• Windräder: Auf der Gemarkung Hilpensberg sind seit 2017 drei Windräder in Betrieb, die von der Firma RegEn errichtet und nun von der in Babenhausen ansässigen Firma Neue Energien GmbH VenSol betrieben werden. VenSol plant nach Angaben von Rene Harms drei Windräder auf der Gemarkung Heiligenberg. Die Firma Abo Wind aus Wiesbaden will im August einen Bauantrag für mehrere Windräder auf der Gemarkung Hilpensberg stellen, die in den Wäldern des Spitalfonds Überlingen stehen sollen.
  • Beteiligung: Mit rund 140 Besuchern in der Andelsbachhalle Denkingen wurden am Montagabend die Erwartungen der Veranstalter deutlich übertroffen, wobei rund ein Drittel der Interessierten aus Pfullendorf und Heiligenberg kamen. Nachdem bei der Diskussionsrunde sich zu Beginn ausschließlich Auswärtige gemeldet hatten, appellierte Frank Amann, Bürgermeister von Heiligenberg, an die Einheimischen, sich zu äußern, ansonsten wüssten die Kommunalpolitiker nicht, was die Einwohner bewegt.
  • Milan: Ornithologe Carsten Brinckmeier von der Bürogemeinschaft Arbeiten-Biotope-Landwirtschaft (ABL) aus Freiburg informierte über den Milan, dessen Verbreitungsgebiet auf Zentral-, West- und Südwesteuropa beschränkt ist, wobei in Deutschland 50 Prozent des weltweiten Bestandes leben. Der Vogel ist durch deutsches wie europäisches Recht streng geschützt. Der Experte bestätigte, dass Milane relativ häufig an Windrädern zu Tode kommen. Die schnell drehenden Flügel seien kein Problem, sondern die Unaufmerksamkeit der Vögel bei der Balz oder Revierkämpfen.
  • Gutachter: Die Firma Abo Wind erstellt ein artenschutzrechtliches Gutachten, ebenso wie Pfullendorf und Heiligenberg. Der Beobachtungszeitraum dauert von Ende Februar bis Ende August/Anfang September. Nach Angaben des Ornithologen Brinckmeier sind 18 Beobachtungstermine von je drei Stunden vorgeschrieben und ein Gutachten ist fünf Jahren gültig.
  • Bewertung: Die Beobachter kartieren die Flugbewegungen des Milans und daraus wird eine Rasterkarte erstellt, um ihre Aufenthaltsschwerpunkte zu ermitteln. Gesucht werden die Horst- und Revierzentren, wobei auch das übrige Artenspektrum in der Region berücksichtigt werden sollte.
  • Beobachter und Kartierer: Birgit Steinhart vom Verein "Mensch und Natur" kritisierte die nach ihrer Meinung unzureichende Qualifikation der Kartierer. Experte Brinckmeier machte deutlich, dass Kartierer über eine jahrelange Erfahrung verfügen müssen und stimmte zu, dass oftmals die Ausrüstung wie ein Fernrohr fehle. Georg von Aretin von Abo Wind widersprach und machte deutlich, dass schlechte Kartierer für Betreiberfirmen keinen Vorteil bringen, weil man mit den Ergebnissen bei der Genehmigungsbehörde sofort auf die Nase fallen würde.
  • Die Gemeinden: Pfullendorf und Heiligenberg haben gemeinsam ein eigenes artenschutzrechtliches Gutachten bezüglich der Milanpopulation in Auftrag gegeben, das von Planstatt Senner aus Überlingen erstellt wird und das gesamte Gemeindegebiet von Pfullendorf und Heiligenberg umfasst. Nach Überzeugung von Bürgermeister Amann ist dies der "einzig verbliebene Hebel", um die Windräder zu verhindern. Dazu wurden fünf Beobachtungsstationen eingerichtet, von denen auch die Flugbewegungen der Milane beobachtet werden, und zwar bis Ende August/Anfang September.
  • Mahd-Management: Nach Angaben von Frank Harms von VenSol, das die drei Windräder in Hilpensberg betreibt, einigte sich die Firma mit mehreren Landwirten vor zwei Wochen vertraglich auf ein sogenanntes "Mahd-Management". Wenn Landwirte, deren Flächen näher als 300 Meter an die Windräder heranreichen, beispielsweise Gras mähen wollen, informieren sie den Anlagenführer, der dann die Windräder abschaltet. Man habe in Hilpensberg eine schwierige Eigentümerstruktur, bat Harms um Geduld und bestätigte, dass die Mahd-Vereinbarung vergangene Woche erstmals dazu führte, dass man eine Anlage abschaltete. Ein Rad steht seit etlichen Wochen still, nachdem ein Blitzschlag die Technik außer Betrieb gesetzt hat.
  • Politische Entscheidung: Zu Beginn hatte der Heiligenberger Rathauschef Amann erklärt, dass die Kommunen gegebenenfalls den Klageweg beschreiten werden. Zum Abschluss machte Pfullendorfers Bürgermeister Kugler klar, dass die Kommunen ein ehrliches Ergebnis der Gutachtertätigkeit erwarten und dies auch akzeptieren wollen.

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