Hohe Preise bei Zwangsversteigerung

Mehr als 70 Interessierte zwängten sich in den historischen Ratssaal. Grund war die Zwangsversteigerung des „Löwen-Areals“ in Denkingen. Mit dabei waren auch Bauamtsleiter Josef Waldschütz und Ortsvorsteher Karl Abt. Die Stadt hätte gerne das Gelände in der Ortsmitte mit seinen 5600 Quadratmetern gekauft, auch, im rückwärtigen Bereich weitere Bauplätze ausweisen zu können. Das bestehende Gebäude hätte man abgerissen, um auch an diesem Standort Platz für einen Neubau zu schaffen. Allein, die Kommune kam nicht zum Zuge, weil ein auswärtiger Bieter, eine Bauträgergesellschaft, nach Angaben von Karl Abt mit 295 000 Euro einen exorbitant hohen Preis bezahlte, bei dem weder die Stadt noch andere Interessenten mithalten konnten. Hätte die Kommune das Areal für diese Summe gekauft, wären noch weitere Kosten wie der Abriss des „Löwen“ hinzugekommen, so dass man später einen Bauplatzpreis von mehr als 100 Euro je Quadratmeter hätte verlangen müssen. Aktuell zahlen Bauherren in Denkingen rund 69 Euro je Quadratmeter.

Das gesamte „Löwen“-Areal in Denkingen wurde bei einem Zwangsversteigerungstermin verkauft, wobei die Gebote für die Flächen nach Angaben von Teilnehmern extrem hoch waren. Bilder: Siegfried Volk
Das gesamte „Löwen“-Areal in Denkingen wurde bei einem Zwangsversteigerungstermin verkauft, wobei die Gebote für die Flächen nach Angaben von Teilnehmern extrem hoch waren. | Bild: Volk, Siegfried

Kleine Waldfläche kostet viel Geld

Unter den Hammer kamen zusätzlich sieben bis acht Hektar an Acker- und Wiesenflächen sowie eine Waldfläche von 7500 Quadratmeter. Etliche Landwirte aus Denkingen und der Region waren entschlossen, bei diesen Flächen mitzubieten, mussten aber erkennen, dass sie nicht mithalten konnten. So legte auch hier ein auswärtiger Bieter nach Angaben des Denkinger Ortsvorstehers für die kleine Waldfläche sagenhafte 47 000 Euro auf den Tisch.

„Vorkaufsrecht wird überschätzt“

Zwar haben Kommunen bei Grundstücksverkäufen ein so genanntes Vorkaufsrecht, was nach Angaben von Werner Müller, Bürgermeister von Wald, in seiner Bedeutung allerdings überschätzt wird. Der Notar informiert die Gemeinde, dass beispielsweise ein Grundstück für einen bestimmten Betrag verkauft wurde und nun muss die Kommune entscheiden, ob sie bereit ist, diesen ausgehandelten Preis zu zahlen, um die Fläche zu bekommen. Nach Angaben von Müller nutzen Gemeinden das Vorkaufsrecht des Öfteren, um entlang von Gewässern einen Randstreifen zu erwerben. Auf die SÜDKURIER-Frage, ob man in der Gemeinde Wald bei Bauplatzvergabe einheimische Bewerber bevorzuge, antwortet der Rathauschef mit Nein. Bislang gebe es kein Problem bei der Vergabe, wobei sich in den vergangenen Jahren zwischen heimischen und auswärtigen Bauinteressenten ein 50:50-Verhältnis eingependelt habe.

Herdwangen-Schönach hat Entscheidungsmatrix

In Herdwangen-Schönach hat der Gemeinderat, angesichts großer Nachfrage und geringem Angebot, schon vor einigen Jahren eine Entscheidungsmatrix beziehungsweise ein Punktesystem erarbeitet, erklärt Bürgermeister Ralph Gerster. Bewertet werden unter anderem der örtliche Bezug des Interessenten, Zahl der Kinder, Tätigkeit in einem Verein oder, ob der Bewerber seinen Arbeitsplatz in der Kommune hat. Für all diese Kriterien gibt es Punkte, die letztlich über den Zuschlag für einen Bauplatz entscheiden.