Vor zwei Jahren beschlossen die Mitglieder des Fördervereins Rancho Santa Fe nach mehr als drei Jahrzehnten, den Verein aufzulösen. Dass am Mittwochabend dennoch eine Hauptversammlung veranstaltet werden musste, ist der Tatsache geschuldet, dass der Verein mit allen juristischen Mitteln versucht, bei seinem ehemaligen Vorsitzenden mindestens 34 500 Euro einzutreiben. Nach Angaben von Walter Rapp, der mit zwei Vereinskollegen als Liquidator agiert, hat der Ex-Vorsitzende, der auch Gründungsmitglied ist, in betrügerischer Absicht Spendengelder veruntreut. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft Hechingen seit April 2017 wegen des Verdachts der Untreue.

Zu diesem strafrechtlichen Verfahren konnte Rapp, was den Ablauf geht, keine Informationen geben. Zivilrechtlich wurde ein gerichtliches Mahnverfahren initiiert und das Landgericht Hechingen hat nach einem Gütetermin Ende Januar 2018, zu dem der Beschuldigte nicht erschien, ein Versäumnisurteil erlassen und den Ex-Vorstandschef zur Zahlung von 34 500 Euro samt Zinsen und Gerichtskosten verurteilt. Zur Eintreibung des Geldes wurde nach Angaben von Rapp mittlerweile ein Zwangsvollstreckungsverfahren eingeleitet. Und, nachdem der Beschuldigte jegliche Kontaktaufnahme mit seinen früheren Vereinskollegen verweigert, mussten die Liquidatoren ein weiteres Gerichtsverfahren initiieren, um die Herausgabe eines Anhängers zu erreichen. Dieser war vom damaligen Vereinsboss, der für Monate in Personalunion auch die Kassenführung innehatte, ohne den satzungsgemäß notwendigen Vorstandsbeschluss für 5000 Euro gekauft worden und steht nun verschlossen auf einem Privatgrundstück.

Keinerlei Kontaktaufnahme

Aktuell verfügt der Verein nach Angaben von Walter Rapp noch über rund 8000 Euro, wobei man schon mehr als 2000 Euro für Anwalts- und Gerichtskosten zahlte. Dieses Geld werde bis zum Verfahrensende ausreichen, beruhigte der als Anwalt tätige Denkinger Ortsvorsteher Karl Abt, der die Entlastung der Vereinsführung übernahm, die einstimmig erteilt wurde. Bei der Versammlung im Gasthaus „Hirschen „ wurde die Enttäuschung über das Verhalten des einstigen Gründungsmitgliedes deutlich, aber Ehrenvorsitzende Christine Rapp machte klar, dass es darum gehe, den von Rancho Santa Fe im mittelamerikanischen Honduras unterstützen Hilfsprojekten ihr rechtmäßiges Spendengeld zukommen zu lassen.

Die juristische Aufarbeitung könnte noch ein, zwei Jahre dauern, erklärte Experte Karl Abt mit Hinweis auf die Personalsituation bei Staatsanwaltschaft und Gerichten, sodass der Förderverein Rancho Santa Fe wohl auch 2019 eine Mitgliederversammlung veranstalten muss, obwohl der Verein schon 2017 keinerlei Aktivitäten mehr aufwies, wie Liquidator Rapp in seinem Rechenschaftsbericht dargelegt hatte.