Pfullendorf – Sie gehören in der Region zum Stadtbild und viele Passanten fragen sich, was sich wohl hinter den blickdichten Türen verbirgt. Gemeint sind die Spielhallen, die meist am Rand von Stadtgebieten, aber auch teilweise in den Innenstädten zu finden sind. Ist es wirklich die letzte Bastion, in der Zocker und Spielsüchtige ungestört ihrer Leidenschaft frönen können? Der SÜDKURIER schaute sich in Begleitung der Geschäftsleitung der Admiral Entertainment Gruppe, die in Pfullendorf mit drei Spielkonzessionen mehrere Spielhallen betreibt, vor Ort um.

Legt man den Forschungsbericht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2017 zugrunde, hatten drei Viertel der Bevölkerung schon mindestens einmal im Leben aktiv Kontakt mit dem Glücksspiel. Auch wenn die potenzielle Gefahr einer Suchterkrankung scheinbar niedrig ist, sind doch laut offiziellen Statistiken fast 200 000 Menschen in Deutschland von Spielsucht betroffen.

„Jeder, der durch das Spiel gefährdet wird oder von Spielsucht betroffen ist, ist einer zuviel“ – so lautet das Motto des kaufmännischen Geschäftsführers Martin Moßbrucker der Firma Admiral. Das Unternehmen ist Mitglied der Löwen-Gruppe mit Sitz in Bingen Rhein ist und beschäftigt in Pfullendorf 300 Mitarbeiter. Ohne vorgegebene Verpflichtung hat sich der bundesweite Betreiber von Spielhallen laut eigenen Angaben firmeneigene Vorgaben für Präventionsmaßnahmen auferlegt. Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2016 die Gesellschaft für Spielerschutz und Prävention (GSP) gegründet, die sich als Schnittstelle zwischen Mitarbeitern und Spielern mit den Beratungsstellen und Fachkliniken versteht. Mit zehn Beratern werden deutschlandweit rund 6 000 Servicemitarbeiter und etwa 1 000 Spielhallen betreut und geschult. Jeder Mitarbeiter sei zur Schulung und späteren Nachschulung verpflichtet.

„Problematisches Spielverhalten frühzeitig zu erkennen und im Zweifelsfall auch angemessen einzuschreiten“, so umschreibt Julia Fichtner, kaufmännische Leiterin der GSP, die Kernaufgaben. Anders als bei einzeln aufgestellten Automaten in der Gastronomie, muss sich jeder Spieler in der Spielhalle einem Legitimationsnachweis durch Vorlage des Ausweisdokuments unterziehen. Mit einer eigenen Software wird festgestellt, ob eine Spielteilnahme möglich ist, oder ob die interne Datenbank einen – ebenfalls selbst auferlegten – Eintrag in einer Sperrdatei enthält. Erst dann wird eine Spielerkarte ausgegeben, mit der man sich an einem freien Automaten unter Eingabe eines individuell vergebenen Passworts zum Spiel anmelden kann.

Gleichzeitiges Spiel an mehreren Automaten soll durch die Raumaufteilung erschwert werden. Um einem schnellen Verlust von hohen Beträgen zu begegnen, sind die Einsätze pro Spiel auf 20 Cent bei einer Spieldauer von fünf Sekunden und der Gesamtverlust pro Stunde am Spielautomaten auf 60 Euro limitiert. Die Software der Geräte wurde umgestellt, sodass passives Spiel nicht mehr möglich ist. Es wird ständige Aktivität des Spielers gefordert.

Scheinbar unzeitgemäß, aber durchaus sinnvoll ist auch die Tatsache, dass Spielautomaten nur mit Bargeld betrieben werden dürfen. Damit soll der reale Bezug zum ausgegebenen Geld „greifbar“ gemacht werden. Die durchschnittliche Verlustrate liegt beziffert Martin Moßbrucker auf etwa 15 Euro pro Stunde.

Während der Öffnungszeiten befinden sich immer mindestens zwei Mitarbeiter vor Ort, die als Servicekräfte, Ansprechpartner für die Bedienung der Automaten, aber auch zur Erkennung früher Signale von Spielsucht bereit stehen. Der Ausschank von Alkohol ist verboten.

Fakten und Empfehlungen

Wer spielt was?

Der Forschungsbericht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2017 hat folgendes Ergebnis:

  • Drei von vier Bundesbürgern haben mindestens einmal aktiv am Glücksspiel teilgenommen.
  • Die Hälfte hat das Glück beim Lotto „6 aus 49“ gesucht. Ein Drittel sich an anderen Lotterien beteiligt und jeder Fünfte hat einen Geldspielautomaten ausprobiert oder an privatem Glücksspiel teilgenommen.
  • 15 Prozent waren in einer Spielbank und etwa zwölf Prozent spielten die Glücksspirale, den Eurojackpot oder andere Fernsehlotterien.
  • Im einstelligen Bereich rangieren Sportwetten, Klassenlotterie, Pferdewetten und Ähnliches.

Die Gesellschaft für Spielerschutz und Prävention hat zehn goldenen Spielregeln zur Vorbeugung problematischen Spielverhaltens aufgestellt:

1.Spielen Sie nur zur Unterhaltung!
2. Setzen sie sich ein festes Limit!
3. Lernen Sie Spielablauf und Gewinnchancen kennen!
4. Vernachlässigen Sie andere Hobbys nicht!
5. Legen Sie Spielhäufigkeit und -dauer fest!
6. Nutzen Sie nur unverplantes Geld!
7. Spielen Sie nie mit geliehenem Geld!
8. Legen Sie häufiger eine Spielpause ein!
9. Versuchen Sie nicht, verspieltes Geld zurück zu gewinnen!
10. Beenden Sie das Spiel nach einer Glückssträhne!

Hilfe bei problematischem Suchtverhalten gibt es unter Tel. 08 00/77 23 83 68.