Nach der Videokonferenz von Gesundheitsminister Manfred Lucha mit den Kreistagsfraktionen und der Berichterstattung in den Medien, zeigt sich Bürgermeisterin Doris Schröter verwundert und enttäuscht über die Vorschläge zur Sicherung der medizinischen Versorgung im Landkreis, wie die Kurstadt in einer Pressemitteilung informiert. Dass es für das Krankenhaus Pfullendorf bereits konkrete Überlegungen für eine Nachnutzung gebe, begrüßt Schröter, die auch Vorsitzende der Kreistagsfraktion der Freien Wähler ist, dabei grundsätzlich, zumal der Spitalfonds Pfullendorf Mitgesellschafter der Kliniken GmbH sei. Aber ihrer Sicht wäre es wichtig und zielführend gewesen, auch mit Bad Saulgau Gespräche über mögliche Nachfolgenutzungskonzepte zu führen, und zwar bevor die nächsten Beratungen in den Gremien stattfinden.

Landrätin hat laut Schröter zugesichert, Pfullendorf und Bad Saulgau nicht alleine zu lassen

Die SRH habe beteuert, wie wichtig ihr eine Nachfolgenutzung sei und hat auch den klaren Auftrag des Kreistages erhalten, sich hier einzubringen, so Schröter. Und Landrätin Bürkle habe erklärt, dass Pfullendorf und Bad Saulgau nicht alleine gelassen würden. Bad Saulgau sei darüber hinaus ebenfalls bereit, Verantwortung zu übernehmen. Und schlussendlich habe der Kreistag ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben, unter anderem, um Optionen für die Zukunft der beiden kleinen Häuser zu prüfen.

Unklar, woher nötige Hausärzte für „Primärversorgungszentren“ kommen sollen

Bürgermeisterin Doris Schröter.
Bürgermeisterin Doris Schröter. | Bild: Witt, Jürgen

Es stelle sich, so Schröter, nun angesichts der Äußerungen des Ministers die Frage, ob eine objektive und unvoreingenommene Beratung überhaupt noch möglich sei. Denn der Minister habe klar signalisiert: Das Konzept der Zentralisierung werde von ihm ausdrücklich begrüßt. Das Land wolle keine kleinen Krankenhäuser, und nur, wenn diese in Pfullendorf und Bad Saulgau geschlossen würden, habe das Krankenhaus in Sigmaringen vielleicht eine Zukunft. Unbeantwortet bleibe für Bad Saulgau ebenfalls die Frage: Und was kommt danach? „Nicht nichts“, laut Minister Lucha, der erneut von „Primärversorgungszentren“ sprach. Was sich dahinter verberge, ist jedoch noch nicht ganz klar, wohl aber, dass Hausärzte eine zentrale Rolle spielen dürften. Wo diese jedoch herkommen sollen, das sei ihr ein Rätsel, so Schröter.

Bürgermeisterin verwahrt sich gegen den Vorwurf der „Kirchturmpolitik“

Auch die „Lösung“ für Notfallpatienten ist aus Sicht der Rathauschefin wenig befriedigend. Dafür solle es dann laut Minister Lucha „mobile Intensivstationen“ geben und die 24 Stunden Flugrettung ausgebaut werden. Beides existiert nach Angaben von Schröter aber derzeit ebenfalls (noch) nicht.

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Dass sich Manfred Lucha für eine gute medizinische Versorgung einsetzen möchte, davon ist Schröter überzeugt, aber Krankenhäuser im ländlichen Raum zu schließen, bevor Alternativlösungen funktionierten und nicht nur auf dem Papier existierten, werde dem Ziel einer „bedarfsgerechten medizinischen Versorgung“ nicht gerecht. Es gehe um Daseinsvorsorge. Und das habe nichts mit „Kirchturmpolitik“ oder „landsmannschaftlicher Zughörigkeit“ zu tun. „Ich will weder als Bürgermeisterin noch als Kreisrätin erleben, dass jemand zu Schaden kommt, weil man ein funktionierendes System abschält, ohne gleichzeitig eine bedarfsgerechte Alternative anbieten zu können.“