Endlich war es soweit – das kommunale Impfzentrum in der Sporthalle der ehemaligen Oberschwabenkaserne hat den Betrieb aufgenommen und 20 Frauen und Männer, die mit ihren über 80 Jahren als Personengruppe mit höchster Priorität eingestuft worden waren, erhielten ihre erste Impfung. Der zweite Pieks folgt in 21 Tagen, denn erst entfaltet der Impfstoff der Firma Biontech seine volle Schutzwirkung.

Enkeltochter macht Impftermin für 82-Jährigen klar

Die Erleichterung über den Start war den Verantwortlichen anzusehen, und ebenso frohe Gesichter gab es bei den 20 „Glücklichen“, die für den Eröffnungstag einen Impftermin ergattert hatten, so wie der 82-jährige Helmut S. aus Hundersingen. Der Senior war selbst mit dem Auto ins Impfzentrum gefahren, absolvierte seinen Termin um 12.15 Uhr und nahm im Anschluss noch 30 Minuten Platz im Warteraum. Hier wird kontrolliert, ob die Geimpften unerwartete Nachwirkungen haben, was nicht der Fall war. „Das hat meine Enkeltochter gemacht. Mit dem Internet kenne ich mich nicht aus‘“, antwortet der Hundersinger auf die Frage, wer denn den Impftermin klar gemacht hat.

Die frühere Sporthalle in der ehemaligen Oberschwabenkaserne in Hohentengen wird als Impfzentrum genutzt und die Fahrt zu dem Standort ist gut ausgeschildert.
Die frühere Sporthalle in der ehemaligen Oberschwabenkaserne in Hohentengen wird als Impfzentrum genutzt und die Fahrt zu dem Standort ist gut ausgeschildert. | Bild: Volk, Siegfried

Landkreis hat keinen Einfluss auf Terminvergabe

Landrätin Stefanie Bürkle weiß, dass viele Menschen ungeduldig auf die Impfung warten und die schleppende Anmeldung für manchen Ärger und Verdruss sorgt. „Aber hätten wir gedacht, dass wir innerhalb weniger Monate einen Impfstoff gegen diese weltweite Pandemie hätten?“, ist die Kreischefin absolut optimistisch, dass die Anlaufschwierigkeiten bald überwunden sind. Sie stellt nochmals klar, dass der Landkreis mit der Terminvergabe nichts zu tun habe. Der Kreis wird darüber informiert, welche Menge Impfdosen er bekommen wird, und das werden im gesamten Februar wöchentlich 585 Dosen sein, wovon jeweils 300 für die mobilen Impfteams reserviert sind, die die Alten- und Pflegeheime verimpfen. Aufgrund dieser Menge trägt der Landkreis dann in eine zentrale Terminvergabedatei die mögliche Zahl an zu Impfenden ein, und zwar für drei Wochen. Dieser Terminkalender wird täglich mit diesem 3-Wochen-Zeitfenster fortgeführt. Deshalb sollte man sich nicht entmutigen lassen, wenn die Terminsuche telefonisch oder per online nicht klappt.

Die Senioren wurden von ihren Angehörigen zum Impfzentrum gebracht.
Die Senioren wurden von ihren Angehörigen zum Impfzentrum gebracht. | Bild: Volk, Siegfried

Es wird eine Stammmannschaft entwickelt, um Abläufe zu standardisieren

Im Impfzentrum könnten täglich bis zu 750 Personen im Zwei-Schicht-Betrieb geimpft werden, allein die nächsten Wochen werden es werktäglich 50 sein, und deshalb wird nur eine von vier Impfstationen genutzt. Ausreichend Personal, das vom Kreis beschäftigt wird, wobei das Land die Kosten erstattet, hätten die beiden Verwaltungsleiter Willi Römpp und Werner Müller.

