Sigrid Nipp führte am Sonntagabend rund 50 Gäste durch die Stadtpfarrkirche St. Jakobus. Sie konnten eine ganze Menge erfahren. So auch, dass an dieser Stelle ursprünglich nur eine Kapelle stand. Die war den beiden Heiligen Jakobus und Christophorurs geweiht und war eigentlich die Burgkapelle des Grafen Rudolph von Pfullendorf, der ohne Nachkommen zu Tode kam. Später erbaute man an der gleichen Stelle ein romanisches Gotteshaus. Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1480/81 erfolgte ein Neubau als gotische Pfeilerbasilika, an dem der Salemer Baumeister Hans von Savoyen beteiligt war. Aus dieser Zeit stammt auch noch der Glockenturm mit dem goldenen Posaunenengel.

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„Und dann schauen Sie mal nach oben.“ Sigrid Nipp richtete die Blicke der Besucher auch auf die vielen Kleinigkeiten, die man sonst übersieht.
„Und dann schauen Sie mal nach oben.“ Sigrid Nipp richtete die Blicke der Besucher auch auf die vielen Kleinigkeiten, die man sonst übersieht. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Früher mussten alle Leute Platz in der Kirche haben

Dass die Kirche so groß ist, hat seinen Grund. „Früher mussten alle Leute Platz in der Kirche haben“, erklärte Sigrid Nipp. In Pfullendorf bedeutete das 1 000 Gläubige. Ihr heutiges Innenleben bekam die Kirche durch die Barockisierung in den Jahren 1750/51. Das Gotteshaus wurde nun heller und bekam auch eine wunderschöne und voluminöse Orgel. An den farbenfrohen Deckenfresken und Wandbildern kann sich der Betrachter lange aufhalten und auch die opulenten Stuckarbeiten erinnern an die alten Meister wie Johann Georg Graf zahlreichen Putten und Heiligenfiguren ausgestattet.

Was bedeutet wohl dieser feuerspeiende Drache?
Was bedeutet wohl dieser feuerspeiende Drache? | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Die Stuckaturen stammen von Johann Georg Graf im Chor und Johann Jakob Schwarzmann im Schiff. Natürlich dürfen die für den Barock so typischen Putten nicht fehlen. Was so mancher unbefangene Besucher für Marmor hält, das besteht aus Stuck. „Marmor war zu teuer und schwer zu transportieren“, erklärte Sigrid Nipp.

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Rosenkranzaltar mit 15 Rosenkranzmedaillen

1615 schuf der Bildhauer Martin Zürn für die Rosenkranzbruderschaft einen Rosenkranzaltar mit 15 Rosenkranzmedaillen, die aus Lindenholz geschnitzt wurden. Bis auf zwei sind alle noch original vorhanden. Ein Blickfang ist auch die Jakobusbüste im neuen Altar. Sie gehört zum Kirchenschatz und birgt in ihrem Innern eine kleine Reliquie des Heiligen, dem die Kirche geweiht ist.

Die Mechanik dieser Uhr im Kirchengewölbe ist mit der Uhr im Glockenturm verbunden.
Die Mechanik dieser Uhr im Kirchengewölbe ist mit der Uhr im Glockenturm verbunden. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Kleines Konzert mit Sopranistin Anna-Maria Brym

Normalerweise kaum beachtet wird eine Uhr im Kirchengewölbe, deren Mechanik mit der Uhr im Glockenturm verbunden ist. Die Kirchenführerin richtete das Augenmerk der Besucher immer wieder auf Darstellungen, bei denen es um Symbole geht, die uns heutzutage teilweise fremd sind. Die Denkweise der Menschen war früher von Vorstellungen geprägt, die bei entsprechender Erklärung aber durchaus nachvollziehbar sind.

Staunen kann man in der Jakobuskirche in Pfullendorf.
Staunen kann man in der Jakobuskirche in Pfullendorf. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Dass es zum Schluss in der Kirche dann noch ein kleines, aber wirklich sehr feines, Konzert mit der Sopranistin Anna-Maria Brym und den beiden Organisten Victor Rodriguez und Michael Heißel gab, das war dann genau der richtige Abschluss.

Der Tabernakel ist sonst weit weg von Besuchern. Am Sonntag war er ganz nah.
Der Tabernakel ist sonst weit weg von Besuchern. Am Sonntag war er ganz nah. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz