Der Pfullendorfer Gemeinderat war sich während seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag einig: Neben den bereits bestehenden drei Windrädern, die nahe des Weilers Hilpensberg stehen, sollen keine weiteren gebaut werden. Beim Landratsamt in Sigmaringen hat das Unternehmen Abo-Wind den Bau von weiteren vier Windrädern beantragt. Über eine Genehmigung des geplanten Baus ist noch nicht entschieden – siehe untenstehenden Kastentext.

Trotz der in Teilen sehr massiven Kritik, die Pfullendorfs Bürgermeister an den bisherigen Planungen und gutachterlichen Untersuchungen für die weiteren Windräder vor dem Gemeinderat äußerte, wird Abo-Wind an seinen Planungen festhalten, wie Daniel Duben, Sprecher von Abo-Wind, am Montag auf Anfrage des SÜDKURIER versicherte. Bürgermeister Thomas Kugler hatte vor dem Gemeinderat darauf hingewiesen, dass die ablehnende Stellungnahme mit der Gemeinde Heiligenberg abgestimmt sei. Der dortige Gemeinderat werde Mitte Oktober eine ähnlich lautende Stellungnahme verabschieden. Aufgrund der Ergebnisse der artenschutzrechtlichen Untersuchungen habe die Verwaltung erhebliche Zweifel an einer rechtssicheren Genehmigung, heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

Die Fläche, auf der die vier weiteren Windräder gebaut werden sollen, gehört dem Spitalfonds Überlingen und tangiert sowohl die Stadt Pfullendorf als auch die Gemeinde Heiligenberg. Hier nun die Pfullendorfer Argumente gegen die neuen Windräder und die Stellungnahmen von Abo-Wind dazu:

Die strittigen Punkte

  • Rotmilan-Vorkommen: Aus Sicht der Stadt Pfullendorf gibt es sehr wohl Horste der Greifvögel im entscheidenden Radius von einem Kilometer um die geplanten Windräder. Es seien regelmäßig Überflüge der westlichen Waldränder bei Hilpensberg beobachtet worden. Damit gebe es einen starken Brutverdacht. Kugler stützt sich dabei auf gutachterliche Aussagen des Überlinger Büros Senner. Die Stadt hatte diese Expertise in Auftrag gegeben. Abo-Wind sagt dazu: „Natürlich gibt es im weiteren Umfeld des geplanten Windparks Rotmilane und auch Horste von Rotmilanen. Allerdings – und das ist der entscheidende Punkt – liegt keiner dieser besetzten Horste im Umkreis von 1000 Metern um unsere geplanten Anlagen. Das haben sowohl die von uns in Auftrag gegebenen ausführlichen (Untersuchungszeitraum: ein Jahr) Kartierungen gemäß der Vorgaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) im vergangenen Jahr als auch unsere freiwillige Revierkartierung in diesem Jahr ergeben.“ Abo-Wind habe über ein Jahr lang entsprechend der Richtlinien der Genehmigungsbehörde ausführliche Kartierungen anfertigen lassen. „Aus unseren Untersuchungen ist ersichtlich, dass im Umkreis von 1000 Metern um unsere Anlagen keine besetzten Rotmilan-Horste existieren.“
  • Zugvögel: Nach Auffassung der Stadt Pfullendorf ist die Beurteilung, ob die neuen Windräder in einem Überfluggebiet von Zugvögeln liegen, falsch. In breiter Front würden Zugvögel über das Planungsgebiet fliegen und damit gehe ein hohes Tötungsrisiko einher. Abo-Wind sagt dazu: „Zugvögel ziehen in der Tat breitflächig über das Planungsgebiet. Das geht auch aus dem von uns in Auftrag gegebenen naturschutzrechtlichen Gutachten hervor. Der breitflächige Überflug unterliegt starken temporären und räumlichen Schwankungen und ist deshalb aus naturschutzrechtlicher Sicht unproblematisch. Ein sogenannter Verdichtungsraum, das heißt, eine enge Schneise durch die Zugvögel zwangsläufig fliegen müssen, liegt über dem beplanten Gebiet gerade nicht vor. Das wäre problematisch. Ein breitflächiger Überflug ist es nicht.“
  • Lärm und Schattenwurf: „Die Lärmbelastung der drei bestehenden Anlagen wird durch die betroffenen Anwohner bereits als untragbar angesehen. Wenn nun vier weitere Anlagen hinzukommen, scheint die Toleranzgrenze überschritten“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Abo-Wind teilt dazu mit: „Zu beiden Punkten haben wir Gutachten nach dem derzeit aktuellen technischen Standard vorgelegt. Keines davon spricht gegen eine Genehmigung des Windparks. Der Windpark hält alle Lärm-Grenzwerte ein. Dazu wurde auch die additive Wirkung der Vorbelastung durch die Bestandsanlagen berücksichtigt.“ Auch was den Schattenwurf anlangt, würden alle Grenzwerte eingehalten. „Das garantiert ein sogenanntes Schattenmodul in den Anlagen. Dieses stellt sicher, dass kein Haus mehr als 30 Minuten am Tag und 30 Stunden im Jahr im Schatten liegt. Sollte diese Grenze erreicht sein, wird die Anlage bei Sonnenschein automatisch abgeschaltet. Das Gutachten zum Schattenwurf geht von der maximal möglichen Schattenbelastung bei durchweg blauem Himmel und überhaupt keiner Bewölkung im gesamten Jahr aus. Sehr wahrscheinlich wird das Schattenmodul überhaupt nicht zum Einsatz kommen, da die Grenzwerte in der Realität nicht erreicht werden.“ Zum Thema Schattenwurf verweist die Stadt auf mehrfache Äußerungen über Belästigungen.

Denkingens Ortsvorsteher Karl Abt begrüßte im Rahmen der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats ausdrücklich die ablehnende Stellungnahme der Stadt. Er kritisierte in diesem Zusammenhang aber auch das vom Land vorgegebene Planungsrecht. Abt wies auf Klagen von Anwohnern wegen des Lärms und des Schattenwurfs durch die bereits bestehenden drei Windräder hin. Und auch um Streitigkeiten unter den Anwohnern zu verhindern, sei es sinnvoll, die weiteren geplanten vier Windräder zu verhindern. Nach seinem Eindruck gebe es wegen der Windräder jetzt schon eine Spaltung quer durch den Ort.