Es gibt Menschen, die können einfach nicht auf die Fasnet verzichten. So einer ist auch Wolfgang Utz. Für den Stuckateurmeister aus Aach-Linz war es undenkbar, dass er einmal nicht da sein würde, wenn die Narren los sind. Die Betonung liegt auf „war“. Denn dieses Jahr wurde er vermisst. Wenn man seine Frau fragte, wo der Fasnetsnarr denn sei, so kam die prompte Antwort „Afrika“.

Green Olive fördert Ausbildung

Utz hat dort viele neue Erfahrungen gemacht und ist fest entschlossen, noch einmal nach Kenia zu fahren. Dort war er in der Vergangenheit zwar schon als Tourist, aber nun ging es zu einem Hilfsprojekt, mit dem der Verein Green Olive die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen fördert. Stellvertretender Vorsitzender ist Franz Seehuber aus Überlingen. Und der ist ein alter Freund von Wolfgang Utz.

Diesmal hatte Wolfgang Utz nur neue Bälle mitgebracht. Beim nächsten Besuch will er eine Idee im Gepäck haben, wie man das Basketballfeld sanieren kann.
Diesmal hatte Wolfgang Utz nur neue Bälle mitgebracht. Beim nächsten Besuch will er eine Idee im Gepäck haben, wie man das Basketballfeld sanieren kann. | Bild: privat

„Das war echt mitten im Busch“, sagt der Handwerksmeister und erzählt von einer Straße, auf der er drei Stunden von Mombasa in Richtung Niemandsland gefahren wurde. „Da gibt es außer Natur nichts zu sehen und du denkst, dass da was nicht stimmen kann“, erläutert der Mann aus Aach-Linz. Doch dann tauchte plötzlich das Schild auf, mit dem das Ziel markiert war: „Green Olive High School“. Dort wurde er von Schulleiter Thomas Kidada begrüßt. Dann wurden ihm die ganze Schule gezeigt und die Schüler vorgestellt.

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„Ich wollte nicht der Pausenclown sein, sondern mich zwischen den Menschen bewegen“, sagt Utz und da leuchten in seinen Augen viele Erinnerungen auf. Und durchaus auch ungewöhnliche. So wie die an den Sicherheitsdienst, der von der Regierung vorgeschrieben ist. Die Männer heißen Askaris und passen genau auf, dass kein Unbefugter auf das weitläufige Gelände kommt. Dort wohnen die Internatsschüler, die 14 bis 20 Jahre alt sind. 150 sind es derzeit und 60 davon sind Mädchen.

Verschiedene Religionen

Die Schlafhäuser, die Toiletten und die Waschräume sind streng getrennt. „Es gab noch nie Probleme“, sagt Seehuber. In der Schule wird auch über Familienplanung gesprochen. Utz: „Die Mädchen sollen nicht mit 14 Jahren schon Kinder haben, sondern eine Schulbildung bekommen.“ Unter den Schülern gibt es sowohl Christen als auch Muslime. „Es dürfen aber keine Fanatiker an die Schule, egal, welchen Glauben sie haben.“ Auf Disziplin und Sauberkeit wird sehr viel Wert gelegt. „Da liegt echt nirgends was rum. Das war ich schon erstaunt“, sagt Utz.

Ordentlich gekleidet sitzen die jungen Leute im Unterricht.
Ordentlich gekleidet sitzen die jungen Leute im Unterricht. | Bild: privat

In den riesigen Schlafsälen stehen Stockbetten. Unter jedem Bett gibt es eine abschließbare Box aus Stahl, wo die Schüler ihre private Kleidung und private Dinge drin haben. Im Schulalltag wird eine Unform getragen. Wolfgang Utz war schon sehr erstaunt, als er festgestellt hat, dass die jungen Leute stolz auf die Uniform sind. Ob das in Pfullendorf auch so wäre, das bezweifelt er.

Beeindruckt war er vom Schullabor

Die jungen Leute seien hoch motiviert, etwas zu lernen. Und an der Green Olive High School scheint das auch möglich zu sein. Immer wieder gibt es Auszeichnungen von der Distriktregierung. Utz: „Das sind dann schöne Pokale. Und da wo ich war, da stehen schon eine ganze Menge im Regal.“ Beeindruckt war der Stuckateurmeister auch vom Schullabor, wo viel für naturwissenschaftliche Fächer gearbeitet wird.

Im Schlafsaal gibt es keine Schränke. Jeder hat seine Sachen in einer Metallkiste unter dem Bett.
Im Schlafsaal gibt es keine Schränke. Jeder hat seine Sachen in einer Metallkiste unter dem Bett. | Bild: privat

Ohne gute Ausbildung hat man in Kenia nur wenig Chancen auf eine gute Zukunft. „Wir wollen den Leuten helfen, dass sie ihr Land selbst bewirtschaften können. Wir dürfen uns da nicht als Kolonialherren aufführen, wie das leider immer noch geschieht“, erklärt Franz Seehuber die Zielrichtung. Der 71-Jährige ist überzeugt, dass sein Verein eine wichtige Arbeit leistet und Menschen wie Wolfgang Utz gute Multiplikatoren sind. „Wir haben Afrika viele Jahre total vergessen und jetzt wundern wir uns, dass die Menschen nach Europa wollen“, sagt der kritisch.

Verein finanziert Lehrergehälter

Die deutsche Entwicklungshilfe beteilige sich nicht an Projekten wie der Schule im Busch. Und weil es sich um eine Sekundarschule handelt, gibt es auch kein Geld vom kenianischen Staat. Die jungen Leute müssen nur ein niedriges Schulgeld zahlen, der Rest, so auch die Gehälter der 13 Lehrer, wird vom Verein finanziert. Von deutschen Unterstützern wurde ein in Deutschland gebauter Solarkomplex gespendet. Die Anlage versorgt das ganze Gelände mit Strom.

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Franz Seehuber bekommt jede Woche einen Bericht, was in der Schule gerade läuft. Dafür sorgen Ruth (30) und Thomas (29), die für die Deutschlandkontakte zuständig sind. „Wenn es Probleme gibt, dann werden wir sofort informiert“, macht Seehuber deutlich.

„Ich will da unbedingt noch mal hin“, sagt Wolfgang Utz. Ein Wellness-Urlaub wäre nichts für ihn. Er muss unter Menschen sein. „Wir müssen die Menschen auf gleicher Ebene behandeln“, lautet seine Forderung. Derzeit tüftelt er an einem Plan, wie man das Basketballfeld der Schule instand setzen könnte. Er will sich da stark engagieren. Neue Bälle hat er bei seinem jetzigen Besuch schon mal mitgebracht.