Herr Jäger, in welchen Regionen ist der Borkenkäferbefall jetzt schon spürbar oder besonders stark? In welchen Regionen und an welchen Bäumen wird ein Befall befürchtet?

Im ganz Baden-Württemberg wird vor Käferbefall an Fichte durch Buchdrucker und Kupferstecher eindringlich gewarnt. Die Ausgangssituation ist im südlichen Landesteil kritischer, weil sich hier seit Sturm Niklas, 2015, die Käferpopulationen verstärkt aufgebaut haben. Der erste Schwärmflug begann wegen der sommerlichen Frühlingstemperaturen und wegen der Trockenheit 2018 sehr früh, etwa Mitte April. Von der Eiablage bis zum Ausflug der ersten Käfergeneration vergehen je nach Witterung vier bis sieben Wochen. Dann folgt die nächste Brutgeneration.

Sie warnen vor einer starken Käferpopulation...

Bei günstiger Witterung, trocken und warm, können sich die Käfer innerhalb eines Jahres extrem stark vermehren – bis zu 30 000 Nachkommen von einem Weibchen, das den vergangenen Winter unter der Rinde verbracht hat. Auch im Landkreis Sigmaringen sind alle Bereiche betroffen. Auch hier gibt es kleine, aber unbedeutende Unterschiede je nach Höhenlage beim Beginn des Schwärmens.

So sieht das Schadensbild nach einem Befall durch einen Borkenköfer aus. <sup></sup>Bilder: Landratsamt
So sieht das Schadensbild nach einem Befall durch einen Borkenköfer aus. Bilder: Landratsamt | Bild: RL Bosch

Wie hoch ist der Befall?

Das Ausmaß des aktuellen Befalls 2018 lässt sich noch nicht sicher festmachen. Zunächst findet man nur Bohrmehl an oder bei den Stämmen, später erst werden die Kronen rot oder fällt die Rinde ab. Sturmbäume und Hölzer aus Wintereinschlag weisen allerdings sehr starken Käferbefall auf. Dennoch: die Waldbesitzer müssen jetzt – allerdings nur bei trockener Witterung – nach diesem Bohrmehl suchen. Überall dort, wo 2017 Käferholz war, dort wo wintergeschlagenes Holz gepoltert ist oder dort, wo aus Sturmtief „Burglind“ noch Bäume im Wald angeschoben oder umgeworfen sind. Denn: Aufgrund einiger sehr trockener Witterungsphasen in den Jahren 2015 bis 2017, aufgrund des Sturms Niklas und der Stürme 2017 und 2018 sind die Käferpopulationen deutlich gewachsen. Landesweit hat der Anfall von Käferholz seit 2014 wieder stark zugenommen. Der Schwerpunkt liegt im südlichen Landesteil.

Welche Maßnahmen werden dort ergriffen?

Wir empfehlen den Waldbesitzern eine Käferbaumsuche alle 14 Tage bis in den Herbst. Sollte ein Befall festgestellt werden, ist ein sofortiger Einschlag, die Abfuhr ins Werk, in ein Nass- oder Trockenlager oder eine Entrindung notwendig. Möglich ist auch das Spritzen der Holzpolter am Weg, aber nicht einzeln im Wald, mit einem Insektizid.

Es wird ein schneller Abtransport empfohlen...

Eine rasche Abfuhr in ein Sägewerk ist derzeit erschwert, weil die Werke mit Sturmholz und Frischeinschlag aktuell sehr gut versorgt sind. Eine Entrindung im Wald ist teuer. Deshalb wird in nächster Zeit auch häufig eine Spritzung mit zugelassenem Mittel vor dem Ausflug der Käfer erfolgen müssen.

Welche weiteren Schädlinge sind aktuell ein Problem?

An Fichten ist momentan der Nutzholzbohrer ein Problem, der aber keine lebenden stehenden Bäume befällt und nur das Holz liegender Stämme schädigt. Auch Holzbock und Holzwespe führen bei bereits liegendem Holz zu weiterer Entwertung.

Walter Jäger

Ein kurzes Fazit: Waren Winter und Frühjahr gut für den Wald?

Die Winterwitterung war, abgesehen von den Stürmen, nicht auffällig. Aber die an Ostern beginnende, sehr früh einsetzende Hitze- und Trockenphase über einen langen Zeitraum hat die Aktivität der Käfer sehr gefördert. Gleichzeitig werden die Bäume bei Wassermangel geschwächt. Die erste Käfergeneration wird sich also vermutlich stark entwickeln. Es kommt jetzt auf die Aktivitäten der Bewirtschafter und zum anderen auf den weiteren Witterungsverlauf an. Waldbesitzer hoffen aktuell auf lange Regenphasen.

Fragen: Jürgen Witt

Zur Person

Walter Jäger ist 57 Jahre alt. 1998 war er Leiter des Forstamts Pfullendorf geworden. 2005 kam er mit der Verwaltungsreform als Leiter des Forstbezirks Oberland ins Landratsamt, ist somit als stellvertretender Leiter des Fachbereichs Forst ein kompetenter Ansprechpartner. Der Landkreis ist zu 39 Prozent von Wald bedeckt, in einer Größe von 466 000 Hektar. Von Buchenbeständen auf der Alb bis zu den Fichtenwäldern im südlichen Oberland bietet das Gebiet eine vielfältige und artenreiche Flora. Vom Fachbereich Forst werden insgesamt 25 Gemeinde- und 63 Kirchenwälder mit 19 400 Hektar und 1 100 Hektar Staatswald bewirtschaftet. (jüw)