Nicht alle der 70 Schüler der Kasimir-Walchner-Schule drücken dort „nur“ die Schulbank. Fast die Hälfte von ihnen engagiert sich darüber hinaus im KaWa- (Kasimir-Walchner-)Service. Vor einigen Jahren als Dienstleistungs-AG von der damaligen Rektorin Eva Riede-Leibbrand gegründet, wurde der Service jetzt in eine Schülerfirma umgewandelt. „Das Projekt bietet wichtige Lernfelder als Vorbereitung auf den Beruf. Die Schüler lernen soziale Kompetenzen, wie Pünktlichkeit, Höflichkeit und Zuverlässigkeit in der Praxis“, schildert Lehrerin Lisa Klaiber den Nutzen, den die jungen Menschen aus der Teilnahme ziehen.

Lehrerin Lisa Klaiber und Schülerin Michelle Dornstädter verpacken Tonerkartuschen, die im Rahmen der Schülerfirma gesammelt werden.
Lehrerin Lisa Klaiber und Schülerin Michelle Dornstädter verpacken Tonerkartuschen, die im Rahmen der Schülerfirma gesammelt werden. | Bild: Stefanie Lorenz

Sie schippen Schnee, versorgen Gäste mit leckeren Häppchen, schneiden Hecken oder unterstützen ältere Menschen beim Einkauf – breit ist das Spektrum an Hilfeleistungen, die von den Schülern übernommen werden. In der Regel seien es Mädchen und Jungen ab der 7. Klasse, in Einzelfällen seien aber auch schon einmal Sechstklässler mit im Einsatz, erläutert Lisa Klaiber.

Hilfe bei Ausbildungs- und Gebrauchtwarenbörse

So mancher Pfullendorfer dürfte die „Heinzelmännchen“ der Kasimir-Walchner-Schule schon genossen haben, denn sie waren bei einigen größeren Ereignissen fleißig. So bewirteten sie die Gäste bei der Ausbildungsbörse. Bei der Gebrauchtwarenbörse ist der KaWa-Service jährlich im Einsatz. „Die Schüler helfen beim Herrichten der Stadthalle, der Warenannahme und -ausgabe“, schildert die Lehrerin. Auch schulinterne Aufgaben werden an die Schülerfirma abgegeben, zum Beispiel die Pflege des Aquariums.

29 Mädchen und Jungen stehen auf der Gehaltsliste der Schülerfirma. Denn für die Leistungen gibt es Geld – allerdings kein bares. Sieben Euro werden als Stundenlohn verrechnet. Davon erhalten die Schüler vier Euro auf ihr privates Konto, der Rest wandert auf ein Ansparkonto, dessen Gesamtsumme erst am Ende der Schullaufbahn in der Kasimir-Walchner-Schule ausgezahlt wird. „So haben die Teilnehmer ein Startkapital für die Zukunft, zum Beispiel für den Führerschein oder das erste Mofa“, sagt Klaiber.

Auch Gartenarbeiten übernehmen die Schüler, wie hier Daniel beim Rasenmähen.
Auch Gartenarbeiten übernehmen die Schüler, wie hier Daniel beim Rasenmähen. | Bild: Kasimir-Walchner-Schule

Ein Startkapital der anderen Art ist der Quali-Pass, den die Schüler für ihre Mitwirkung an der Schülerfirma erhalten. Dieses Zertifikat können sie ihrer Bewerbung beifügen, so sieht der künftige Arbeitgeber, dass bereits Kenntnisse und soziale Kompetenzen erworben wurden.

Von der Dienstleistungs-AG zur Schülerfirma

Neben Lisa Klaiber sind auch Schulleiterin Alexandra Keinath und Birgit Karle im KaWa-Service aktiv. Seit Mitte des Jahres wird das Projekt als Schülerfirma betrieben, losgelöst vom Förderverein, der zuvor involviert gewesen war. „Wir haben uns aus organisatorischen Gründen dafür entschieden, den KaWe Service umzuwandeln“, sagt Lisa Klaiber. Die Schüler lernen jetzt auch die Strukturen einer Firma kennen mit allen Einzelaufgaben, wie Rechnungen schreiben und Gehälter zusammenstellen. Als Schülerfirma fällt das Angebot unter Schulprojekte. Das bedeutet unter anderem, dass die Schüler bei der Arbeit versichert sind.

Freude am Helfen und Stolz über Geleistetes

„Je älter und reifer die Schüler werden, desto mehr sehen sie ihren eigenen Nutzen im Einsatz in der Schülerfirma„, schildert Lisa Klaiber. Sei freut sich darüber, wenn sie mitbekommt, dass die jungen Erwachsenen stolz auf ihre Leistungen sind und Freude daran haben, anderen zu helfen. Wichtig ist für die Lehrerin, darauf zu achten, was und wie viel sie den Schülern zumuten kann. Gemeinsam wird vor Annahme eines Auftrags abgeklärt, was erwartet wird und was tatsächlich möglich ist. Derzeit sei der Service ziemlich ausgelastet, deshalb könnten nicht immer Aufträge angenommen werden.