Opfer leiden an den Folgen

Abends, wenn er den Kiosk schließt und besonders, wenn er zuHause ist, kommen die Erinnerungen an den Überfall hoch. "Ich kann nicht schlafen, und überlege immer hin und her", erzählt der Imbissbetreiber im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Der Vorfall lässt ihn einfach nicht zu Ruhe kommen. Mit seinem Sohn war er beim Saubermachen des Innenraumes, alle drei Glastüren waren geöffnet, als plötzlich die beiden Maskierten in der Tür standen und Geld forderten. "Wie können sie so was machen?", versteht der ältere Mann die Motive der Täter nicht. Keine Sekunde hatte er gezögert, und einem der Täter den Besenstiel auf den Kopf geschlagen, worauf die Räuber die Flucht ergriffen. Der Sohn, der noch die Schule besucht, machte sich auf die Verfolgung und hatte nach wenigen Metern einen Mann eingeholt und überwältigte ihn. Eine Gruppe zufällig vorbeikommender junger Männer half ihm, den gefassten Täter bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

"Räuberische Erpressung"

Dem zweiten Räuber gelang die Flucht, und auch nach rund zweieinhalb Wochen haben die Ermittler ihn noch nicht gefasst, wie Markus Engel, Erster Staatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hechingen bestätigte. "Die Ermittlungen werden weiterhin mit Nachdruck geführt. Allerdings war es bislang nicht möglich, einen Komplizen zu ermitteln", erklärte er auf Anfrage des SÜDKURIER. Der Tatverdächtige, der gefasst werden konnte, ist weiterhin in Untersuchungshaft, ergänzt Markus Engel, dass dieser eine Tatbeteiligung bestreite. Der Tatvorwurf gegen den Inhaftierten lautet nach seinen Angaben auf "versuchte besonders schwere räuberische Erpressung“. Das Strafmaß für eine solche Tat ist eine Freiheitsstraße zwischen zwei Jahren und elf Jahre und drei Monaten. Die Täter hatten bei ihrem Überfall auch eine Waffe dabei, die ein Täter mehrfach abfeuerte. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich hierbei um eine Schreckschusswaffe. "Dass mit dieser sogar geschossen wurde, würde bei einer Verurteilung innerhalb des genannten Strafrahmens strafschärfend gewertet", ergänzt Staatsanwalt Engel.

Täter war Kunde

Vor vier Jahren hat der Imbissbetreiber den Pavillon gegenüber des Stadtgartens gepachtet, und das Geschäft läuft, dank vieler Stammkunden auch gut. Die Arbeit könnte ohne die Mithilfe von Familienangehörigen nicht bewältigt werden, so wie vor drei Wochen, als der Sohn seinem Vater beim Aufräumen half. Auch dem Jugendlichen mache das Erlebte zu schaffen und sorge für schlaflose Nächte, erzählt der Senior. Dankbar ist er den jungen Leuten, die seinem Sohn geholfen haben, einen der Männer zu überwältigen. Völlig schockiert hat ihn die Tatsache, dass der gefasste Täter kein Unbekannter, sondern ein Kunde seines Imbisses war. Dieser hätte doch wissen müssen, dass in dem kleinen Geschäft kein Geld zu holen ist. Dennoch habe der Mann mit einer Waffe in der Hand ihn überfallen, schüttelt der Pächter immer wieder den Kopf. Jetzt hoffen er und seine Familie, dass der flüchtige zweite Mann schnellstmöglich dingfest gemacht wird. Vielleicht können sie dann wieder etwas ruhiger schlafen.