In indischen Steinbrüchen schuften Kinder unter elenden Bedingungen für deutsche Grabsteine. „Über 80 Prozent des Materials für Grabsteine in Deutschland wird importiert“, sagt Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin Carola Sonntag, die seit sie den Betrieb vor 23 Jahren übernommen hat, eine nachhaltige Firmenphilosophie lebt. Andere Betriebe importieren Steine aus Entwicklungsländern – wo Kinderarbeit in Steinbrüchen verbreitet ist.

Natursteine gibt es auch in Deutschland

Die indische Kinderrechtsorganisation Bachpan Bachao Andolan geht davon aus, dass in Indien etwa 100 000 Kinder in Ziegeleien und Steinbrüchen arbeiten. Dass es auch anderes geht, zeigt Carola Sonntag mit ihrem Fachbetrieb Erinnerungen in Stein in der Friedhofstraße. Sie arbeitet gemeinsam mit Stephanie Grießhaber ausschließlich mit Steinen, deren Lieferanten sie kennt. Der Betrieb hat sich für den Umweltpreis für das Land Baden-Württemberg beworben und gehört schon jetzt zu den bestplatzierten Unternehmen.

Carola Sonntag bereitet die Inschrift für einen Grabstein vor. Dazu werden die Buchstaben auf den Stein übertragen.
Carola Sonntag bereitet die Inschrift für einen Grabstein vor. Dazu werden die Buchstaben auf den Stein übertragen. | Bild: Julia Lutz

Jury kommt nach Pfullendorf

Eine Jury wird in wenigen Tagen die Werkstatt und das Team besuchen, um sich von der Nachhaltigkeit des Unternehmens überzeugen. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass Basalt, Diabas und vor allem Granit – alles sind Steine – auch aus Deutschland gibt“, sagt Stephanie Grießhaber, die ebenfalls ausgebildete Steinmetz- und Steinbildhauern ist.

Kurze Transportwege und eine gute Energiebilanz

Steine aus Deutschland würden sich wegen der kurzen Transportwege durch eine gute Energiebilanz auszeichnen und vor allem sei man sicher, dass sie nicht in Kinderhänden waren. Zusätzlich beziehen sie Steine auch aus Europa, vor allem der Bretagne. „Und viele Betriebe kaufen diese Steine günstig ein, um ihre Gewinnmarge zu erhöhen“, sagt Carola Sonntag.

Echtes Handwerk gibt es auch für den kleinen Geldbeutel

Wenn sie ihre Kunden aber aufklärt, dass es die gewünschten Steine auch in Deutschland gibt, sei die Begeisterung oft groß. „Viele wissen das nicht. Dann denken die Kunden um und nehmen gerne die deutschen Steine“, erläutert sie. Die Steine kommen aus dem Bayrischen Wald, dem Erzgebirge aber auch aus dem Odenwald. Der Grabstein solle etwas Besonderes sein, was zum Verstorbenen passt. Deshalb ist das Beratungsgespräch sehr wichtig. Einfach ist das nicht, denn die Trauer um einen geliebten Menschen ist sehr schwer. Teurer muss ein deutscher Grabstein nicht sein. „Wir können jeden Entwurf an den Geldbeutel anpassen, ohne dabei auf das echte Handwerk zu verzichten“, sagt Stephanie Grießhaber.

Traditionelles Handwerk: Stephanie Grießhaber meißelt mit Liebe zum Detail die Grabschrift in den Stein.
Traditionelles Handwerk: Stephanie Grießhaber meißelt mit Liebe zum Detail die Grabschrift in den Stein. | Bild: Julia Lutz

Liebe zu Meißel und Schriften

Der Fachkräftemangel, so berichten Sonntag und Grießhaber, habe in der Branche fatale Folgen. Es gebe immer weniger Personal. Einen Auszubildenden zu bekommen sei schwierig – auch in Pfullendorf. So würden immer weniger Steinmetzbetriebe die Inschrift handwerklich einmeißeln, sondern mit der Sandstrahlmethode lediglich aufstrahlen. Dabei sei es gerade die Liebe zur Schrift, zur Gestaltung und zum Handwerk, die diesen Beruf zu etwas ganz Besonderem machen würden.

Nachhaltigkeit zieht sich durch den ganzen Betrieb

Der Naturstein ist nicht der einzige nachhaltige Aspekt im Steinmetzbetrieb. Bereits seit 2018 ist der Betrieb Mitgliedsunternehmen der Gemeinwohlökonomie, das sich für Ethik im Handwerk einsetzt. Das Bürogebäude wurde energieeffizient umgebaut, das Flachdach dabei als Blütenwiese konzipiert. Hinzu kommt die Wiederverwertung ausgedienter Grabsteine. „Im Grunde zerlegen wir einen Grabstein in die kleinstmögliche Einheit“, sagt Grießhaber. „Mehr Upcycling geht nicht“, betont sie lachend.

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Grabsteine sind unendlich haltbar

Inzwischen käme es auch regelmäßig vor, dass Grabsteine innerhalb der Familie weiterverwendet werden. Die Steine werden nochmals aufgearbeitet. „Es ist auch eine Art Wertschätzung gegenüber dem Material, wenn der Stein nach 25 Jahren noch einmal weiterverarbeitet wird“, erläutert Carola Sonntag. Nur Betonfundamente bleiben am Ende für den Sondermüll übrig. „Außerdem haben wir auf Ökostrom umgestellt und sind auf dem Weg zum CO2 neutralen Unternehmen“.