Die gute Nachricht – bislang wurde im Werkstättle nur ein Mitarbeiter positiv auf Corona getestet. Die schlechte Nachricht – die Folgen der Pandemie stellen das gemeinnützige Beschäftigungsunternehmen vor enorme Herausforderungen. „70 Mitarbeiter sind von Kurzarbeit betroffen“, erklärt der geschäftsführende Vorstand Joseline Gräbner-Reutter.

Zuverdiener haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld

Etwa ein Drittel der Beschäftigten, die Frauen und Männer, die im Werkstättle als Zuverdiener arbeiten, sprich Mini-Jobber sind, hat keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Was die Mitarbeiter in den Outdoor-Bereichen, sprich Abenteuergolf und Fußballgolfanlage angeht, „hängen wir total in der Luft“, so Gräbner-Reutter. Im Industrieservice kam man bislang fast unbeschadet durch die Krise, dank stabiler Auftragslage.

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„Mariaberger Mieter sind nicht mehr im Haus“

„Momentan haben wir einen relativ hohen Krankenstand“, informierte die Geschäftsführung die Vereinsmitglieder vor Kurzem. Dazu komme noch eine ganze Anzahl an Mitarbeitenden im Urlaub. Und einige Personen, die zur Risikogruppe gehören, blieben bislang zu Hause und würden mit Heimarbeit ausgestattet. „Auch die Mariaberger Mieter sind seit einigen Wochen nicht mehr im Haus, haben uns aber so lang wie möglich unterstützt“, ergänzt Gräbner-Reutter.

Arbeitsanleiter nähen Mund-Nasen-Schutz-Masken

Schon seit Mitte März waren die sogenannten AGH-Maßnahmen unterbrochen und Anfang April erhielt man die Mitteilung, dass die Maßnahmen rückwirkend zum 1. April abgebrochen werden. Deshalb wurde ab Mitte April für den Bereich „Projekte“ Kurzarbeit angezeigt. Zuvor hätten die Arbeitsanleiter noch Mund-Nasen-Schutz für die anderen Mitarbeiter im Haus genäht: „Somit hatten wir vorgesorgt und sind nun ausgestattet.“

Auftragslage reduziert sich immer mehr

Seit Wochen gehen die Aufträge kontinuierlich zurück. Deshalb wurde Ende April entschieden, für alle Mitarbeiter im gesamten Werkstättle Kurzarbeit anzumelden. „Wir wollen diese Last möglichst gleichmäßig auf alle Mitarbeiter in Produktion und Verwaltung verteilen“, erklärt die Geschäftsführerin. Man habe sich mit dem Thema Kurzarbeit schon länger beschäftigt, wobei es zwischen der Sicherung des Werkstättles und den Einkommen der Mitarbeiter abzuwägen galt.

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Jobcenter sagt Unterstützung zu

Man sei sich im Klaren, was eine Einkommenskürzung für sie bedeute, und will die Mitarbeiter bei der Beantragung der staatlichen Mittel unterstützen. Das Jobcenter wurde schon informiert, dass eine regelrechte „Antragswelle“ von Werkstättle-Beschäftigen kommen wird. Froh sind die Verantwortlichen, dass das Jobcenter seine Unterstützung zugesagt hat.

Bürgerarbeit ist wieder aktiv

Beim Seeparkgolf wurde der Monat April dazu genutzt, die Voraussetzungen für Kurzarbeit zu erfüllen und beispielsweise Überstunden und Resturlaub abzubauen. Eine gute Nachricht in der letzten April-Woche war, dass die Werkstättle-Mitarbeiter, die am Campus-Galli-Projekt in Meßkirch mitmachen und den Bürgertreff in der Innenstadt betreuen, inzwischen nicht mehr von Kurzarbeit betroffen sind. Sie haben ihre Arbeit in den Projekten bereits am vergangenen Montag wieder aufgenommen.

Aktuell kein Anspruch auf staatliche Soforthilfe

Die von der Bundesregierung verabschiedete Soforthilfe kann das Werkstättle beispielsweise für den Bereich Abenteuergolfanlage, die als gemeinnützige GmbH (gGmbH) betrieben wird, nicht in Anspruch nehmen. Ein Grund ist, dass die Liquidität noch nicht gefährdet ist, wobei dies nach Angaben von Gräbner-Reutter bei weiter ausbleibenden Umsätzen bald schon der Fall sein könnte. Noch gravierender ist aber, dass das Werkstättle mit der gGmbH ein verbundenes Unternehmen bildet, was bedeutet, dass zunächst der Verein einspringen müsste, bevor es staatliche Hilfen gibt. „Aber wir hoffen, dass wir die Golfanlagen Mitte Mai unter den geltenden Hygienestandards öffnen können und wir dadurch Umsatz generieren“, bleibt sie trotz allem zuversichtlich.