Im Pfarrsaal geschehen ungewöhnliche Dinge. Männer schleppen Kunststoffkoffer ins Gebäude und dazu noch jede Menge Kabel und Stative. "Was da wohl wieder los ist?", fragt eine ältere Dame, die zufällig vorbeikommt. Die Antwort ist einfach: Drinnen wird ein Nachrichtenstudio aufgebaut. Rainer Jörger und sein Assistent Olaf Michel sind wieder unterwegs, um Szenen für die "Pfullendorfer Stadtgeschichten" zu drehen. Die Liveshow will im Oktober wieder die Pfullendorfer begeistern. Die Mädels und Jungs von der Journalisten-Arbeitsgemeinschaft (AG) der Montessori-Grundschule sind es jetzt schon. Denn sie dürfen dabei sein, auch in den Filmszenen, die Jörger innerhalb von 90 Minuten "im Kasten" hat.

"Ich bin total baff", sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER, der auch diesmal Medienpartner der "Pfullendorfer Stadtgeschichten" ist. "Ähnliche Szenen habe ich schon an mehreren Orten gedreht, aber das hat immer einige Stunden gedauert. Hier ging das unheimlich schnell", lobt er die Schüler der dritten und vierten Klasse. Kein Wunder: Die haben eine echt tolle Leistung geboten. "Wie die Profis", schmunzelt der Mann mit der Kamera.

Immer zwei Moderatoren präsentieren Nachrichten. Fast wie Marietta Slomka und Claus Kleber vom "Heute Journal" stehen die jungen Akteure im Scheinwerferlicht und stellen völlig unaufgeregt ihre "News" vor. Es fehlen nur die Laptops und Teleprompter, von denen die Profis ihre Texte ablesen und dank der es immer so aussieht, als ob die Moderatoren die Zuschauer direkt anblicken.

Ins Schwitzen kommen die Schüler im Pfarrsaal aber trotzdem. Denn die vielen Scheinwerfer, die den Moderatorentisch ins rechte Licht rückten, strahlen eine ganze Menge Hitze ab. "Kamera ab", sagt Rainer Jörger. "Kamera läuft", sagt Kamerakind Malin Feig. Sie ist jetzt dran und darf die Kamera steuern. Auch die Mitschüler dürfen sich abwechselnd einen Kopfhörer aufsetzen, über den der Ton übertragen wird. Störgeräusche sind unerwünscht. Muss mal jemand niesen, oder er verschluckt sich am Pausengetränk, dann muss die Szene wiederholt werden. Doch das kommt selten vor.

Kamerakind Malin Fleig sogrt dafür, dass die Aufnahme startet. Rainer Jörger verfolgt das Geschehen. <em>Bild: Karlheinz Fahlbusch</em>
Kamerakind Malin Fleig sogrt dafür, dass die Aufnahme startet. Rainer Jörger verfolgt das Geschehen. Bild: Karlheinz Fahlbusch | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Dagmar Abele ist Lehrerin an der Montessori-Grundschule und betreut die Journalisten-AG, die es seit drei Jahren gibt. Eigentlich ist die Aufgabe der Grundschüler die Herausgabe eines Jahrbuchs. "Eine Zeitung wäre für uns zu zeitaufwändig", sagt Aberle. Denn diese müsste ja mehrmals im Jahr erscheinen. Also konzentriert man sich auf das Buch. In der nächsten Ausgabe werden bestimmt auch Geschichten vom Filmdreh zu lesen sein. Denn wer hat schon mal die Chance, in einer Nachrichtensendung aufzutreten? Um welche Nachrichten es sich handelt, das wird noch nicht verraten.

Nora Bernauer und Florian Benkler (von links) als Nachrichtensprecher. Was sie wohl zu sagen haben? <em>Bild: Karlheinz Fahlbusch</em>
Nora Bernauer (links) und Florian Benkler als Nachrichtensprecher. Was sie wohl zu sagen haben? Das erfahren die Zuschauer bei der Multimediashow am 21. Oktober. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Der neugierige Zuschauer möchte natürlich wissen, warum es an einer Grundschule eine Journalisten-AG gibt. Ist das nicht eher was für die weiterführende Schule? "Gar nicht", lacht Dagmar Aberle. Selbstständiges Arbeiten, Projekte entwickeln und der Umgang mit Medien, das sei auch was für die Neun- bis Elfjährigen. Und Aberle ist sich sicher, dass Maria Montessori, die Begründerin des nach ihr benannten reformpädagogischen Bildungsangebotes für Kinder, garantiert mit Medien gearbeitet hätte. Leider ist sie schon 1952 gestorben und kann nicht bei den "Pfullendorfer Stadtgeschichten" dabei sein.

Trailer zu den„Stadtgeschichten“

Bereits am Neujahrsempfang konnten Bürger den Trailer zu der neuen Ausgabe der Pfullendorf Stadtgeschichten betrachten, informiert die Stadtverwaltung. Wie gewohnt zeigten Rainer Jörger und Michael Schnurr imposante Luftaufnahmen und gaben einen ersten Ausblick auf die Themen der Show am 21. Oktober. Zwar startet der Kartenvorverkauf für die Multimedia-Show erst im Sommer, aber der Trailer macht schon jetzt Lust auf mehr.

Der Trailer im Internet: www.pfullendorf.de