„Friseure offen, Fahrschulen weiterhin zu – bar jeder Logik der Hygiene“, bringt Ralph Müller, Fahrlehrer und Inhaber der Fahrschule Zembrod in Pfullendorf, die Meinung seiner Berufskollegen auf den Punkt. Man gönne den Friseuren die Öffnung der Salons zum 1. März, aber sei maßlos über die Verlängerung des Lockdowns für den eigenen Berufsstand enttäusch. Eine rationale Erklärung könne diesem Beschluss der Landesregierung nicht zugrunde liegen, denn Fahrlehrer kommen nach Angaben von Ralph Müller ihren Schülern weder bei der theoretischen noch bei der praktischen Ausbildung so nahe wie Friseure ihren Kunden.

„Entscheidung der Landesregierung ist inkonsequent“

Zudem habe der Fahrlehrerverband ein umfassendes Hygiene- und Schutzkonzept vorgelegt, das sich in der Vergangenheit bewährt habe. Die Fahrschulen hätten in Baden-Württemberg definitiv nicht zur zweiten Welle der Ansteckungen beigetragen, sind Müller und seine Kollegen überzeugt.

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Die Tatsache, dass in Bayern und Hessen die Fahrschulen wieder voll arbeiten dürfen, obwohl die Inzidenz in diesen Bundesländern nicht günstiger als in Baden-Württemberg sei, macht aus Sicht des stellvertretenden Kreisvorsitzenden die Inkonsequenz der Entscheidung der Landesregierung einmal mehr deutlich.

Klage per Eilantrag eingereicht

Die Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim wurde am Montag per Eilantrag eingereicht, und zwar von einer Fahrschule aus dem dortigen Raum, denn der Landesverband selbst dürfe nicht klagen. Nach Angaben des Verbandes können die rund 1800 Mitglieder, die durch den Lockdown verursachte wirtschaftliche Not nicht länger ertragen. Weil sich Ralph Müller auf die Lkw-und Busfahrerausbildung spezialisiert hat, kann er, anders als viele seiner Berufskollegen, weiter arbeiten. Denn für diese Berufsgruppe hat die Landesregierung eine Ausnahme erlaubt, da sie den Führerschein für berufliche Zwecke benötigen. Die Kursteilnehmer müssen eine entsprechende Bescheinigung des Arbeitgebers vorlegen.

Nach Wiedereröffnung drohen Fahrschülern höhere Preise

Aus Gesprächen mit Kollegen kennt der Pfullendorfer deren finanziellen Nöte, denn fixe Kosten wie Leasing-Raten für Autos, Miete oder Versicherung fallen weiter an, während es keine Einnahmen gibt. „Im ersten Lockdown gab es Hilfe, aber aktuell nicht“, antwortet Müller auf die SÜDKURIER-Frage ob Fahrschulen von staatlichen Unterstützungsprogrammen profitierten. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation wird es nach Überzeugung von Müller nach Corona zu Preiserhöhungen für Fahrschüler geben, die den Auto- oder Motorradführerschein machen wollen.