Das Pfrunger-Burgweiler Ried hat einen neuen Fan gefunden – Umweltminister Franz Untersteller, der nach einem zweitstündigen Besuch des Naturschutzzentrums Wilhelmsdorf, dem Bannwaldturm und der Burgschänke in Burgweiler sichtlich beeindruckt war. "Ich kannte das bislang nur vom Papier", bezeichnete Untersteller das Ried als herausragendes Beispiel für die tolle Kulturlandschaft von Baden-Württemberg und das Miteinander von Landschaftsschutz und Landwirtschaft.

"Dieses Juwel in der Region muss in der Öffentlichkeit noch viel bekannter werden", animierte der Minister die Verantwortlichen des Naturschutzzentrums, ihm entsprechende Vorschläge nach Stuttgart zu schicken, die man prüfen werde, wobei er keine finanzielle Unterstützung versprach. Dieses Thema hatte Sandra Flucht, Bürgermeisterin von Wilhelmsdorf angesprochen, dass man zur Pflege und dem Erhalt des Geschaffenen auch auf die Unterstützung des Landes baue. Mit dem Bannwaldturm und dem Naturschutzzentrum habe man zwei Leuchttürme in der Region geschaffen und mit der Wiedervernässung des Riedes ein beispielhaftes interkommunales Projekt verwirklicht.

Pia Wilhelm, Leiterin des 2012 eröffneten und aus Weißtannenholz gebauten neuen Naturschutzzentrums, erläuterte dem Minister im Schnelldurchgang die aktuelle Ausstellung, in der an neun Stationen die Moorlandschaft präsentiert wird. Mit dem gelernten Landschaftsgärtner Franz Untersteller hatte Wilhelm einen fachkundigen Zuhörer. Das aktuelle Schutzgebiet umfasst 1500 Hektar und das gesamte Einzugsgebiet rund 2600 Hektar. Im Zuge der Wiedervernässung seien neue Moore, neue Wasserflächen und neue Lebensräume für die Tierwelt, Flora und Fauna entstanden, nannte Wilhelm beispielhaft den Schwarzstorch und die europäische Sumpfschildkröte.

Ohne ehrenamtliche Helfer und die Freiwilligen des Ökologischen Jahres könnte die Belegschaft des Naturschutzzentrums, das aktuell 2,6 Vollzeitstellen ausweist, die Arbeit nicht bewältigen. Ein willkommener Helfer bei der Landschaftspflege ist auch der Biber, auch wenn es mit dem Nager in Randgebieten manchmal Konflikte gebe. "Aber, wenn es Probleme gibt, findet man Lösungen", erklärte Wilhelm. Für Minister Untersteller kommt in der aktuellen Biberdiskussion um Schäden die landschaftsgestaltende Rolle des Tieres zu kurz, den er als kostengünstigsten Mitarbeiter beim Landschaftsschutz bezeichnete.

Im Anschluss erläuterte Sabine Behr dem Besucher die Entstehungsgeschichte und Aufgabenvielfalt des Zentrums, wobei der Schwäbische Heimatbund schon seit 1930 bis 2002 schon elf Prozent der Schutzflächen aufgekauft habe. Aber erst das Wiedervernässungsgroßprojekt machte es möglich, dass man bis 2015 insgesamt 89 Prozent des Kerngebietes von 738 Hektar in öffentlichen Besitz bringen konnte.

Stolz ist man auf das Besucherlenkungskonzept mit vier Hauptwanderwegen, nachdem früher hunderte Pfade und Wege durchs Ried führten. "In diesem Jahr wollen wir die 10 000-Marke knacken", gab Behr als Ziel für die Besucherzahl vor, nachdem man 2016 mehr als 9000 Besucher, darunter viele Schulklassen und Kindergartengruppen im Naturschutzzentrum begrüßte. Dann machte sich der Tross mit dem Bus auf, um den Bannwaldturm zu besichtigen, der sich als Wahrzeichen des Riedes schon etabliert hat. Franz Untersteller genoss den weiten Blick über das Ried, wobei ihm Stefan Kopp, Fachbereichsleiter Forst des Landratsamtes Sigmaringen, das Bauwerk erläuterte. Eigentlich hatte der Minister dann für den in der Burgschänke kredenzten Kaffee und Hefezopf keine Zeit, aber dann konnte er doch nicht widerstehen und genoss die Köstlichkeit.

 

Naturschutzzentrum

Seit Mai 2012 können Besucher die Riedgeheimnisse auch auf der 300 Quadratmeter großen Dauerausstellung im neuen Gebäude erkunden. In neun Abschnitten werden Entstehung, Aufgaben und Vielfalt von Mooren vorgestellt. Im Außengelände sind tonnenschwere Findlinge platziert, dazu gibt es einen Barfußpfad und der Riedlehrpfad zeigt die verschiedenen Moorentstehungsstadien. (siv)