Als Spiel der Könige wird Schach bezeichnet, und am Staufer-Gymnasium begeistern sich viele Schüler so nachhaltig für das Spiel, dass die Schule als vierte Einrichtung im Land als "Schachschule" ausgezeichnet wurde. In den nächsten drei Jahren prangt das Gütesiegel an der Wand, und wenn es nach Lehrer Uwe Linster und Herbert Schmieder vom Schachclub Pfullendorf geht, dann lernen noch viele Generationen das Spiel der Könige. Seit einigen Jahren gibt es die Zusammenarbeit zwischen Schule und Schachclub, und mit Lehrer Linster sind die Zahlen schier explodiert. Mittlerweile wird am Staufer-Gymnasium für jeden Fünftklässler zwischen den Sommer- und Herbstferien verpflichtend Schachunterricht angeboten, und dann entscheidet jeder, ob er das Spiel in der nachmittäglichen Arbeitsgemeinschaft fortsetzen will. Für Arthur und seinen Kumpel Yilmaz ist das keine Frage. Die beiden Zwölfjährigen sind vom Schach hellauf begeistert, und spielen auch zuhause. Arthur hat sich eine Schach-App aufs Handy geladen und Yilmaz spielt auf dem Computer. "Das Spiel ist ruhig, allerdings nur äußerlich. Denn im Prinzip ist es wie ein Schlachtfeld, und es gibt unendlich viele Möglichkeiten und Stellungen", erzählt Arthur. Der junge Mann will auf jeden Fall weitermachen, und gibt seine Kenntnisse schon an die Anfänger der fünften Klasse weiter, und wenn sich am Mittwochnachmittag die Schach-AG trifft, ist auch Konrektor Achim Prinz dabei. Auch er freut sich über die Begeisterung der Schüler. "Die ist entscheidend. Die Konzentration, das Stillsitzen kommt dann von allein", ergänzt Lehrer Uwe Linster.

Das gesamte Lehrerkollegium freute sich mit den jungen und älteren Schachfreunden, als der Schulschachbeauftragte des Regierungspräsidiums Tübingen, Bernd Grill, an Rektorin Anette Ebinger die Plakette als "Schach-Schule" übergab, die bundesweit erst 60 Schulen erhalten haben. Seit acht Jahren hat Grill sein Amt inne, und in Pfullendorf übergab er erst die vierte Plakette in Württemberg, auch weil die Anforderungen sehr hoch sind. Die Schülerzahl ist ein wichtiges Kriterium, dass die AG über einen Raum verfügt und selbstredend auch die Erfolge bei Wettbewerben. "Sie haben diese Kriterien absolut erfüllt", bezeichnete er die Schachaktivitäten an der Pfullendorfer Schule als beispielhaft. Wie wichtig das Spiel mittlerweile ist, belegt ein ungeschriebenes Gesetz, wie Rektorin Ebinger verriet: "Zwei Schüler am Schachbrett sind sakrosankt." Das heißt, Schüler die sich den Kopf über die nächsten Züge von Bauer, Läufer oder König machen, können in der Pause im Gebäude bleiben.

Seit vielen Jahren ist Herbert Schmieder Chef des Schachclubs, der eine Abteilung des SC Pfullendorf ist, und er freut sich über das Interesse der jungen Leute. Aktuell spielt die erste Mannschaft sogar in der Verbandsliga, aber es wird ein schweres Unterfangen, die Klasse zu halten. Ein Problem ist, dass viele Schüler im jugendlichen Alter mit dem Schach aufhören oder später studien- und berufsbedingt nicht mehr zur Verfügung stehen. Nach Überzeugung von Schmieder hat Schach den Schülern viel zu bieten, und nennt dabei die Konzentrationsfähigkeit an erster Stelle.

Nach der offiziellen Plakettenübergabe gab es für die Mitglieder der Schach-AG noch etwas Besonderes: Bernd Grill, der in der vierthöchsten Schachliga spielt und bei Simultanturnieren schon Großmeister geschlagen hat, stellte sich an sechs Brettern zum Simultankampf gegen die hoch motivierten Pfullendorfer Schachschüler. Immerhin kann Grill mehrere Erfolge im Simultanschach vorweisen. So besiegte er 2010 den damaligen Weltmeister im Simultanschach, Viswanathan Anand, und er hielt auch der Schülermacht am Staufer-Gymnasium stand.

Schach-AG

Die Arbeitsgemeinschaften finden montags, 13 bis 15 Uhr, dienstags, 13 bis 13.40 Uhr sowie in zwei Gruppen am Mittwoch, 13 bis 14 Uhr statt.

Der Schachclub Pfullendorf profitiert von der Kooperation und nach Angaben von Vereinschef Herbert Schmieder nutzen zehn bis zwölf Schüler die Gelegenheit, beim Training des Clubs freitags um 19 Uhr im Haus Linzgau mitzumachen.