26 Rekruten der Spezialausbildungskompanie 209 schworen bei ihrer Vereidigung auf dem Appellplatz der Staufer-Kaserne, bei brütender Hitze, die Freiheit und Demokratie Deutschlands notfalls mit ihrem Leben zu verteidigen. Erstmals seit mehr als zwei Jahren erlebten Angehörige der künftigen Staatsbürger in Uniform wieder hautnah, welch besonderen Beruf ihre Liebsten gewählt haben. Angeführt vom Heeresmusikkorps Ulm, der Fahnenabordnung, der Ehrenformation sowie einer Formation der internationalen Streitkräfte marschierten die 25 Männer und eine Frau zum feierlichen Gelöbnis ein.

Friedensidyll in Europa ist jäh zu Ende gegangen

In gewohnt klarer und präziser Sprache ordnete Oberst Albrecht Katz-Kupke die Gelöbnisfeier in die aktuelle geopolitische Sicherheitslage ein, die vom Ukraine-Krieg dominiert wird. Zuvor erinnerte er daran, dass Deutschland seit 77 Jahren in Frieden lebe: „Wann gab es das schon einmal?“ Aber seit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine sei dieses Friedensidyll in Europa jäh zu Ende gegangen. Ob dieser jahrzehntelange Frieden tatsächlich von den Staatsbürgern wertgeschätzt werde?, fragte Katz-Kupke und machte klar, dass dieser Friede eben nicht selbstverständlich sei, sondern Soldaten brauche, die dem Frieden dienten. Er könne sich vorstellen, dass mancher Angehöriger angesichts der Berufswahl der Rekruten gemischte Gefühle habe, aber der Stolz werde überwiegen, ist der Kommandeur überzeugt.

Oberst bezeichnet Rekruten als Vorbilder für die Gesellschaft

Oberst Albrecht Katz-Kupke fand wie gewohnt klare Worte.
Oberst Albrecht Katz-Kupke fand wie gewohnt klare Worte. | Bild: Volk, Siegfried

Wie einst US-Präsident John F. Kennedy fordert Katz-Kupke vom Einzelnen, dass er nicht nur seine Rechte in Anspruch nimmt, sondern sich für das Gemeinwesen engagiert. Gegen den Egoismus der Gesellschaft würden die Rekruten ein klares Zeichen setzen, das vorbildhaft für alle sei. „Ihr Entschluss ist ein mutiges Versprechen, denn sie verpflichten sich, notfalls auch zu kämpfen.“ Und was das bedeuten könne, zeigten seit vier Monaten die ukrainischen Streitkräfte und das gesamte ukrainische Volk mit ihrem Mut, Entschlossenheit und Opferbereitschaft. Eindringlich mahnte der Oberst, dass man sich im Klaren sein müsse, dass es Situationen gebe, in denen robuste, bewaffnete Einsätze der Bundeswehr erforderlich seien: „In denen Gewalt mit Gewalt beendet werden muss.“

Einsatz der Streitkräfte als „ultima ratio“ ist Voraussetzung für erfolgreiche Diplomatie

Nach seiner Überzeugung muss Deutschland sich künftig auf den „Worst Case“ einstellen und sich darauf vorbereiten. Dazu gehöre, dass man den Willen und die Kraft entwickle, Streitkräfte als letztes Mittel, als „ultima ratio“, auch einsetzen zu wollen: „Nur dann, wenn wir im Rahmen der Nato und der EU glaubwürdig abschrecken können, kann die Karte der Diplomatie erfolgsversprechend gespielt werden. Nur dann kann sie die Kraft eines Trumpfasses entwickeln.“ Für die Bundeswehr gelte es, die Landes- und Bündnisverteidigung wieder in den Fokus zu rücken, wobei ein Sondervermögen nicht ausreiche.

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Es gelte in der Gesellschaft ein Bewusstsein für die erforderlichen Opfer und Anstrengungen zu entwickeln, die die Verteidigung des Landes erfordere. „Denn Frieden und Freiheit hat einen moralischen Preis und das bedeutet auch, schmerzhafte Einschnitte in Kauf zu nehmen und auszuhalten“, machte Albrecht Katz-Kupke deutlich. Ausdrücklich betonte er, dass die Bundeswehr eine Parlamentsarmee sei und deshalb erwarteten die Streitkräfte, dass Einsatzentscheidungen sorgfältig abgewogen und vernünftig begründet werden.

Bürgermeister gibt ein klares Bekenntnis zur Bundeswehr ab

Bürgermeister Thomas Kugler, der mit Katz-Kupke die Ehrenformation abschritt und nach der Vereidigung der Rekrutenabordnung persönlich gratulierte, erinnerte an den staatsbürgerlichen Auftrag der Soldaten, die er als Garant für die Freiheit bezeichnete. Der Ukraine-Krieg zeige, dass sich Deutschland geopolitisch klar positionieren und aus die bisherige Zuschauerrolle seiner Pseudoneutralität aufgeben müsse. „Die Friedensdividende ist nicht aufgegangen“, sind für Kugler gut ausgebildete und motivierte Soldaten die „Garanten für die Existenz unserer freien Gesellschaft.“