In das Waldbad in Pfullendorf strömten am Donnerstagmittag besonders viele Kinder. Selbst einem Unwissenden wäre sofort klar gewesen, dass Schulferien sein müssen. „Das merken wir schon ganz deutlich“, sagt Bademeister Markus Eggerl. Verschränkte Arme, Sonnenbrille und strenger Blick. So wie man sich einen Bademeister vorstellt, steht Eggerl am Rande des Areals, wo er das Geschehen permanent verfolgt.

In der Schulzeit kämen die Kinder gar nicht mehr dazu, das Freibad aufzusuchen. „Wann sollen die es dann auch machen?“, fragt Eggerl. „Durch die Ganztagsschulen geht das gar nicht mehr.“ Eggerl selbst hat als Kind und Jugendlicher nur Fußball gespielt. „Heute spielen alle zusätzlich noch ein Instrument und engagieren sich in Organisationen, da bleibt keine Freizeit mehr.“ Vor einigen Jahren sei es noch üblich gewesen, dass man sich bei Temperaturen wie aktuell im Freibad treffe. „Damals, als es noch hitzefrei gab“, schmunzelt Eggerl.

Vom Fünf-Meter-Turm aus eröffnet sich ein Blick über das gesamte Waldbad-Areal. Neben dem Sprungturm zählt auch die im Bild zu sehende Kletterwand zu den Hauptattraktionen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
Vom Fünf-Meter-Turm aus eröffnet sich ein Blick über das gesamte Waldbad-Areal. Neben dem Sprungturm zählt auch die im Bild zu sehende Kletterwand zu den Hauptattraktionen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. | Bild: Heuser, Christoph

Fachkräftemangel im Bäderbetrieb

In den vergangenen Tagen waren bis zu 1 200 Besucher täglich im Waldbad und nie weniger als 1 000. Die hohen Besucherzahlen freuen Markus Eggerl naturgemäß, doch bedeuten sie gleichzeitig mehr Stress. Auch, weil im Frühjahr eine Kollegin das Handtuch warf, für die noch immer keine Nachfolge gefunden wurde. „Es ist ganz schwierig, Fachkräfte in unserem Bereich zu finden“, sagt der Bademeister, „die Arbeit an den Wochenenden und an Feiertagen ist nun mal nicht besonders attraktiv“. Deutschlandweit würden rund 2 500 Bademeister fehlen. „Ich erfuhr im April, dass die Kollegin geht, da findet man niemanden mehr“, sagt Eggerl, „wer sich wirklich örtlich verändern möchte, schaut bereits im Winter nach Stellen“.

Das Wetter hingegen könnte für das Waldbad fast nicht besser sein. Seit der Öffnung des Bades am 18. Mai war lediglich ein Tag verregnet. Ansonsten war es immer trocken und sonnig bei Temperaturen von 20 Grad und mehr. „Das ist schon extrem in diesem Jahr“, weiß Eggerl. „Wenn die Hitze über so einen langen Zeitraum anhält, werden die Leute irgendwann auch badefaul, wie ich es nenne.“ Eine so lang anhaltende warme Phase, insbesondere verbunden mit Trockenheit, habe er in den vergangenen zehn Jahren nicht erlebt.

Es sein kein Problem, mal ein oder zwei Tage am Stück ins Freibad zu gehen. Allerdings müsse dann die Arbeit erledigt werden, die sich über den Zeitraum angestaut hat. Und: Manche Menschen seien schlicht und ergreifend satt vom Sonnenbaden, wenn das gute Wetter schon all zu selbstverständlich geworden ist. „Die ideale Witterung für uns wäre es, wenn wir abwechselnd zwei Wochen klaren Himmel mit Sonnenschein haben und anschließend eine Woche lang Regen.“

Markus Eggerl bezeichnet sich selbst als „Freibadkind“. Bei jeder Gelegenheit traf er sich mit seinen Freunden dort. Es mag ein Grund dafür sein, dass später die entsprechende Berufswahl folgte. Die Zeiten haben sich geändert. Doch die Lust auf Freibad ist geblieben.

Ordnung muss sein: Bei über 1000 Besuchern ist die Überwachung nicht einfach.
Ordnung muss sein: Bei über 1000 Besuchern ist die Überwachung nicht einfach. | Bild: Heuser, Christoph

Darauf ist beim Sonnenbaden zu achten

Als Bademeister im Pfullendorfer Waldbad hat Markus Eggerl einige Tipps auf Lager für all diejenigen, welche die Sonne wirklich genießen wollen. Denn bei Missachtung kann man sich selbst sehr viel Schaden zufügen:

  1. Sonnencreme: Wichtiger als alles andere ist beim Sonnenbaden ein ausreichender UV-Schutz durch Sonnencreme. „Täglich sehe ich, dass sich Menschen in die pralle Sonne setzen und dann erst eincremen“, sagt Markus Eggerl und warnt davor: „Man muss immer daran denken, dass der Schutz erst nach 15 bis 20 Minuten wirkt.“
  2. Abkühlen: Früher sei man davon ausgegangen, dass ein Sonnenstich durch UV-Strahlung ausgelöst wird. Heute weiß man, dass es die Reaktion des Körpers auf eigene Überhitzung ist. Deswegen ist eine regelmäßige Abkühlung im Wasser absolut empfehlenswert. „Anschließend aber bitte wieder Sonnencreme auftragen“, sagt Markus Eggerl.
  3. Ernährung: Die Hitze macht dem Körper ohnehin schon schwer zu schaffen. Aus diesem Grund sollte man ihn nicht noch zusätzlich belasten. „Ich schwöre bei dieser Witterung auf leichte Kost, etwa mediterranes Essen“, rät Eggerl. „Man muss nicht auf das Schnitzel mit Pommes verzichten, sollte es sich aber aufsparen für den Abend, nach dem Sonnenbaden.“
  4. Flüssigkeit: Eigentlich bedarf es keiner gesonderten Erwähnung. Jeder sollte wissen, dass es für den Körper bei großer Hitze umso wichtiger ist, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen. „Viel Wasser ist das A und O“, weiß der Bademeister, der selbst vier bis fünf Liter über den Tag verteilt trinkt.
  5. Dosis: Wer eine empfindliche Haut hat, sollte der Verlockung des Sonnenbads gelegentlich auch mal widerstehen und nicht zu lange in der Sonne bleiben. „Sonnenstrahlung ist schädlich“, warnt Eggerl, „wenn man sich nicht schützt und es übertreibt“. (che)