In sechs Tagen ist Weihnachten. Jetzt wird es höchste Zeit, sich noch schnell einen schönen Christbaum zu besorgen – und zwar am besten direkt vor Ort. Wer der Umwelt einen Gefallen tun will und auf einen möglichst frisch geschlagenen Christbaum Wert legt, der achtet darauf, diesen so regional wie möglich zu kaufen. Der SÜDKURIER hat gestern Rolf Villieber besucht, der seine Tannen quasi direkt vor der Haustür im kleinen Ort Neuhaus zwischen Großschönach und Hattenweiler selbst anbaut.

Zweite Generation im Christbaumgeschäft

In der zweiten Generation ist Rolf Villieber im Weihnachtsbaumgeschäft aktiv. „Vor über vierzig Jahren hat mein Vater damit begonnen, Bäume anzupflanzen und zu verkaufen“, verrät er. Vor mehr als zwanzig Jahren ist er in die Fußstapfen des Vaters getreten und betreibt mit dem gleichen Herzblut wie sein Vorgänger den Handel als Nebenerwerb – hauptberuflich führt er ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen. „Es macht Freude zu sehen, wenn Eltern mit ihren Kindern kommen, um gemeinsam den Baum auszusuchen und sich auf das Schmücken freuen“, schildert Villieber.

Gar nicht so einfach, einen sieben Meter hohen Baum zu fällen.
Gar nicht so einfach, einen sieben Meter hohen Baum zu fällen. | Bild: Rolf Viellieber

Seine Bäume kennt er besser als jeder andere, deshalb weiß er genau, wem er die eher

buschige Korktanne oder die edle Silbertanne empfehlen soll. „Am beliebtesten sind nach wie vor die Nordmänner“, sagt Villieberund meint damit die Nordmanntannen, die in der Gunst der Deutschen weit vorne rangieren. Daneben finden sich in Neuhaus auch noch einige Weiß- und Nobilistannen. In der großen Halle von Rolf Villieber duftet es herrlich nach frischen Tannennadeln – vom grünen „Zwerg“ mit rund einem Meter Höhe bis hin zum rund vier Meter hohen Prachtexemplar ist alles vorhanden.

Sieben Meter hohe Tanne aus der Plantage geholt

„Die ganz großen Christbäume gehen meistens an Geschäftsleute“, erläutert der Unternehmer. So hat er etwa eine sieben Meter hohe Tanne an eine Pfullendorfer Firma verkauft. Gar nicht so einfach, das stolze Gewächs aus einer der beiden Plantagen zu holen – mit drei Helfern und dem Traktor gelang es schließlich. Jetzt ziert er das Treppenhaus des Unternehmens.

Der Baum erhält ein Loch im Stamm, um ihn auf dem Ständer schnell fixieren zu können.
Der Baum erhält ein Loch im Stamm, um ihn auf dem Ständer schnell fixieren zu können. | Bild: Stefanie Lorenz

Wenn er die Bäume aus dem Wald geholt hat, werden sie gesäubert, bevor der Bohrer seine Arbeit tut. Um nämlich die vielen Stämme in der Halle schnell in die Ständer zu bringen, wird ein Loch hineingebohrt, mit dem in einemspeziellen Halterungssystem der Baum ruck zuck aufgestellt werden kann. Vor einiger Zeit hat Rolf Villieber den Kurs in Richtung biologischen Anbau eingeschlagen. „Ich verzichte auf Dünger und Spritzmittel„, betont er. Gerade in großen Christbaumplantagen würden oft Herbizide eingesetzt, um schnell Unkraut zu vernichten. Das ist in Neuhaus anders: Hier wird das Gras, das zwischen den Bäumen wächst, immer wieder abgemäht, so dass keine Spritzmittel benötigt werden .

Damit der Baum transportiert werden kann, wird er von Rolf Villieber ins Netz gepackt.
Damit der Baum transportiert werden kann, wird er von Rolf Villieber ins Netz gepackt. | Bild: Stefanie Lorenz

„Das Mähen ist wichtig, damit das Gras den Bäumen nicht die Nährstoffe und das Licht nimmt und weil hohes Gras ein Nährboden sein kann für Pilze, die dann auch die Nadeln befallen würden“, erläutert der Unternehmer. Zur Pflege gehört auch, kranke Bäume zu entfernen. Den Borkenkäfer brauchen die Christbäume, die in der Regel im Alter zwischen acht und zwölf Jahren geschlagen werden, nicht zu fürchten. Vielmehr gelte es, andere Schädlinge, wie etwa die Tannentrieblaus, zu dezimieren.

Bis Weihnachten alle Hände voll zu tun

Das Hauptgeschäft beginnt rund zwei bis drei Wochen vor dem ersten Advent. „Viele kaufen dann Tannenwedel zum Basteln, Schmücken und Abdecken“, sagt er. Ist der Advent erst angebrochen, werden die ersten Christbäume verkauft; Hoch-Zeit ist in der Woche vor dem Heiligen Abend. Deshalb hat Rolf Villieber in den nächsten Tagen alle Hände voll zu tun, bevor er schließlich auch noch seinen eigenen Christbaum schmücken kann.

„Baum aus heimischen Wäldern kaufen“

Jürgen Seyfried ist Forstbeamter und Umweltbeauftragter der Stadt Pfullendorf. Wir haben uns mit ihm über einige Aspiekte des Themas „Christbaum“ unterhalten.

  1. Das Angebot: Jürgen Seyfried freut sich, dass es einige regionale Anbieter rund um Pfullendorf gibt. „Am besten den Baum aus heimischen Wäldern kaufen“, sagt er. Die Stadt selbst bietet keinen Christbaumverkauf an. „Das ist eine Spezialbranche und wir wollen auch dem freien Markt keine Konkurrenz machen“, erläutert er. Die Anlage einer Christbaumkultur sei in Baden-Württemberg genehmigungspflichtig.
  2. Zur Alternative „Plastikbaum“: „Die Herstellung und das Recyceln von Plastikbäumen verursacht eine sechzehn mal höhere Co-2-Freisetzung“, betont Jürgen Seyfried. Damit tue man der Natur nicht wirklich etwas Gutes, so sein Plädoyer für den natürlichen Baum. Der Christbaum habe einen hohen Symbolcharakter. „Er steht als grüne Pflanze in der dunklen Jahreszeit für Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit“, so Seyfried.
  3. Zur Christbaumgesundheit: In einigen Teilen Deutschlands habe sich die Fichte durch die Klimaerwärmung bereits verabschiedet. Dies sei vor allem in tieferen Lagen der Fall. In Pfullendorf mit seinen 600 bis 700 Höhenmetern und entsprechenden Niederschlägen werde diese Baumart wohl noch einige Jahrzehnte vor sich haben, obwohl man nicht sagen könne, wie es weitergeht, meint Seyfried. In den Wäldern findet man auch Weißtannen. Die Nordmanntanne werde gezielt in Christbaumkulturen angebaut.
  4. Geht gar nicht: Mit der Säge in den Wald schleichen und sich selbst einen Christbaum besorgen, da versteht die Stadt Pfullendorf keinen Spaß. Wer sowas macht, müsse mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen, sagt der Umweltbeauftragte. Er habe allerdings schon lange nicht mehr gehört, dass jemand so etwas in Pfullendorf getan habe. (slo)