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Auf diverse Aufrufe erhielt man 486 Bewerbungen und auch 186 Ärzte meldeten sich zur Mitarbeit an. „Wir waren schnell und haben die Personalsuche selbst gemacht und nicht an eine Agentur vergeben“, erklärt Römpp. Aus diesem Pool wird eine Stammmannschaft entwickelt, so dass man die Abläufe standardisieren und beschleunigen kann. Um Erfahrungen zu sammeln und Routine zu gewinnen, hat man für die Impfung der Senioren rund 15 Minuten inklusive ärztliches Aufklärungsgespräch veranschlagt, dazu eine halbstündige Wartezeit, sodass sich die Besucher nicht länger als eine Stunde in der Halle aufhalten.

In der ehemaligen Turnhalle sind fünf Registrierstationen eingerichtet.
In der ehemaligen Turnhalle sind fünf Registrierstationen eingerichtet. | Bild: Volk, Siegfried

Ehemalige Sporthalle wird immer wieder quergelüftet

In der geräumigen Sporthalle, die quergelüftet wird, heißt es für die Besucher zunächst Fiebermessen. Dann geht es zur Registration, wo diverse Formulare überprüft oder gegebenenfalls ausgefüllt werden. Diese Formulare können vorab ausgedruckt und zuhause ausgefüllt werden, was den Ablauf beschleunigt. Dann informiert ein Film über die Aktion, wobei Landrätin Bürkle spontan die Idee entwickelt, diesen Aufklärungsfilm auf die Homepage des Landkreises zu stellen.

Impfstoff wird vom Hersteller Biontech selbst angeliefert

Beim anschließenden Gespräch mit einem Arzt erfolgt eine medizinische Aufklärung, was Professor Franz Konrad, medizinischer Leiter des Impfzentrums, als Gesundheitscheck bezeichnet. Dann folgt der Pieks. Der Geimpfte geht zum Wartebereich, und nach einer halben Stunde verlässt er die Halle, was natürlich auch dokumentiert wird. Der Biontech-Impfstoff wird vom Hersteller selbst in einem Kühllaster in die Impfzentren gebracht. „Eine halbe Stunde vor Ankunft erhalten wir einen Anruf, sodass ein Verantwortlicher die wertvolle Fracht in Empfang nehmen kann“, erklärt Professor Franz.

Impfstoff wird in einem Spezialkühlschrank aufbewahrt

Bekanntlich muss der Biontech-Stoff bei minus 78 Grad gelagert werden und während des Transports wird die Temperatur ständig überwacht. In Hohentengen wird Impfstoff in einem Spezialkühlschrank gelagert, den die SRH-Klinik GmbH Kreis Sigmaringen zur Verfügung gestellt hat. Das Land wird in den nächsten zwei Wochen einen solchen Spezialkühlschrank liefern. Auch hier wird die Kühlkette überwacht und wenn die Temperatur unter minus 70 Grad sinkt, dann heult ein Alarm los. Für den ersten Impftag reichten gestern vier Ampullen aus, denn aus jeder Ampulle werden sechs Impfdosen gezogen.

Professor Konrad: „Wir verwenden nur Impfstoff des Herstellers Biontech.“

Professor Franz Konrad, viele Jahre ärztlicher Direktor im Sigmaringer Krankenhaus, hat die ärztliche Leitung übernommen.
Professor Franz Konrad, viele Jahre ärztlicher Direktor im Sigmaringer Krankenhaus, hat die ärztliche Leitung übernommen. | Bild: Volk, Siegfried

„Wir werden nur Impfstoff der Firma Biontech hier verwenden“, ergänzt Professor Konrad, dass der Aufwand für die Nutzung des gleichfalls zugelassenen Moderna-Impfstoffs angesichts der sehr geringen verfügbaren Menge zu hoch wäre. Deutlich wird, dass in Hohentengen ein hochmotiviertes Team bereit steht, um die Kreisbevölkerung zu impfen, allein, noch gibt es nicht ausreichend Stoff.