Um den Illmenseer Familien ein bedarfsgerechtes, vielseitiges und zeitgemäßes Angebot bereitstellen zu können, sollten die Betreuungszeiten im Kindergarten Storchennest geändert werden. Zu diesem Fazit kommt Sabrina Schorer, die am Dienstagabend den Gemeinderäten den neuen Kindergartenbedarfsplan vorstellte.

Vier Modelle sollen durch zwei Wahlmöglichkeiten abgelöst werden

Künftig sollte es zwei Möglichkeiten geben: die verlängerten Öffnungszeiten montags bis freitags von 7 bis 14 Uhr sowie die Ganztagesbetreuung montags bis donnerstags von 7 bis 17 Uhr und freitags von 7 bis 14 Uhr. „Die Öffnungszeiten einer Kindertageseinrichtung sind eine der wichtigsten Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, betonte Schorer. Momentan bietet der Kindergarten vier Modelle an, von denen jedoch nur die Ganztagesbetreuung im Bedarfsplan als wirklich vereinbar mit einer Berufstätigkeit beider Eltern bezeichnet wird.

Sabrina Schorer, hier auf einem Archivbild vom Juli diesen Jahres, stellte den Kindergartenbedarfsplan der Gemeinde Illmensee vor.
Sabrina Schorer, hier auf einem Archivbild vom Juli diesen Jahres, stellte den Kindergartenbedarfsplan der Gemeinde Illmensee vor. | Bild: Christiane Keutner

Eigentlich ist Sabrina Schorer in einer Nachbargemeinde tätig: Sie leitet im Deggenhausertal das Ordnungsamt. Da in Illmensee eine in diesem Bereich sachkundige Mitarbeiterin fehlt, hatte Bürgermeister Michael Reichle kurzerhand die erfahrene Mitarbeiterin für die Aufgabe „gebucht“, den Kindergartenbedarfsplan zu erstellen und den Räten zu präsentieren. Diese zeigten sich dankbar, dass sie nun gesammelte Informationen über den aktuellen Stand bei der Kinderbetreuung erhalten. „Sie haben eine tolle Ausarbeitung geliefert, die uns schon lange gefehlt hat“, meinte etwa Kathrin Hecht (Freie Wähler).

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Grundlage des Kindergartenbedarfsplan sind die aktuellen Zahlen. So wurden im Jahr 2019 insgesamt 21 Kinder in Illmenseer Familien hineingeboren. Im Jahr zuvor waren es laut Schorer 20 Geburten, weshalb sie davon ausgeht, dass die durchschnittliche Zahl auch in Zukunft bei ungefähr 20 liegen wird. Lediglich 2017 hatte es einen sprunghaften Anstieg der Geburten auf 26 gegeben, was ihren Recherchen zufolge durch Zuzüge im Neubaugebiet Ruschweiler erklärt werden kann. Für das aktuelle Jahr 2020 erfasst die Statistik in Illmensee insgesamt 76 Kinder unter drei Jahren sowie 70 Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren.

80 Betreuungsplätze gibt es im Kindergarten

Im Kindergarten stehen laut Sabrina Schorer derzeit 80 Betreuungsplätze zur Verfügung – 70 im Bereich von Ü3 (Kinder im Alter über drei Jahre) und zehn Plätze im Bereich U3 (Kinder im Alter unter drei Jahren). „Insgesamt werden im Kindergartenjahr 2020/2021 die Betreuungsplätze der Kindergartengruppe überbelegt sein“, bilanzierte Schorer. Rein rechnerisch gebe es 15 Plätze zu wenig. „Auch die Krippenplätze sind komplett belegt“, schilderte sie.

Schulkinder künftig in der Schule betreuen

Lege man die aktuellen Anmeldezahlen zugrunde, würden die Plätze im aktuellen Kindergartenjahr nicht ausreichen. Um Abhilfe zu schaffen, soll unter anderem die Ganztagesbetreuung der Grundschulkinder nicht mehr im Kindergarten, sondern direkt in der Schule stattfinden, schilderte sie. Zehn Schulkinder nehmen Schorers Angaben zufolge derzeit die Betreuung in Anspruch.

Gebührenerhöhung ist Thema der kommenden Sitzung

Die Änderung der Betreuungsmodelle wird wohl eine Gebührenerhöhung nach sich ziehen. Die Elternbeiträge seien in Illmensee seit dem Jahr 2011 nicht mehr angepasst worden und lägen derzeit deutlich unter den Empfehlungen des Gemeinde- und Städtetags, schilderte Sabrina Schorer. „Im Bereich der Betreuung der Kinder über drei Jahren liegt Illmensee 25 Prozent, im Bereich der Betreuung von Kinder unter drei Jahren sogar 33 Prozent unter den Empfehlungen“, erläuterte sie.

Deshalb hält sie eine Gebührenerhöhung für unausweichlich. Ob die Eltern für die Kindergartengebühren künftig tiefer in die Tasche greifen müssen, entscheidet sich erst in der kommenden Sitzung. Dann sollen die Kindergartengebühren auf der Tagesordnung stehen, wie Bürgermeister Reichle ankündigte.