Wer von Straß in Richtung Denkingen fährt, sieht nach der Abzweigung nach Kleinstadelhofen auf den Wiesen urige Tiere grasen. So mancher Autofahrer hat sich da schon die Augen gerieben und wie in einem Wildwestfilm gefühlt. Denn die Bisons, die hier gemütlich über die Weide ziehen, zählen ganz sicher nicht zu den einheimischen Nutztieren. Und doch ist es schon über 20 Jahre her, seit sich Wolfgang Lojdl hier einen Wunsch erfüllt hat. "Irgendwie verrückt ist es schon", schmunzelt der Landwirt. Aber die Tiere mit den riesigen Köpfen und dem zotteligen Fell sind ihm ans Herz gewachsen. Und er legt viel Wert darauf, dass es den mächtigen Vierbeinern gut geht. Deshalb werden sie im Frühjahr entwurmt und es werden Blutproben ins Staatliches Tierärztliche Untersuchungsamt nach Aulendorf geschickt. Doch so einfach, wie sich das anhört, ist die Angelegenheit nicht. Diesmal war sogar ein Mann mit der Filmkamera vor Ort, um das Geschehen aufzunehmen: Rainer Jörger. Er dreht für die Neuauflage der "Pfullendorfer Stadtgeschichten". Mit dabei war auch Michael Schnurr, der für das Drehbuch und die Regie verantwortlich ist.

66 Bisons stehen derzeit bei Lojdls auf der Weide. "50 davon sind Mädels", sagt Landwirt Wolfgang. Schon immer haben ihn diese Tiere mit ihrem gutmütigen Wesen fasziniert. Sein erstes Tier stammte aus dem Wildpark Bodanrück. Bei den Ureinwohnern Amerikas hat er sich abgeguckt, wie Bisons gehalten und genutzt werden. "Die verwenden das ganze Tier von den Hörnern bis zu den Klauen", erzählt er. So wollte er es auch machen. Und mittlerweile ist das Realität geworden. Die Sehnen sind bei Bogenschützen begehrt, Hörner, Klauen und Rippen werden weiterverarbeitet und sind besonders in der Westernszene beliebt. Martina Furtwängler aus der Nähe von Villingen zeigt stolz eine Hinterklaue eines Bisons, die als Anhänger ihren Hals ziert. Sie kommt bereits seit vielen Jahren zu den Lojdls und hilft mit, wenn der Tierarzt Hand anlegt. Der Kontakt kam über ihren Freund Siggi zustande, der in der Freizeit "den Westen" zu einem Hobby gemacht hat. Er kennt sich auch bestens damit aus, was man aus so einem Bison alles fabrizieren kann. "Der Herzbeutel ist sehr beliebt", erzählt er den Filmemachern. Den würde man dann mit einem Weidenring verstärken und der so entstehende Behälter sei bestens geeignet, um Wasser zu transportieren. "Das ist dann das Plastik der Indianer", schmunzelt er.

Währenddessen hat Rainer Jörger seine Kamera aufgebaut und will aufnehmen, wie so ein Tier nach der tierärztlichen Behandlung wieder in die Freiheit entlassen wird. "So was habe ich auch noch nie gemacht", sagt der Mann mit der Schirmmütze. Er habe zwar schon einmal in einem Wolfsgehege gedreht, aber so hautnah an einem Bison, das sei auch für ihn neu. "Ich hoffe nur, dass die Tiere nicht ausbüchsen können." Mittlerweile ist schon ein Bison in der Fangstation eingesperrt, die aus Kanada stammt. Das Tier poltert mächtig gegen die Gitter und schaut den Kameramann nicht gerade liebevoll an. Jörger bleibt ruhig und drückt auf den Aufnahmeknopf. Was im Endeffekt für die Stadtgeschichten verwendet wird, das entscheidet sich erst später.

Tierarzt Gottlieb Scherrer und sein Assistentin Lara Riede verabreichen per Injektion das Entwurmungsmittel und nehmen Blut ab für die Untersuchung auf IBR. "Das ist eine Art Herpesvirus, der nicht auf den Menschen übertragen werden, aber den Tieren große Probleme bereiten kann", sagt Scherrer, der noch mehr "exotische" Patienten hat. Sogar Wasserbüffel gehören zu seiner Klientel. Wenn so ein Tier in der Fangstation mittels diverser Gitter fixiert ist, wird auch kontrolliert, ob die vorgeschrieben Ohrmarken vorhanden sind. Wenn nicht, dann sorgt Bisonbesitzer Lojdl dafür, dass sich das ändert. Denn klar ist: Alle Vorschriften, die für einen herkömmlichen Rinderhalter gelten, muss Lojdl auch erfüllen.

Pfullendorfer Stadtgeschichten

Aufführungsgermin für die Multimediashow "Pfullendorfer Stadtgeschichten" ist Samstag, 21. Oktober, 19 Uhr in der Stadthalle am Jakobsweg. Karten gibt es ab dem Frühsommer bei der SÜDKURIER-Geschäftsstelle in der Hauptstraße und bei der Tourist-Info im Rathaus. Der SÜDKURIER ist Medienpartner der Veranstaltung. Bereits am Neujahrsempfang konnten Bürger den Trailer zu der neuen Ausgabe betrachten. Zwar startet der Kartenvorverkauf für die Multimedia Show erst im Sommer, aber der Trailer macht schon jetzt Lust auf mehr. Den Trailer steht zum Download bereit auf der Webseite der Stadt unter www.pfullendorf.de