Sie haben sich für Ausbildungsberufe entschieden, bei denen sie mit ihren Händen selbst etwas erschaffen können, und richtig Freude an ihrer Wahl. Ob kreativer Umgang mit Farben bei der Lehre zum Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik oder mit dem schönen, vielseitigen Werkstoff Holz als angehende Holzmechanikerin – die Azubis bei der Firma Frickana in Aach-Linz schätzen ihren künftigen Beruf schon jetzt. „Dass man am Abend sieht, was man selbst geschaffen hat, ist sehr schön“, schildert etwa die 28-jährige Julia Stehle dem SÜDKURIER.

Lehrlingssuche gestaltet sich immer schwieriger

Auszubildende zu finden, das ist heutzutage kein leichtes Unterfangen. Wie die für Pfullendorf zuständige Handwerkskammer Reutlingen berichtet, suchen viele Betriebe händeringend nach Lehrlingen. Zum Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September seien zahlreiche Lehrstellen im regionalen Handwerk unbesetzt geblieben. Die Handwerkskammer meldet für das laufende Jahr insgesamt 1577 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge.

Vanessa Droxner schätzt das kleine Team.
Vanessa Droxner schätzt das kleine Team. | Bild: Stefanie Lorenz

Das bedeute gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 7,5 Prozent, bedauert die Handwerkskammer. Auch die IHK Bodensee-Oberschwaben verzeichnet ein Minus an neuen Ausbildungsverträgen, das allerdings im Landkreis Sigmaringen nicht so hoch ausfällt. Insgesamt verzeichnet sie 485 Verträge; im Vorjahr waren es 456. Deutlich höher fällt der Rückgang in der Gesamtregion aus; hier beträgt er gegenüber dem Vorjahr 11,7 Prozent.

Vier junge Erwachsene machen ihre Ausbildung im Betrieb

Auf die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe habe sich die Pandemie bislang nicht ausgewirkt, so Karl-Heinz Goller, Leiter der Ausbildung der Handwerkskammer Reutlingen. Dafür ist die Firma Frickana in Aach-Linz ein Paradebeispiel. Bei insgesamt zwölf Mitarbeitern bildet sie vier Auszubildende aus, neben den schon genannten Lehrlingsberufen gibt es zwei Auszubildende, die den Beruf der Kauffrau für Büromanagement erlernen. Auch in der Aach-Linzer Firma war es schwierig, die Ausbildungsplätze zu besetzen, wie Geschäftsführer Rainer Frickinger und Ausbildungsbeauftragte Irina Bauer berichten.

Alle Lehrstellen konnten besetzt werden

„Wir haben intensiv gesucht. Quasi auf den letzten Drücker haben wir dann doch noch alle Lehrstellen besetzt bekommen“, schildert Bauer die schwierige Azubi-Suche. Viele junge Leute würden sich für weiterführende Schulen und akademische Karrieren entscheiden statt für eine Ausbildung, so die Erfahrung von Irina Bauer. „Den Jugendlichen fällt es heute schwer, sich für einen bestimmten Beruf zu entscheiden angesichts der vielen Möglichkeiten, die es gibt“, bringt Rainer Frickinger noch einen weiteren Aspekt zur Sprache. Vielseitig und kreativ, so sind für das Team von „Frickana„ die Ausbildungsberufe, die der Spezialist für Oberflächen und Holzkomponenten seinem Nachwuchs anbieten kann.

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So gibt es zum Beispiel für einen angehenden Holzmechaniker mehr als nur die körperliche Arbeit. „Die Ausbildung ist im Laufe der Zeit technisch immer anspruchsvoller geworden, zum Beispiel, wenn die Lehrlinge an unseren hochmodernen CNC-Maschinen arbeiten“, erläutert Rainer Frickinger. Viel hat der Aach-Linzer in neue Geräte, wie Poliermaschinen und Lackieranlagen investiert. Aber auch eine neue Heizung wurde für den Betrieb angeschafft. „Wir wollen effizient und umweltfreundlich arbeiten“, sagt der Geschäftsführer.

Auftragsentwicklung verläuft positiv

Natürlich bekam auch die Firma Frickana die Corona-Krise zu spüren. „Im April und Mai hatten wir leichte Auswirkungen der Pandemie zu verkraften“, schildert Frickinger. Danach habe das Geschäft wieder angezogen und aktuell freue sich das Team über eine positive Auftragsentwicklung. Die Corona-Bedingungen könnten im Unternehmen gut eingehalten werden, so Irina Bauer. „Jeder hat seinen eigenen Arbeitsbereich, auch die Auszubildenden. Wir achten sehr auf die Hygiene“, sagt sie. Die Auszubildenden, die in Überlingen, Bad Saulgau und Sindelfingen die Berufsschulen besuchen, mussten eine Zeit lang von zuhause aus lernen, jetzt gibt es auch dort wieder Präsenzunterricht.

Marcel Kupper mag seine kreative Arbeit.
Marcel Kupper mag seine kreative Arbeit. | Bild: Stefanie Lorenz

Die neuen Auszubildenden erleben Irina Bauer und Rainer Frickinger als „total motiviert“. Höflichkeit, Pünktlichkeit und Loyalität seien Eigenschaften, auf die man im Unternehmen großen Wert legen würde. „Fragen, fragen, fragen“, antwortet Bauer darauf, wie sich die Lehrlinge am besten in ihrer neuen Ausbildung einbringen können. „Wir geben ihnen das Gefühl, dass sie alle ihre Fragen stellen dürfen und sollen“, sagt die Ausbildungsbeauftragte. Dies sei einer der Vorteile einer Ausbildung in einem kleineren Betrieb. Als weiteren Pluspunkt sieht Frickinger die sehr praxisnahe Ausbildung, bei der die jungen Leute ziemlich schnell „vieles von A bis Z selbst machen können“.

Julia Stehle schätzt das Arbeiten mit Holz.
Julia Stehle schätzt das Arbeiten mit Holz. | Bild: Stefanie Lorenz

Es gibt Praktikumsplätze für Schüler

Gerne bietet das Unternehmen auch Praktikumsplätze an, damit interessierte Schüler in die Berufe „reinschnuppern“ können. Bislang habe es auf entsprechende Aushänge an Haupt- und Realschulen leider keine Resonanz gegeben, bedauert Rainer Frickinger.

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