat er auch ein Arbeitszimmer. In dem standen früher das Mahlwerk und die Getreide- und Mehlsäcke. Es ist deshalb groß und auch hoch. Mit dem Holzofen bekommt er den riesigen Raum mit 70 Zentimeter dicken Wänden gut beheizt. Was isoliert werden konnte, das wurde gemacht.

Wo früher die Mehlsäcke standen, da hat IT-Spezialist Hans Halder jetzt seinen Arbeitsplatz.
Wo früher die Mehlsäcke standen, da hat IT-Spezialist Hans Halder jetzt seinen Arbeitsplatz. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Die Fenster erinnern mehr an eine Kirche als an ein Produktionsgebäude. Es gibt Vermutungen, dass in den Zeiten der Pest eines der Pfullendorfer Klöster hier eine Außenstelle einrichtete und der Raum vielleicht für Gottesdienste genutzt wurde. Doch Nachweise wurden bislang noch keine gefunden.

Sofort in die Mühle verliebt

Und wie kommt man von Sindelfingen an den Andelsbach? „Wir hatten dort ein Haus und wollten frühzeitig etwas hier in der Region kaufen. Das hier war schon nicht mehr als Mühle genutzt und der damalige Besitzer wollte hier seinen Altersruhesitz einrichten“, berichtet Hans Halder.

Die Enkel Aron und Isabell Fritsche fühlen sich mit Airdale-Terrier Betty sichtlich wohl in der alten Mühle. Kein Wunder: Hier hat man jede Mengen Platz um zu spielen. Sie wohnen mit ihren Eltern im Obergeschoss.
Die Enkel Aron und Isabell Fritsche fühlen sich mit Airdale-Terrier Betty sichtlich wohl in der alten Mühle. Kein Wunder: Hier hat man jede Mengen Platz um zu spielen. Sie wohnen mit ihren Eltern im Obergeschoss. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Doch wie es so ist: Die Ehefrau war dagegen. Ina Halder aber nicht. Sie hatte sich sofort in die Mühle verliebt. Immerhin kannte man die Gegend. Hans Halders Vater stammt aus Kressbronn, seine Mutter aus Heiligenberg.

Das alte Mühlrad wurde 1958 abmontiert. Durch die Entwässerung des Brunnhauser Rieds führte der Andelsbach nun nicht mehr genug Wasser, um es anzutreiben. Ein Rätsel sind immer noch die Fenster, die an eine Kirche oder Kapelle erinnern.
Das alte Mühlrad wurde 1958 abmontiert. Durch die Entwässerung des Brunnhauser Rieds führte der Andelsbach nun nicht mehr genug Wasser, um es anzutreiben. Ein Rätsel sind immer noch die Fenster, die an eine Kirche oder Kapelle erinnern. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Also wurde das Anwesen 1986 gekauft. Ohne Mühlrad. Denn das hatte man bereits 1958 abmontiert. Das ganze Gebäude wurde praktisch ausgehöhlt und innen komplett neu gemacht. Und das auf vier Ebenen. „Es war alles morsch“, erinnert sich der Mühlenbesitzer.

Natur pur und sattes Grün gibt vor dem Fenster zu genießen.
Natur pur und sattes Grün gibt vor dem Fenster zu genießen. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Viel Holz wurde verbaut, Balken und Fenster erneuert, eine Küche eingebaut und der Kachelofen im Erdgeschoss musste einem Holz-Kohle-Herd weichen. Die Mauern waren aber noch sehr gut und so ist das Gebäude heute außen alt und innen komplett neu. Küche, Esszimmer, Wohnzimmer und vier Schlafzimmer bieten genug Platz. Zusätzlich gibt eine zweite Wohnung im Dachgeschoss.

Idylle mit besonderem Flair

Zehn Jahre vermieteten die Halders ihre Mühle. 1997 folgte der Umbau und man zog selbst ein. „Was wir bis heute nicht bereut haben“, macht der 74-jährige deutlich. Bis vergangenes Jahr betrieb er eine Landwirtschaft mit Galloway-Rindern und Pferden. Damit er das fachgerecht tun konnte, machte der Ingenieur eine Ausbildung zum landwirtschaftlichen Helfer.

So sieht die Baumannmühle heute aus. Wo jetzt der Außenkamin in die Höhe fragt, da dreht sich früher das Mühlrad.
So sieht die Baumannmühle heute aus. Wo jetzt der Außenkamin in die Höhe fragt, da dreht sich früher das Mühlrad. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Seine Tochter hat die biozertifizierte Landwirtschaft übernommen. Der nächste Nachbar ist 250 Meter Luftlinie entfernt. Genaugenommen ist das Areal durch die Riedentwässerung zu einer Insel zwischen Entwässerungsgräben und dem Andelsbach geworden. Es ist eine Idylle, wie sie sich viele wünschen. Aber man muss die Einsamkeit auch aushalten können. Für die Halders ist das kein Problem. Und sogar die Post und der SÜDKURIER kommen hierher.

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