Eine besondere Fahrt absolvierte ein vierköpfiger Erkundungstrupp der Pfadfinder "Schwarzer Panter", berichtet Leiter Felix Hug. 15 Stunden waren er, Vincent Wildbrett, Manuel Schönfeld und Martin Braun nach Peciu Nou in Rumänien unterwegs, um einen Zeltplatz für das Sommercamp zu finden und womöglich eine Hilfsaktion für das Caritaskinderheim "St. Nikolaus" zu initiieren. Nach der Ankunft in Peciu Nou, das in der Nähe der Stadt Temeswar liegt, gab es zunächst, für rumänische Verhältnisse, ein luxuriöses Abendessen. "Die Heimleitung wollte uns einfach nur ein besonderes Essen servieren, da sie von dem Gedanken, eine Hilfsaktion zu starten und das Dasein der Pfullendorfer Pfadfinder sehr beeindruckt waren", erzählt Hug, der die "Schwarzen Panter" gründete. Obwohl es schon Mitternacht war, und man die abenteuerliche Autofahrt hinter sich hatte, wurde schon über Standorte für den Zeltplatz diskutiert. Die Heimleiter Anni und Rados Miron sprechen sehr gut deutsch, und so wurden die Pläne detailliert besprochen. Zur Überraschung der Besucher aus Pfullendorf war auch Rudi Löffelsend vor Ort. Löffelsend war bis vor kurzem Hauptverantwortlicher bei der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen, bevor er in den Ruhestand ging. Die Pfadfinder hatten damit einen kompetenten Ansprechpartner in Bezug auf Kinderheime und Straßenkinder in Rumänien.

"Viele Kinder in Rumänien sind schlichtweg vergessene Kinder", berichtet Felix Hug, dass viele tausend Mädchen und Jungen auf der Straße leben, wenn man ihr Dasein überhaupt als Leben bezeichnen könne. Das Problem ist nach seinen Angaben nicht, dass diese Kinder keine Eltern haben, sondern dass Väter und Mütter im Ausland sind und die Kinder nicht mehr gewollt seien. "Also sind sie, so hart es sich anhört, überflüssig. Sie sind vergessen", bringt es Hug auf den Punkt. Mit seinen drei Pfadfinderkollegen besuchte er in Peciu Nou ein Kinderheim, in dem 22 Kinder, Waisen und Sozialwaisen zwischen sechs und 17 Jahren in kleinen Gruppen in mehreren kleinen Häusern leben, wo die Heimleiter dann Mama und Papa ersetzen. Die Besucher aus Deutschland hatten ein paar Kleinigkeiten mitgebracht und die Kinder suchten dabei schnell den Kontakt zu Pfadis.

Tags darauf ging es nach dem Frühstück gleich an die detaillierten Planungen, wie die Pfullendorfer das Kinderheim unterstützen könnten. Gemeinsam mit Anni, Rados und Sohn Rudi Miron diskutierte man die Möglichkeiten durch, und schnell war klar, dass Kleiderspenden wenig Sinn machen würden, da diese Unterstützung nicht langfristig wäre. "Wir wollen mehr in Richtung pädagogische Unterstützung gehen, ewas, was langfristig Bestand hat", erzählt Felix Hug, dass man der Heimleitung den Bau eines Outdoorspielplatzes vorschlug. Ein Piratenschiff aus Holz, zum Klettern und Verstecken, das als gleichzeitig als Schattenspender dienen könnte, und dazu noch eine schöne Schaukel. Die Heimleitung war von dieser Idee sehr begeistert und auch sehr berührt.

Der Spielplatz des Kinderheims. <em>Bild: Felix Hug</em>
Der Spielplatz des Kinderheims. Bild: Felix Hug | Bild: Felix Hug

"Die Rumänienfahrt hat uns sehr bewegt", berichtet Felix Hug. "Was Anni, die Heimleiterin des Kinderheimes, für wildfremde Kinder tut, ist Wahnsinn, und das, obwohl sie selbst nicht viel hat. Wenn es mehr solche Menschen in Rumänien gäbe", hat ihn die Heimleiterfamilie Miron besonders beeindruckt. Auch, weil die Lebensumstände in dem osteuropäischen Land sehr schwierig sind. Die meisten Leute auf dem Land bauen in ihrem Garten viel Gemüse an, weil die Kosten für Lebensmittel im Prinzip westeuropäisches Niveau haben, während der durchschnittliche Monatsverdienst bei 400 Euro liegt. "Das Schicksal der Kinder, und auch der älteren Bewohner, ging uns nicht aus dem Kopf", ist Hug bewusst, dass eine Unterstützung für das Kinderheim, wie ein "Tropfen auf den berühmten heißen Stein ist." Aber jegliche Hilfe beginne klein, und die Kinder sind über jede Art von Unterstützung dankbar. "Wenn man nur einem Kind ein wenig helfen kann, sollte man dies tun", fasst Felix Hug das Empfinden der vier Pfadfinderscouts zusammen. Man werde das Thema auf Leiterebene im Stamm ausgiebig diskutieren und auch entscheiden, ob das Sommerlager in Rumänien bei dem Kinderheim stattfinden soll. "Die Heimleitung und die Kinder würden sich sehr freuen", sprechen sich die Leiter der Pfadfinder für eine Unterstützungsaktion aus. "Da müssen wir als Pfadfinder was tun, um die Kinder in dem Kinderheim zu unterstützen", sind Hug und die Schwarzen Panter zur Hilfe entschlossen.

Kinderheim

In den ersten Monaten des Jahres 1990 wurden große Mengen an Hilfen nach Rumänien gebracht, um die dortigen Kinderheime besser auszustatten. Sehr schnell wuchs die Erkenntnis, dass dies nicht reicht, sondern auch das Personal qualifiziert werden muss. Daraus entstand eine Fachschule für Heim- und Heilpädagogik in Temeswar, aber auch der Wille, ein sogenanntes Modellkinderheim zu eröffnen. 1990 fanden die Mitarbeiter der Caritas im Bistum Essen ein großes, leerstehendes Pfarrhaus in Peciu Nou. Mit Hilfe der Landesregierung Nordrhein-Westfalens wurden insgesamt fünf Häuser in Peciu Nou zu diesem Zweck komplett renoviert und eingerichtet. Heute werden insgesamt 22 Kinder hier betreut.