Die Stadt Pfullendorf erlebte am Wochenende einen Mittelaltermarkt mit viel Flair, auf dem ein buntes Völkchen für eine außergewöhnliche Stimmung sorgte. Wer sich in den Stadtgarten begab, fühlte sich in eine Mischung aus „Herr der Ringe„, „Games of Thrones“ und „Fluch der Karibik„ versetzt. Unter den Bäumen und zwischen den Blumenrabatten waren Lager und Stände errichtet, es roch nach Feuer, der Getränkestand war einem Wikingerschiff nachempfunden, auf den Theken brannten Öllämpchen. Metbier wurde nicht in Plastikbechern, sondern in Tonkrügen ausgeschenkt. Bei Hauke wurde nicht mit dem Luftgewehr auf Plastikrosen geschossen, sondern mit Pfeil und Bogen auf Stroh-Räder. Die Klänge von Schalmeien, Sackpfeifen, Drehleier und Lauten erfüllten die Luft.

Die „Füchse“ singen im Stadtgarten von Spelunken und Weibsbildern.
Die „Füchse“ singen im Stadtgarten von Spelunken und Weibsbildern. | Bild: Johanson, Kirsten

Die „Füchse“ bewiesen fröhlich-frech, dass sie als Spielmänner mit Minnesang soviel zu tun haben wie die Toten Hosen mit den Wiener Sängerknaben. Bunte Tücher, Lederwaren, Schmuck, Traumfänger, Edelsteine, Schaffelle, Schurwolldecken und Fruchtweine wurden feilgeboten. Leidenschaftliche Mittelalter- und Fantasyfans trafen auf neugierige Besucher in „Zivil“. Bei einem Schluck Met aus dem Horn ergab sich so manch interessantes Gespräch über den sagenhaften Ursprung des Göttertrunks, über Kettenhemden oder das „Larpen“ (Live Action Role Play).

Die aus Weißrussland stammende Fantasy-Folk-Band „Irdorath“, die in Osteuropa Hallen mit mehreren Tausend Zuhörern füllt, rockte am Samstagabend den Stadtgarten. Das Duo Jomamakü sicherte sich mit seiner Art die Sympathie des Publikums. Ihr Metier: Gaukelei und Feuerspektakel. Unter dem Motto „Pfullendorf soll brennen“ jonglierten sie mit Fackeln, spuckten Feuer und schleuderten brennende Diabolo in den Nachthimmel.

Eine fantasievoll gewandete Darstellerin auf Stelzen.
Eine fantasievoll gewandete Darstellerin auf Stelzen. | Bild: Johanson, Kirsten

Gut die Hälfte der Besucher war in mehr oder weniger historische, in jedem Fall mit viel Liebe zum Detail ausgesuchte Gewänder gehüllt. „Gewandung“, nicht „Verkleidung“ – denn mit Fasching habe das Mittelalter-Hobby nichts zu tun, betonen sie. Piraten, Bauernmägde, Wikinger, Edelmänner und Raubritter flanierten durch den Stadtgarten. „Mittelalter-Märkte sind für mich wie ein Urlaub vom Alltag“, formulierte es Felix (18) aus Markdorf. Maikel aus Waldshut-Tiengen – unter der Woche Maler und Lackierer, am Wochenende Mr. Deadman Bones, sagt: „Alle begegnen einander freundschaftlich und respektvoll.“ Daniel aus Rottweil alias „der humpelnde Klaus“ lobt den Veranstaltungsort: „Ein schöner Park mit Bäumen, ein vielfältiges Programm – ich komme gerne wieder!“