Immer wieder ist in der Zeitung davon zu lesen, dass ältere Menschen um ihre Ersparnisse gebracht werden, weil ein vermeintlicher in Not geratener Verwandter am Telefon um Geld bittet. Beim Aktionstag der Senioren am Wochenende in der Stadthalle war die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle des Landkreis Sigmaringen mit einem Stand dabei, um über den Enkeltrick und ähnliche Betrugsmaschen zu informieren.

„Wir hatten schon Verluste von bis zu 1 Million Euro“

Noch häufiger werden Senioren mit falschen Polizisten konfrontiert. Alfred Härle von der Beratungsstelle erzählt: „Die Anrufer sitzen dann zum Beispiel in einem Callcenter in der Türkei und tischen den Senioren auf, die Polizei sei einer Einbrecherbande auf der Spur und das Vermögen des Angerufenen sei in Gefahr. Sie bringen die Leute tatsächlich dazu, einem falschen Polizisten an der Haustür ihr Geld auszuhändigen. Angeblich, weil es bei der Polizei in Sicherheit ist.“ Im schlimmsten Fall erbeuten die Betrüger die kompletten Ersparnisse. „Wir hatten schon Verluste von bis zu 1 Million Euro.“

Anrufstraftaten teilweise um 2000 Prozent gestiegen

Im Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz sind nach Auskunft von Alfred Härle die Anrufstraftaten im Zeitraum 2017 bis 2018 um 2000 Prozent angestiegen. Im Landkreis Sigmaringen seien diese Delikte wieder etwas zurückgegangen, dafür habe jetzt die Polizei im Bereich Ulm verstärkt damit zu tun: „100 Anrufe in vier, fünf Tagen.“

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Betrüger häufig psychologisch geschult

Ist es nicht sehr naiv, am Telefon auszuplaudern, wie viel Schmuck und Bargeld man zu Hause hat oder sich sogar darauf einzulassen, Geld und Wertgegenstände von der Bank zu holen, um sie später einem Boten „zur sicheren Verwahrung“ zu übergeben? Wo bleibt das Misstrauen? Alfred Härle erzählt aus der Praxis: „Das höre ich immer wieder. Aber die Betrüger sind häufig psychologisch geschult und äußerst geschickt in der Gesprächsführung. Sie bauen Vertrauen auf. Es kann vorkommen, dass zwei, drei falsche Beamte anrufen und sich aufeinander beziehen, somit entsteht der Eindruck, es gehe alles mit rechten Dingen zu. Manchmal erscheint sogar die Notrufnummer 110 auf dem Display.“

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Angerufene fühlen sich massiv unter Druck gesetzt

Die Senioren seien oft überrumpelt und gäben mehr von sich preis, als sie es im Nachhinein selbst für möglich halten. „Viele fühlen sich in dem Moment massiv unter Druck gesetzt.“ Manche Telefonbetrüger behaupten beispielsweise, dass sich der Angerufene strafbar mache, wenn er mit Dritten über den Anruf spriche. Hinzu komme ein gewisses Obrigkeitsdenken. „Ältere Menschen haben noch großen Respekt vor der Polizei. Wenn also jemand am Telefon vorgibt, Polizist zu sein, befolgen sie dessen Anweisungen.“

Polizei fragt am Telefon nie nach Vermögensverhältnissen

Doch Härle stellt klar: Die Polizei fragt am Telefon nie nach den Vermögensverhältnissen oder behauptet, dass sie zwecks Telefonüberwachung finanzielle Unterstützung brauche. Eine Masche ist auch die Warnung vor einem geplanten Einbruch, dass Kriminelle das Konto des Angerufenen plündern wollen oder dass ein Polizeibeamter vorbei kommt, weil Falschgeld im Umlauf ist.