Bei einer kleinen Feierstunde haben gestern Vormittag Verantwortliche das zehnjährige Bestehen des in der Uttengasse beheimateten Tafelladens gewürdigt. Andreas Kees, seit 20. Oktober 2015 Vorsitzender des Pfullendorfer Roten Kreuzes, würdigte das soziale Engagement und die Verlässlichkeit aller Beteiligten. Eingeladen waren Freunde, Sponsoren und und Unterstützer aus den Lebensmittelmärkten. Ihnen wurde für Sachspenden und Naturalien gedankt.

Die Tafeln seien als große soziale Bewegung entstanden und hätten sich bewährt, stellte der den Singener Tafelladen leitende Udo Engelhardt als Vertreter des Landesverbandes fest. Ähnlich große Helferkreise seien während der Flüchtlingsbewegung entstanden. Gleichwohl rechne er damit, dass sich soziale Versicherungssysteme, aber auch die öffentliche soziale Arbeit verändern würden. Eine Zukunftswerkstatt soll sich einerseits mit dem Ehrenamt und Nachwuchs, andererseits mit der Digitalisierung beschäftigen. "Niemand weiß, wie im Zuge von Arbeit 4.0 die Zukunft der Märkte aussieht, ob es noch Personal gibt oder wie sich das auf Gesellschaft und Altersarmut auswirken wird", gab er zu bedenken. Er gehe davon aus, dass die Tafel die Episode übersteht. "Tafeln sind eine Basisbewegung – und Sie sind das Herz hier", sagte Engelhardt unter Beifall.

Bild: Jürgen Witt

"Die Tafel ist etwas ganz furchtbares, nämlich dass es sie geben muss", wandte Heinz Bosch als Leiter des Pfullendorfer Tafelladens mit differenziertem Blick ein. Ein Fest sei es nur für diejenigen, die es möglich gemacht und ausgehalten hätten. Bosch zog Bilanz: In diesen zehn Jahren seien 25 000 ehrenamtliche Stunden angefallen und es wurden Wertgütern im Werte von 750 000 Euro an Bedürftige ausgegeben. Bosch dankte der Stadt, dass sie es übernommen habe, die Ausweise dafür auszustellen.

Peter Schramm erinnerte als Bürgermeisterstellvertreter und Historiker an die Armenspeisung des Spitals. Der Kommunalpolitiker würdigte den menschlichen Kontakt, den die freiwilligen Helfer pflegen: "Sie leisten etwas Beispielhaftes, ihre Arbeit gehört hochgeschätzt!" Gleichwohl beinhalte die Institution auch etwas Trauriges: "Wie kann es sein, dass in einem der reichsten Länder der Welt so etwas nötig ist?"

Tafelmitgründerin Getrud Hangarter stellte die Uneigennützigkeit heraus, die Tafel bewirke positives, indem sie Lebensmittel rette. Hangarter überreichte einen 500-Euro-Scheck ihrer Steuerberatungskanzlei. Alexander Huenges vom Lionsclub Überlingen brachte einen Scheck von 1000 Euro mit und regte die Einrichtung von Kochkursen an. Am Abend trafen sich sämtliche 35 Helfer im Seeparkrestaurant. Eine besondere Ehrung erfuhren dabei die zehn Gründungsmitglieder.