Noch bis Jahresende haben Kommunen die Möglichkeit, unter erleichterten Bedingungen neue Baugebiete auszuweisen, sofern sie weniger als ein Hektar groß sind und an eine bestehende Bebauung angrenzen. Ermöglicht wird dies durch Paragraf 13b, den die Bundesregierung angesichts der Wohnungsknappheit erlassen hat, der aktuell aber nur bis zum 31. Dezember 2019 gilt. Das heißt, bis zum Jahresende müssen die Bebauungspläne beschlossen sein. Diese Chance will sich auch Pfullendorf nicht entgehen lassen, und so präsentierte Bauamtsleiterin Nadine Rade in der jüngssten Gemeinderatssitzung gleich mehrere Bebauungsplanverfahren, darunter „Langgassen Süd“, wo 4000 Quadratmeter am Ortsende ausgewiesen werden sollen, und Platz für vier bis fünf Bauplätze geschaffen werden. Die Infrastruktur verkraftet die zusätzlichen Einwohner problemlos, zumal vor einigen Jahren die Abwasserbeseitigung neu geregelt und der Teilort an die Sammelkläranlage angeschlossen wurde.

Platz für heimische Familien

Eine enorme Nachfrage nach Bauplätzen gibt es im zweitgrößten Teilort, in Aach-Linz, wie Amtsleiterin Rade erklärte. Im aktuellen Baugebiet „Birkenösch“ ist nur noch ein Platz verfügbar und für das geplante Areal „Alpenblick“ gibt es schon 46 Bewerber. Deshalb hat man sich entschlossen, das zusätzliche Baugebiet „Hintere Bergstraße“ mit 1,3 Hektar auszuweisen. In der Gemeinderatssitzung ergänzte Rade, dass man kurzfristig noch eine weitere Fläche integriert habe, sodass sich das Plangebiet auf 1,5 Hektar vergrößert.

„Kein Flickenteppich“

Etwa ein Dutzend Aach-Linzer verfolgten als Zuhörer die Ratssitzung, und an ihre Adresse gerichtet, versicherte Bürgermeister Thomas Kugler mehrfach, dass bezüglich des geplanten Baugebietes noch nichts entschieden sei, und man das Gespräch mit den Bürgern suche wird. Klare Vorstellungen hat der Rathauschef bezüglich der künftigen Bebauung, wo man keinen „Flickenteppich“ wolle, und sich Gebäude mit Baulücken abwechseln. Diese Themen werde man im Gespräch mit dem Ortschaftsrat diskutieren. Auch Edgar Lang, FW-Stadtrat und Ortsvorsteher von Aach-Linz, wies auf die Chance des Paragrafen 13b hin, die man nutzen wolle, aber nicht gegen die Grundstückseigentümer. Es gebe in Aach-Linz viele bauwillige junge Familien, ergänzte Lang. Sein Aach-Linzer CDU-Ratskollege Edgar Benkler bestätigte, dass es viele heimische Interessenten gebe, aber man wolle das Gebiet „nicht mit aller Gewalt füllen.“

„Nur wenige Ortsfremde“

Thomas Aberle (UL) fragte in Richtung Verwaltung bezüglich der vielen Bauinteressenten nach. „Für Einheimische Ja oder Menschen, die in Pfullendorf einen Arbeitsplatz haben“, benannte Aberle seine Position. „Wir sammeln noch“, gab es von Bürgermeister Thomas Kugler keine konkrete Auskunft für Aach-Linz, aber er berichtete von den Erfahrungswerten vom Baugebiet „Oberer Bussen“, wo in den beiden Bauabschnitten insgesamt 80 Plätze erschlossen wurden. Rund 60 Prozent davon wurden von Pfullendorfern erworben, der Rest von Neubürgern, die ihren Arbeitsplatz in der Kommune haben und nach Angaben von Kugler nur ein verschwindend kleiner Anteil von total Ortsfremden. Für den Rathauschef dient die Ausweisung der Baugebiete deshalb fast ausschließlich zur Deckung des örtlichen Bedarfs.