Weckrufaktion von Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes in Pfullendorf. Verdi-Gewerkschafter wollen sechs Prozent mehr Lohn, die öffentlichen Arbeitgeber weisen diese Forderungen zurück. Fortsetzung des Tarifkampfs ist in Meßkirch und Sigmaringen geplant.

Mit Kuhglocken, Trillerpfeifen und Töpfen haben Beschäftigte der Straßenmeisterei und des Bauhofs ihren Warnstreik mit Gewerkschaftskollegen des Verdi-Bezirks Oberschwaben gestartet. Diese Aktion am Montagmorgen um 6.30 Uhr kam einem lautstarken Weckruf an die öffentlichen Arbeitgeber von Bund und Kommunen gleich. Er sollte ihnen signalisieren, dass die Beschäftigten hinter dieser Tarif- und Besoldungsrunde stehen. Hierbei fordert die Gewerkschaft eine Erhöhung der Tabellenentgelte um 6 Prozent, oder um mindestens 200 Euro monatlich. Sie zeigten Transparente: „Wir sind es wert! Teilhabe an florierender Wirtschaftsentwicklung jetzt!“

Die 200 Euro würden gerade den unteren Entgeltgruppen spürbar gut tun, erläuterte der bei dieser Pfullendorfer Aktion vor Ort befindliche Günter Kessel, Personalratsvorsitzender im Landkreis (Landratsamt) Sigmaringen, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wer 1300 oder 1400 Euro netto monatlich nach Hause bringt, kann heutzutage keine großen Sprünge mehr machen oder seine Familie ernähren“, verdeutlichte der Gewerkschafter von Verdi. Zudem lägen die Einkommen im Öffentlichen Dienst weit hinter den Einkommen in anderen Branchen. Was auch eine vorgelegte Studie belegt, in der die Metallbranche (Anstieg um 88 Prozent) und die Arbeitnehmerentgelte der Gesamtwirtschaft (Anstieg um 73 Prozent) eine deutlich positivere Tarifentwicklung seit 1993 vorweisen. Hier zeige sich klar eine Lohnschere zu ungunsten des Öffentlichen Dienstes, der mit 57 Prozent deutlich zurückliege, bei einer Inflationsrate in diesem Zeitraum von 42 Prozent. Im Übrigen erinnern die Gewerkschafter von Verdi daran, dass Bund, Länder und Kommunen seit 2015 mehr einnehmen als ausgeben würden. So sei 2017 ein Überschuss von 38,4 Milliarden Euro erreicht worden, der weiter kräftig ansteigen dürfte. Die Wirtschaftsforschungsinstitute würden 45 Milliarden Euro für 2018 und 50 Milliarden Euro für 2019 prognostizieren.

Gerade die Mitarbeiter in den Straßenmeistereien und Bauhöfen hier im Landkreis hätten eine hohe Verantwortung zu tragen. Sie wurden beim Warnstreikaufruf in Pfullendorf durch Kollegen der Bauamtswerkstatt, von Mechanikern, Straßenwärtern der Straßenmeisterei sowie einem Kollegen der Mülldeponie Ringgenbach unterstützt. Mitarbeiter des benachbarten städtischen Bauhofs der Stadt beteiligten sich nicht daran, dabei sind sie genauso davon betroffen. „Gerade die Kollegen der Straßenmeisterei haben in den Wintermonaten unsere Straßen frei gehalten“, wies Kessel auf deren hohe Einsatzbereitschaft bei Wind und Wetter für die Bürger hin, dies zudem in geleisteter Schicht- und Nachtarbeit, bei einer Arbeitswoche von 39 Stunden.

Als Vergütung für die Auszubildenden und Praktikanten wird von Verdi eine monatliche Erhöhung um 100 Euro gefordert. Außerdem sollen Regelungen zur Übernahme der Auszubildenden nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung wieder in Kraft gesetzt werden. Sämtliche Forderungen sind vom öffentlichen Arbeitgeber als nicht erfüllbar rigoros zurückgewiesen worden. Mit dem Verweis: Die Verdi-Forderungen für die Beschäftigen im Öffentlichen Dienst seien nicht bezahlbar. Sofern bei der zweiten Verhandlungsrunde am Mittwoch kein vernünftiges Angebot vorgelegt werde, seien die Beschäftigten jederzeit bereit, in einen weiteren Ausstand zu treten.

Sie machten auf die bis Ende Mai andauernden Betriebsratswahlen aufmerksam: Christian Rudolf (links) und Thomas Häusler (Zweiter von links) vom Kreis-DGB bei einem Infostand auf dem Karlsplatz in Sigmaringen.
Bild: Jürgen Witt

Sie machten auf die bis Ende Mai andauernden Betriebsratswahlen aufmerksam: Christian Rudolf (links) und Thomas Häusler (Zweiter von links) vom Kreis-DGB bei einem Infostand auf dem Karlsplatz in Sigmaringen.

Nach der Auftaktveranstaltung in Pfullendorf wird die Aktion am Freitag, 16. März, von 6.30 bis 7.30 Uhr in der Straßenmeisterei Meßkirch fortgesetzt. Auch hier sollen die Mitarbeiter Wecker oder andere Aufweckgeräte mitbringen.

Zum Abschluss steht am kommenden Montag, 19. März, von 12 bis 14 Uhr eine aktive Mittagspause am Haupteingang des Landratsamtes unter dem Motto „buddruffsbrod“ (Butter aufs Brot) an. Es wird Martin Groß von der Verdi-Landesbezirksleitung sprechen. Serviert werden sollen nach dem Demonstrationszug, der vom Landratsamt zum Rathausplatz führt, Brezeln in Sechserform sowie ein überproportionales Weißbrot, das als Blickfang die sechsprozentige Lohnforderung darstelle.

 

Kreis-DGB wirbt für Betriebsratswahlen

Der Sigmaringer Kreis-DGB macht mit seiner Aktion auf die Betriebsratswahlen aufmerksam, die bis Ende Mai laufen. Allerdings war die Führungscrew der Gewerkschafter ziemlich dezimiert. Die grassierende Grippewelle sowie berufliche Dienstverpflichtungen hatten ihre Reihen merklich gelichtet. Unter einem Pavillon auf dem Karlsplatz in der Kreisstadt Sigmaringen hatten die Akteure eine Fülle an Werbematerial des DGB ausgelegt. Es gab Informationsblätter, die über die Wichtigkeit von Betriebsratswahlen aufklärten. Vorbeigehende Passanten, vorwiegend abhängig Beschäftigte aus der Stadt und dem Kreisgebiet, durften sich auch an einem Glückrad versuchen.

Dieses war mit Stichworten wie Gute Arbeit, Gesundheitsschutz, Arbeitsplatzerhalt oder Chancengleichheit versehen, zu denen jeweils der DGB-Kreisvorsitzende Rudolf Christian seine Ausführungen machte und den Aufgabenbereich von Betriebsräten beschrieb. So beispielsweise informierte er über die Mitbestimmungsrechte des Betriebrats in puncto Arbeitszeit, Urlaubsplanung, bei der Einstellung neuer Mitarbeiter oder bei Kündigung und Entlohnung. Deutlich wurde indes, dass in vielen kleinen Betrieben kreisweit bis heute keine Interessensvertretung von Arbeitnehmern besteht und sich eine solche Installierung als hohe Hürde erweist, wie so mancher Kollege gegenüber den Gewerkschaftern bedauernd zum Ausdruck brachte. (jüw)