Um die Schnellergilde ranken sich bekanntlich viele Mythen und Geschichten. So sollen deren Vorfahren schon im Dreißigjährigen Krieg mit lautem Geknalle von Peitschen, die wiederum Vorgänger der heutigen Karbatschen sind, eine Horde angriffslustiger Schweden vor den Stadttoren Pfullendorfs verjagt haben. Jetzt hat der Schneller S. seine Narrengruppe mit einer weiteren These zu einem Krankheitserreger angereichert. So entdeckte er eine neue Spezies zum Norovirus. Das hat zwar in der kalten Jahreszeit Hochsaison und führt zu dramatischen Ausbrüchen einer Durchfallerkrankung, erwischt aber, statistisch gesehen, nur jeden Dritten. Das von ihm diagnostizierte Schweizer Virus hat jedoch alle acht Schneller erwischt, die über die Grenze zum Narrentreffen nach Siebnen im Kanton Schwyz am 3./4. Februar angereist waren. Zum Beweis hat er die acht Schneller alle namentlich aufgezählt. Die Schweizer Viren sind so tückisch, dass seine Kameraden selbst am Schmotzigen Dunschtig noch nicht haben auf die Beine kommen können. Klare Analyse: Die Schweizer Viren sind in der Ausbreitung schneller, als Schneller gucken können. Und sie sind besonders widerstandsfähig, lassen sich selbst durch das Schnellen einer Karbatsche nicht abschrecken. Für eine Ansteckung ist nur eine geringe Anzahl Schweizer Viren erforderlich, bei manchen genügt eine zur Magen-Darm-Entzündung.

Wir haben vor dem Hemdglonkerumzug das tierische Orakel von Pfullendorf angetroffen und befragt: Es heißt Thierry und ist ein Schoßhündchen, ein Chihuahua. Süß schaut es aus der warmen Jacke seines Besitzers Wilfried heraus. Dieser betreibt ein Handwerkerportal im Internet und schwärmt von Pfullendorf, seitdem er hierher gezogen ist: "Ein tolles Städtle". Vor allem die Rockgruppen bei den Biker Days im Seepark wecken seine Begeisterung. Als wir Thierry zum Schweizer Virus befragen, schaut er einen interessiert an und legt als Geste ein Pfötchen heraus, um vielleicht anzudeuten: Also ich halte allen Belastungen stand. So verbleibt uns nur noch das nationale Referenzzentrum für Influenza in der Schweiz. "Am Apparat, Rägi Sprüngli, was goht ab?" Wir erklären unsere Suche nach dem Schweizer Virus. "Das gitz nöd", das gibt es nicht, sagt sie und empfiehlt zur Betäubung einen "Kafi Chrüter" – einen Kräuterschnaps. Einfache Lösung.

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