„Tafel“ eröffnete im Jahr 2008

Im 11. Jahr des Bestehens hat der „Tafelladen„, der vom DRK-Ortsverband Pfullendorf in der Uttengasse betrieben wird, ernsthafte Probleme. Heinz Bosch, der seit der Eröffnung ehrenamtlich den Betrieb managt und das ehrenamtlich tätige Helferteam leitet, gibt sein Amt auf und die Nachfolgesuche gestaltet sich sehr schwierig. Nach Angaben von DRK-Chef Andreas Kees gab es bislang zwei Bewerbungen für den unbezahlten Job, die allerdings nicht dem Anforderungsprofil entsprachen. Der 79-jährige Heinz Bosch hat dem Ortsverband mitgeteilt, dass er nur noch bis Mitte Juni zur Verfügung steht.

Fahrer fehlen

Überraschend haben zwei Fahrer, die mit dem Kleinbus, die gespendeten Lebensmittel in der Region abholen, gleichfalls ihren Abschied von der „Tafel“ erklärt. Das Fahrerteam besteht aus fünf Personen, dazu übernimmt ein sechster Fahrer den Warentransport an jenen Tagen, an denen der Laden nicht geöffnet hat. Der Verlust der erfahrenen Fahrer schmerzt umso mehr, als sich ein langjähriger Helfer zusätzlich um die Wartung des Fahrzeugs gekümmert hat.

Öffnungstag könnte entfallen

Sollte die Personalknappheit andauern, muss nach Überzeugung von Heinz Bosch die „Tafel“ ihre Öffnungszeit auf einen Tag pro Woche reduzieren muss. Bislang hatte die Einrichtung am Dienstag- und Freitagnachmittag, jeweils ab 15 Uhr offen. Der Betrieb der „Tafel“ ist klar geregelt, wobei die Berechtigten einen entsprechenden Ausweis von der Stadt bekommen, die auch die Bedürftigkeit geprüft hat.

Hilfe vom Förderverein unerlässlich

Da die Waren nur zu einem Bruchteil ihres früheren Preises verkauft werden, deckt der Umsatz die Betriebskosten wie Benzin, Strom oder Heizung absolut nicht. Und vom DRK gibt es kein Geld. Diese Vorgabe hatte der Ortsverband 2008 mit seiner Bereitschaft zum Betrieb des Tafelladens verknüpft. „Ohne die Unterstützung des Fördervereins würde es deshalb nicht gehen“, macht Heinz Bosch klar, dass man ohne diese Finanzspritze die jährlichen Kosten von rund 10 000 Euro nicht stemmen könnte.

DRK will „Tafel“ unbedingt erhalten

DRK-Chef Kees weiß von den Verantwortlichen seines Bodenseekreisverbandes, dass dort die Tafelläden wie in Überlingen oder Friedrichshafen von der Diakonie betrieben, und nicht wie in Pfullendorf im Ehrenamt geführt werden: „Wir haben keinen Hauptamtlichen.“ Der engagierte Rotkreuzler will die „Tafel“ in Pfullendorf unbedingt erhalten, und kann sich, falls man keinen Leiter findet, vorstellen, dass aus den Reihen der aktuell 30 bis 40 Helfer sich ein Führungsteam bildet. Diese Gruppe könnte die Einrichtung managen, und nach sechs oder zwölf Monaten würde man ein Resümee ziehen.

Stellungnahme des DRK-Kreisverbandes

Auf Anfrage des SÜDKURIER erläutert Jörg Kuon, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Bodenseekreis, in dem der DRK-Ortsverbund Pfullendorf Mitglied ist, die Verbandssicht: „Nach über zehnjähriger Tätigkeit wird der Leiter des Tafelladens in Pfullendorf sein Amt niederlegen. Herr Bosch hat die Pfullendorfer Tafel mit sehr viel Engagement und Herzblut aufgebaut und geleitet. Freiwillig und ehrenamtlich. Eine sehr bewundernswerte Leistung. Damit hinterlässt er aber auch „große Fußstapfen“. So eine Führungskraft zu ersetzen ist erfahrungsgemäß immer schwierig. Der Vorstand des DRK Ortsvereins beschäftigt sich mit der Nachfolgeregelung intensiv und denkt dabei in verschiedene Richtungen. Die Pfullendorfer Tafel ist Mitglied im Bundesverband der Tafeln und damit in der Tafelbewegung gut vernetzt. Eine Zusammenarbeit mit den benachbarten Tafelläden findet unabhängig von der Trägerschaft statt, also auch mit den Tafeln der Kollegen vom DRK Kreisverband Sigmaringen. Es gehört auch zum Wesen der Tafelläden, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter aus der Gruppe der über 60-Jährigen kommt. Dem zufolge sind wir regelmäßig in der Situation, dass wir Verstärkung suchen, um Fluktuation auszugleichen und die Belastung der einzelnen Mitarbeiter auf ein normales Maß beschränken können.“ (siv)