Zum ersten Mal schließen die SRH-Kliniken im Landkreis Sigmaringen mit einem Verlust von 4,25 Millionen Euro ab. Christine Neu, Interimsgeschäftsführerin der SRH Kliniken im Landkreis Sigmaringen, und Werner Stalla, Geschäftsführer der SRH Kliniken, redeten auf der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2019 nicht um den heißen Brei. Das Ergebnis hat sich im Vergleich zum Vorjahr um rund 4,6 Millionen verschlechtert, die Leistung blieb aber konstant.

Verlust hat mehrere Ursachen

Eigentlich war der SRH Klinikenverbund von einem Gewinn in Höhe von rund 500 000 Euro ausgegangen. Gesteigerte Personalkosten und Rückstellungen für mögliche Rückforderungen durch den Medizinischen Dienst und Steuerrückzahlungen habe die Bilanz negativ verändert. Im operativen Geschäft entstand ein Verlust in Höhe von 1,93 Millionen Euro, die periodenfremden Ergebnisse aus den Jahren 2017/2018 schlagen sich mit einem Minus von 2,32 Millionen in der Bilanz nieder. Schuld daran seien unter anderem die Zystoika, die im Krankenhaus Sigmaringen hergestellt werden und die rückwirkend versteuert werden müssen.

Das Krankenhaus Sigmaringen wird bis 2022 erweitert und modernisiert.
Das Krankenhaus Sigmaringen wird bis 2022 erweitert und modernisiert. | Bild: Gerhard Plessing

Bundesweite Klagewelle trifft auch die Kliniken im Landkreis

Ebenfalls seien die Kliniken von der bundesweiten Klagewelle von Krankenkassen gegen Krankenhäuser betroffen. Es geht um möglicherweise falsch berechnete Behandlungskosten, die Krankenkassen zurückfordern. Hintergrund ist, dass der Bundestag Anfang November beschlossen hatte, die Verjährungsfrist für solche Rückforderungen von vier auf zwei Jahre zu verkürzen und zudem eine Übergangsfrist für Altverfahren schuf. Daraufhin reichten Kassen kurzfristig tausende Klagen ein.

Anwälte würden die Klagen prüfen. „Es war ein anspruchsvolles und schwieriges Jahr“, fasste Christine Neu das Geschäftsjahr 2019 zusammen. Auch Landrätin Stefanie Bürkle bezeichnete das Jahr 2019 als schwieriges Jahr, betonte aber auch, dass man im Landkreis Sigmaringen die letzten Jahre „ein bisschen verwöhnt gewesen sei“ von den guten Ergebnissen.

Neues Parkhaus in Sigmaringen bringt Verbesserung

Seit drei Jahren sind die Leistungen trotz gestiegener Fallzahlen stagnierend. Veränderungen im Gesundheitssystem tragen aus Sicht von Geschäftsführer Werner Stalla ebenfalls zum negativen Ergebnis bei. Die Krankenhäuser seien in einem ständigen Veränderungsprozess mit wechselnden Anforderungen an die Geschäftsführung und die Mitarbeiter.

Trotz Verlust sei das Jahr 2019 aber ein besonderes Jahr gewesen und nannte unter anderem die Parkhaus-Eröffnung im Mai 2019 als wichtiger Meilenstein. Für die Besucher und Mitarbeiter sei das neue Parkhaus eine signifikante Verbesserung, denn endlich seien ausreichend Parkplätze vorhanden.

Direktor Georg von Boyen (von links), Bürgermeister Thomas Kugler und Landrätin Stefanie Bürkle bei der Bilanzkonferenz für das Jahr 2019.
Direktor Georg von Boyen (von links), Bürgermeister Thomas Kugler und Landrätin Stefanie Bürkle bei der Bilanzkonferenz für das Jahr 2019. | Bild: Julia Lutz

Um- und Erweiterungsbau in Sigmaringen wird teurer

Die Umbaumaßnahmen am Krankenhaus in Sigmaringen hätten begonnen. Die Baukosten seien allerdings gestiegen. Die ursprünglichen Reserven habe man für medizinische Weiterentwicklungen für die Tagesklinik bereits aufgebraucht, sodass der erste und zweite Bauabschnitt statt 98 Millionen Euro nun 107 Millionen Euro kosten werden, erläuterte Landrätin Stefanie Bürkle. Statt im Sommer 2022 soll das Krankenhaus dann im Spätjahr 2022 fertig sein. Grund für die Verzögerung sei das Coronavirus, denn die Baufirmen konnten nicht arbeiten wie geplant.

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Standort für Altersmedizin unklar

Insgesamt betonte der Heidelberger Geschäftsführer, dass der Standort Landkreis Sigmaringen sehr wichtig sei für das Unternehmen. Die Grund- und Regelversorgung soll an allen drei Standorten aufrecht erhalten werden. Jeder Standort soll seinen Schwerpunkt haben, wobei die Frage offen blieb, wo die Abteilung Altersmedizin angesiedelt wird.

Nach der kurzen Stippvisite von Dr. Silviu Saru, der zu Jahresbeginn die Klinik verließ, gibt es derzeit keinen Chef für die Altersmedizin. „Die Geriatrie steht auf jeden Fall“, sagte Christine Neu. Derzeit werde in Sigmaringen ein Unfallchirurg gesucht, deshalb müsse man schauen, welcher Standort dann zur Altersmedizin passe, da heute beide Bereiche eng verzahnt seien. „Wir werden die drei Standorte noch einmal beleuchten und das medizinische Angebot aufsatteln“, kündigte Werner Stalla an.

Gerüchte um Standort Pfullendorf sind falsch

Gerüchte um eine Schließung des Standorts in Pfullendorf trat auch Professor Georg von Boyen, Ärztlicher Direktor der SRH-Kliniken im Landkreis, entgegen. Alle Krankenhäuser hätten ihre Leistungen heruntergefahren. Mittlerweile habe man im Landkreis bereits wieder 65 Prozent der Leistungskapazitäten hochgefahren, berichtete von Boyen. Die Chirurgie beispielsweise, habe in drei Wochen alle ausgefallenen Operationen nachgeholt. „Wir haben Corona vernünftig bewältigt“, sagte der Direktor.

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Corona-Kosten sind für Kliniken noch nicht kalkulierbar

Zugleich verwies von Boyen aber auch darauf, dass Corona nicht überstanden sei. Wie hoch die finanziellen Einbußen für die Klinik durch Corona sein werden, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Man rechne mit einem Defizit für 2020. Das werde voraussichtlich bei rund einer halben Million Euro liegen, kündigt Stalla an. Die erste Unterstützung durch die Landesregierung sei aber bereits geflossen. Pro leerstehendem Bett haben die drei Krankenhäuser 560 Euro Leerstandspauschale erhalten.

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