Was Experten schon lange erwartet und befürchtet hatten – die afrikanischen Schweinepest ist in Deutschland angekommen. Es wurden mehrere Kadaver toter Wildschweine in Brandenburg entdeckt, und groß ist die Sorge bei allen Schweinehaltern, dass sich die für Menschen ungefährliche Seuche auf ihre Tiere überträgt. Mit nachgewiesenen Fällen hat Deutschland den Status als „seuchenfrei“ verloren, und mehrere Nicht EU-Länder verhängten bereits Exportstopp für Schweinefleisch. Deutschland ist weltweit einer der größten Exporteure von Schweinefleisch. Zu den wichtigsten Abnehmern gehört China.

Befürchtungen der Schweinehalter wurden bestätigt

Für Landwirt Tobias Peter aus Aach-Linz ist die afrikanische Schweinepest für seinen zertifizierten Zuchtbetrieb mit aktuell 180 Mutterschweinen seit Monaten das wichtigste Thema. Seine größte Sorge gilt seinem Betrieb, hinter dem viele Jahre harter Arbeit stecken. Bereits im vergangenen Jahr hatte er im SÜDKURIER-Gespräch die Befürchtung geäußert, dass bei einem Ausbrechen der Krankheit in Deutschland der Export von Schweinefleisch massiv einbrechen wird, weil etliche Nationen dann ein Importverbot verhängen.

Preis für Schweinefleisch auf historischem Tiefstand

Tatsächlich haben besonders die asiatischen Länder, allen voran China, kurz nach Bekanntwerden der ASP-Fälle in Deutschland, ein Importverbot verhängt. „Leider wurden meine Befürchtungen jetzt bestätigt. Der Markt ist völlig zusammengebrochen“, weist Peter auf den durch Corona ohnehin belasteten Preis für Schweinefleisch hin, der binnen weniger Tage nochmals von 1,47 auf 1,27 Euro je Kilogramm fiel. In seinem Zuchtbetrieb gelten sehr strenge Hygienevorschriften, die der Landwirt nochmals verschärfte. Die Tiere sind in geschlossenen Räumen eingestallt und auch die Verladebereiche sind eingezäunt, sodass ein Kontakt zwischen Mast- und Wildschweinen unmöglich ist.

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„Wir haben auch unsere Wege neu überdacht“, erzählt der Aach-Linzer, dass intensiv geschaut wurde, welche Wege beispielsweise Lieferanten nutzen, um die Einhaltung der Hygienevorschriften absolut zu gewährleisten. „Oberstes Gebot ist, ASP von den Hausschweinebeständen fernzuhalten“, bleibt Peter trotz aller Schwierigkeiten optimistisch, dass für die Schweinehalter auch wieder bessere Zeiten kommen, so wie am Jahresanfang, als er zufriedenstellende Preise für seine Tiere erhielt.

Korrekte Entsorgung von toten Wildschweinen wird durch die Tierkörperbeseitigungsanstalt gewährleistet

Das Landratsamt Sigmaringen verweist auf einen umfangreichen Maßnahmekatalog, den die Behörde für Landwirte und Jägerschaft erlassen hat. So wurde die Vorgehensweise beim Fund sowie die korrekte Verwertung eines toten Wildschweines den Jägern detailliert bei den Versammlungen der Kreisjägervereinigung, bei Hegeringversammlungen wie auch weiteren zusätzlichen Informationsveranstaltungen informiert. Im Landkreis wurden in fünf Gemeinden für das jeweilige Umfeld die sogenannten „Verwahrstellen“ baulich ertüchtigt“, erklärt Dr. Klaus Bissinger, Leiter des Fachbereichs Veterinärdienst und Verbraucherschutz, auf Anfrage des SÜDKURIER. In Sigmaringen, Meßkirch, Pfullendorf, Mengen und Gammertingen können in diesem Verwahrstellen tote Wildschweine oder Teile von toten Tieren in geeigneten Behältern gesammelt und gekühlt gelagert werden. Die korrekte Entsorgung wird dann durch die Tierkörperbeseitigungsanstalt gewährleistet. Die sechste Verwahrstelle in Bad Saulgau befindet sich momentan in der Fertigstellung.

Aufbewahrung toter Tiere in der Verwahrstelle

Tot aufgefundene Wildschweine, bei denen die Todesursache nicht klar erkennbar ist, sollten dem Veterinäramt Sigmaringen gemeldet werden. Mit dem Melder werde dann abgestimmt, ob das Tier von der Behörde abgeholt und zur Untersuchung an das staatliche tierärztliche Untersuchungsamt Aulendorf zur exakten Diagnose gebracht wird. „In aller Regel reicht aber eine Beprobung und die Entsorgung des Tierköpers über die Verwahrstelle aus“, ergänzt Fachbereichsleiter Bissinger, dass bei erlegten Wildschweinen von den Jägern regelmäßig Blutproben genommen und für das Wildschweine-ASP-Monitoring an das STUA geschickt werden. Und das Veterinäramt sucht jährlich die Auslauf- und Freilandschweinehaltungen auf, nimmt dort Blutproben der Tiere, die dann gleichfalls untersucht werden.

Zahl der Schweinehalterbetriebe im Kreis Sigmaringen sinkt

Im Landkreis Sigmaringen listete das Statistische Landesamt Baden-Württemberg für das Jahr 2016 noch 230 Schweinhalterbetriebe mit rund 100 000 Tieren auf. Im Jahr 2010 waren es noch 405 Betriebe mit 107 000 Schweinen. In Baden-Württemberg waren im vergangenen Jahr noch 5520 Betriebe mit 1,875 Millionen Schweinen gemeldet.

Wildschweinpopulation kann sich binnen Jahresfrist verdreifachen

Die Wildschweinpopulation in der Region hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht, wobei sich der Bestand binnen Jahresfrist verdreifachen kann, auch weil die Tiere schon mit vier Monaten geschlechtsreif sind. Die Jäger beobachten, dass die Wildschweinrotten immer größer und die Tiere immer wehrhafter werden. In Brandenburg, wo sich der Wolf ausgebreitet hat und der Jagd auf die Schweine macht, erhöht sich bei Drückjagden die Zahl der Wildschweinattacken auf Jagdhunde, aber auch auf Jäger.

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